Erdogans deutsche Tafelrunde

Wiederholt habe ich über türkische Bestrebungen berichtet, von innen heraus Einfluss auf die deutsche Politik zu nehmen. Seit vielen Jahren erfüllen diese Aufgabe neben den zahlreichen “Kulturvereinen” vor allem die türkisch-islamische Union DITIB und die Türkische Gemeinde. Doch die Einflussnahme beschränkt sich keinesfalls auf die von der Politik zum mächtigen Mitspieler aufgebauten Verbände.

Auch in den etablierten Parteien werden die türkisch-islamischen Interessen mit Nachdruck vertreten, nicht zuletzt durch hochrangige Regierungsmitglieder, etwa der Schwester zweier Islamisten, Aydan Özoğuz. Erstmals trat 2017 mit der Allianz Deutscher Demokraten (ADD) sogar eine türkische Partei bei der Bundestagswahl an. Bei unseren niederländischen Nachbarn befindet sich mit der DENK eine derartige Organisation bereits im höchsten Parlament. Unverhohlen betätigt diese sich seither als Erdoğans Sprachrohr, errichtet öffentliche Pranger und heizt integrationspolitische Fragestellungen an.

Das auf Spaltung angelegte Wirken mit einer einseitigen Interessenpolitik ist das Wesensmerkmal der türkischen Parteigründungen. Sie sind nichts weiter als der verlängerte Arm von Erdoğans AKP. Eisern halten Deutschlands Medien dennoch an ihrem Begriff der “Migrantenpartei” fest, um Ziele und Auftrag zu verschleiern. Dies gilt auch in Bezug auf die ADD, die sich im Bundestagswahlkampf explizit an alle “Türkei-Freunde” wandte und mit dem Konterfei ihres Führers vom Bosporus warb.

Die mit viel Selbstbewusstsein 2016 in Nordrhein-Westfalen gegründete ADD hat sich seither allerdings kaum ins Gespräch bringen können. Mickrig war der Wählerzuspruch bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl 2017. Und auch die Bundestagswahl endete mit einer Bauchlandung. Gerade einmal 0,1 Prozent der Stimmen konnte man verbuchen.

Bei der Gründung hatte der Vorsitzende Remzi Aru vollmundig ein Ergebnis von mindestens 10 Prozent angekündigt. Dazu hätte es allerdings jener Änderung des Wahlrechts bedurft, die linke und muslimische Gruppen immer wieder ins Gespräch bringen: Eltern sollen für ihre minderjährigen Kinder wählen dürfen. Leicht könnten so pro Familie ein halbes Dutzend ADD-Stimmen zusammenkommen.

In erster Linie Muslime aufwiegeln

Noch ist es aber nicht soweit, und so muss die ADD auf andere Weise Stimmen erwerben. Unverhofft hat sich ihr nun durch die tagelange Diskussion rund um die Essener Tafel eine Möglichkeit eröffnet, auf sich aufmerksam zu machen. Mit einer Strafanzeige will man dafür sorgen, dass die Tafel ihre Gemeinnützigkeit verliert und Insolvenz anmelden muss. Man habe wegen des unter anderem von Pro Asyl, einer Sozialministerin und der Frankfurter Rundschau bescheinigten Rassismus einen “Strafantrag wegen dem Verdacht der Steuerhinterziehung aufgrund fehlender Gemeinnützigkeit gestellt”. Die Argumentation ist so holprig wie die Formulierung selbst, und natürlich hat die Anzeige keinerlei Aussicht auf Erfolg. Aber darum geht es den türkischen Gegenspielern auch gar nicht.

Sie scheinen in erster Linie Muslime aufwiegeln zu wollen, allen voran die Millionen von Türken und Türkischstämmigen, deren Stimmen sie brauchen, um an die Fleischtöpfe der großen Politik gelangen zu können. Dazu hat die ADD zugleich auch die Einrichtung einer eigenen Armenspeisung namens “SOFRA” angekündigt, dem türkischen Wort für “Tafel”, mit dem Hauptaugenmerk auf der Versorgung von Muslimen.

Ein Aufruf an “türkische aber auch Internationale Gaststätten, Restaurants oder Hotels” soll helfen, der muslimischen Kundschaft “halal” zubereitetes Essen anbieten zu können. Man könnte es begrüßen, wenn sich neben den vielen bestehenden karitativen Einrichtungen eine weitere bildete, die sich um das Wohl der Ärmsten kümmern wollte.

Als Partei muss sich die ADD aber den Vorwurf gefallen lassen, dass sie den Vorwand der Wohltätigkeit dafür missbraucht, potentielle Wähler mit milden Gaben zu ködern. Der Vorstoß ist auch deshalb so perfide, weil nicht etwa die Schaffung eines Zusatzangebots im Vordergrund steht, sondern das erklärte Ziel, sich an der Essener Tafel zu rächen.

Doch während der Vorsitzende der Tafeln in Deutschland Angela Merkel öffentlich bestellt, man lasse sich von ihr nicht für die Folgen ihrer falschen Politik rügen, hört man von der ungewohnt redseligen Kanzlerin nichts dazu, dass die Partei der Türken die Essener Vorgänge für ihre billige Eigenwerbung missbraucht. Wundern muss dies niemanden, es entlarvt aber eine polit-mediale Kaste, die den Vorwurf des Ausschlachtens immer nur dann erhebt, wenn sich vermeintliche oder tatsächliche Rechte artikulieren.

Dieser Beitrag erscheint auch auf Ramin Peymanis Blog.

Foto: Matthias Laurenz Gräff/ Devils Child.

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Leserpost (7)
Dirk Jäckel / 05.03.2018

Man mag Frau Özoguz alles mögliche vorwerfen (sie gehört für mich zu den tausend Gründen, nie wieder SPD zu wählen), aber ganz gewiss nicht, dass sie Sprachrohr des Großen Führers aus Ankara sei. Vielmehr ist sie eine der vielen Hassfiguren türkischer Nationalisten. Und ihre Familie - nicht sonderlich fair, das anzusprechen. Was das üble Treiben der ADD und das beredte Schweigen der ehemaligen FDJ-Funktionärin betrifft - freilich volle Zustimmung.

Marcel Seiler / 05.03.2018

Danke für diese Einschätzung.

H.Roth / 05.03.2018

Es ist wirklich eine hervorragende Idee, wenn die Türken für Türken und alle anderen muslimischen (Glücks-)Ritter, eigene Tafelrunden gründen und auch selbst finanzieren. Das hätte doch nur Vorteile für alle Betroffenen. Die einen könnten ihr Halal-Gemüse endlich in trautem kulturellen Ambiente geschenkt bekommen, und die deutschen Tafeln könnten sich wieder uneingeschränkt den deutschen und osteuropäischen Bedürftigen widmen.  Sollte die Essener Tafel aufgrund dieser Klage wirklich dicht machen, hoffe ich, dass die 75 Prozent Migranten, die bisher davon profitiert haben, sich persönlich bei ihren türkischen Freunden bedanken.

Karla Kuhn / 05.03.2018

“Doch während der Vorsitzende der Tafeln in Deutschland Angela Merkel öffentlich bestellt, man lasse sich von ihr nicht für die Folgen ihrer falschen Politik rügen, hört man von der ungewohnt redseligen Kanzlerin nichts dazu, dass die Partei der Türken die Essener Vorgänge für ihre billige Eigenwerbung missbraucht. Wundern muss dies niemanden, es entlarvt aber eine polit-mediale Kaste, die den Vorwurf des Ausschlachtens immer nur dann erhebt, wenn sich vermeintliche oder tatsächliche Rechte artikulieren.”  Auf t-online durfte ich heute etwas ganz “Besonderes” lesen : ”  Ans Werk ! Und groß gedacht!”  Ich habe erst mal auf den Kalender geschaut, ob der erste April vielleicht vorgezogen wurde. Wenn groß gedacht wird, da kann man sich doch mit solchen “Kleinigkeiten” wie der Tafel nicht auch noch befassen, oder ?? Soll doch die 0,1 % Partei klagen, der Erfolg wird gleich NULL sein, vor allem wenn ca. 75% der Menschen, die in Essen zur Tafel gehen, Migranten, Flüchtlinge sind, bzw. sein sollen. Anstatt sich auf die Seite der Helfer, die OHNE !! Bezahlung dort arbeiten zu stellen, auch noch klagen, finde ich äußerst dreist.  Wenn es keine ehrenamtlichen Helfer mehr geben würde, könnten die Tafeln schließen. Sie sind in meinen Augen ein Armutszeugnis für Deutschland. Bessere Bezahlung, bessere Arbeitsplätze und bessere Renten und das Thema Tafel wäre Geschichte.

Jürgen Seeger / 05.03.2018

Ich erwarte von “Erdogans Mädchen”, aka Angela Merkel, schon lange nicht mehr, dass sie etwas gegen AKP und Konsorten sagt. Stattdessen biedert man sich beim PKK-Verbot mit absurden Vorschriften wie “keine Öcalan-Bilder” an.

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