Rainer Bonhorst / 11.12.2017 / 17:53 / Foto: Tim Maxeiner / 0 / Seite ausdrucken

Ergebnisoffener Schreibversuch

Nach langer, kontroverser Debatte mit mir selbst, habe ich mich zögernd und mit einigen Bedenken entschlossen, diesen Text zu schreiben. Ursprünglich wollte ich ihn nicht schreiben, sondern in die Schreib-Opposition gehen und den Texten aktiver Autoren, wenn notwendig, meine gegenteilige Meinung entgegenschleudern. Aber dann habe ich mir mehrheitlich gesagt, dass ich mich so nicht aus der Verantwortung stehlen darf. Also schreibe ich jetzt doch, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass dieser Text ergebnisoffen begonnen wird.

Andererseits soll der Text bei aller Ergebnisoffenheit auch nicht vorschnell oder aus rein persönlichen Interessen abgebrochen werden. Es geht schließlich auch um das große Ganze. Und außerdem: Wer schreibt, der bleibt. Warten wir also ab, wohin die Wörter mich führen. Führen sie mich womöglich scharf nach links, indem ich zum Beispiel die Bürgerversicherung für alle genderneutralen Frührentner mit Migrationshintergrund fordere? Oder führt mich der Text doch mehr zur Mitte hin, indem ich eine atmende Untergrenze für die Mietpreisbremse in alternativlosen Ballungsräumen empfehle?

Wie auch immer: Entscheidend ist, wie gesagt, dass der Text ergebnisoffen bleibt. Zwar besteht die Gefahr, dass das, was ergebnisoffen anfängt, ergebnislos endet. Dann wird sicher mancher sagen, man hätte gleich ergebnisgeschlossen an die Sache herangehen sollen. Nun habe ich mich aber nahezu geschlossen für die Ergebnisoffenheit entschieden, und dabei bleibt es.

Wie lange ich diese Ergebnisoffenheit aufrecht erhalten kann, ist eine andere Frage. Offen gesagt: Mich beschleicht beim Schreiben schon jetzt das unheimliche Gefühl, dass die Ergebnisoffenheit früher oder später in die Bedeutungsoffenheit, um nicht zu sagen: in die Bedeutungslosigkeit führt.

Andererseits ist ein Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit noch lange kein belastbarer Grund, einen einmal begonnenen Text zu verändern oder abzubrechen oder gar den Autor auszutauschen. Entscheidend ist, dass der Text in allen wesentlichen Fragen weitgehende Übereinstimmung erzielt, ohne rote Linien zu überschreiten. Wenn am Ende nur noch ein paar lösbare Knackpunkte offen sind, verliert die Bedeutungslosigkeit an Bedeutung.

Allerdings kann ich auch nicht ewig weiterschreiben. Mein Zeitfenster ist begrenzt. Ich muss dringend zum Stadion, weil mein Verein in Kürze ergebnisoffen gegen Berlin spielt.    

Foto: Tim Maxeiner

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