Dirk Maxeiner / 12.10.2016 / 18:00 / Foto: Niels de Wit / 9 / Seite ausdrucken

Pflicht zum Elektroauto: Die dümmsten Kälber…

Der Bundesrat, der ja ebenfalls berechtigt ist Gesetzesinitiativen einzubringen, hat parteiübergreifend eine Stellungnahme zu einer "europäischen Strategie für emissionsarme Mobilität" beschlossen.  Man bittet die Brüsseler Kommission, Vorschläge für Abgaben und Steuern zu unterbreiten, "damit spätestens ab dem Jahr 2030 unionsweit nur noch emissionsfreie Pkw zugelassen werden". Praktisch heißt das: Die bisherige Antriebstechnik mit Verbrennungsmotoren soll dann verboten werden. Für ein Land, dessen wichtigste verbliebene Industrie die Automobilbranche ist, eine erstaunliche Direktive. Man könnte es auch Selbstmord aus Angst vor dem Tod nennen.

Nach der Energiewende will das Allparteien-Konglomerat offenbar die von den Grünen schon lange betriebene "Verkehrswende" ins Werk setzen. Nach der nächsten Bundestagswahl wird diese Partei mit großer Wahrscheinlichkeit an einer wie auch immer gearteten Bundesregierung beteiligt sein. Und der jetzige Beschluss ist ein Vorgeschmack darauf, wie gut die handelnden Personen mittlerweile auf dem Gesetzgeber-Klavier spielen. Richtig erschreckend ist aber etwas anderes: Das Schweigen der Automobilindustrie. Die ist mittlerweile durch den Diesel-Skandal weitgehend mit sich selbst beschäftigt und offenbar völlig enteiert, wenn es darum geht, einer wildgewordenen Politik laut und deutlich zu widersprechen. Daher ist der Zeitpunkt für diesen Vorstoß kein Zufall.

Die Herrschaften in der Autoindustrie glauben wohl, die Sache durch vertrauliche Lobbyarbeit vom Tisch zu kriegen. Wenn sie sich da mal nicht täuschen. Das haben schon andere vor Ihnen gedacht, etwa die Gentechnik-, Atom- oder Fracking-Branche. Alle sind in Deuschland Vergangenheit. Besichtigen lässt sich die Folge solcher Appeasement-Politik gegenüber Ideologen aber auch bei den großen Energieversorgern. Einstmals stolze Unternehmen wie RWE oder Eon schlittern mittlerweile als Schatten ihrer selbst am Bankrott entlang, entlassen Tausende von Leuten, greifen Subventionen ab und werden wohl früher oder später unter einen staatlichen Schutzschirm schlüpfen, ergo verstaatlicht.

So soll es offenbar auch mit Deutschlands Automobilindustrie vonstatten gehen. Das ist ein Problem für Hunderttausende Arbeitsplätze, nicht aber für Ideologen, denen das Individual-Fortbewegungsmittel Auto schon lange ein Dorn im Auge ist. Wobei eines den Herrschaften im Bundesrat klar sein sollte: Ein deutsches Kraftwerk kann nicht davon laufen. Eine deutsche Automobilfabrik jedoch schon. Aber sie braucht es gar nicht: Es stehen schon Dutzende Zweigwerke etwa in China, man muss nur die Produktion hochfahren. Shanghai statt Wolfsburg geht auf Knopfdruck.

Politiker glauben hier auch mal wieder, schlauer zu sein als der Markt. Der sagt aber: Elektroautos sind zur Zeit, wenn überhaupt, noch nicht einmal mit Subventionen in nennenswerten Stückzahlen zu verkaufen. Und wenn sie mal so weit entwickelt sind, dass sie mit den jetztigen Verbrennungsmotoren konkurrieren können, dann werden die Leute ganz von selbst auf das bessere System umsteigen. Dafür brauchen sie aber keine grünen Verbotsapostel.

Einstweilen ist das Elektroauto jedoch nicht nur eine ökonomisch, sondern auch eine ökologisch fragwürdige Veranstaltung. "In Deutschland dominieren Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. Das wird noch etliche Jahre so bleiben. Dementsprechend 'schmutzig' bleibt der Ladestrom für E-Autos – unabhängig davon, ob man einen Ökostrom-Tarif abschließt", schreibt heute der Tagesspiegel in einem hellsichtigen Beitrag, "in einer kompletten Lebenszeit-Analyse kommt das Heidelberger Umwelt- und Prognose-Institut daher zu dem Schluss, dass bei durchschnittlicher Nutzung E-Autos pro Personenkilometer nur unwesentlich weniger CO2 ausstoßen als Benziner und Diesel." Aber das ist noch nicht alles: "Vor allem beim Feinstaub sieht es trübe aus für die Elektro-Flitzer. Da diese bei der Herstellung mehr Ressourcen erfordern als gewöhnliche Pkw, bleibt unterm Strich das paradoxe Fazit: Je mehr ich fahre, desto 'grüner' wird der E-Wagen im Vergleich zum herkömmlichen Fahrzeug."

Es gibt übrigens auch wenig Erfahrungen darüber, wie lange so eine teure und schwere Elektroauto-Batterie überhaupt hällt. Fünf Jahre? Zehn Jahre? Wie viel Energie bei der Produktion von Batterien verbraucht wird, ist ebenfalls nicht ganz klar, sie erfolgt meist in China (Die Hersteller von Solarpanels lassen grüssen). Und das bisschen Restauto produziert man dann sinnvollerweise gleich nebenan ebenfalls in China. Bekanntermaßen ist dort der Anteil an Kohlestrom recht hoch, es werden im Wochentakt neue Kohlekraftwerke hochgezogen. Deutschland wird die Arbeitsplätze der Automobilindustrie also mitsamt der Abgase nach China exportieren. Einfach irre.

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Leserpost (9)
Sebastian Nolte / 13.10.2016

@Christop Behrends: Die aktuellen Anbieter von Elektroautos (zumindest Tesla, VW und BMW) geben acht Jahre Garantie auf ihre Batterien. Das würden sie wohl kaum tun, wenn sie davon ausgehen müssen, dass schon nach 4 Jahren de Batterie schlapp macht. Bei Autoakkus geben sich die Hersteller schon Mühe (und entsprechend Geld aus), damit die lange halten, z.B. durch Tempreaturmanagement und Flüssigkeitskühlung.

Rolf Rattay / 13.10.2016

Der Waehler koennte es aendern!!! Nur erkennt er leider nicht, dass sich unser Staat selbst zu Grunde richtet.

Wolfgang Richter / 13.10.2016

“Schmutzig” ist vor allem die unzureichende Batterietechnik, die dazu führt, daß -meines Wissens- alle 3 - 5 Jahre die komplette Batterieplattform ausgetauscht werden muß, was vor allem bei einer größerren E-Auto-Flotte nicht nur ein Recyclingproblem wird, sondern für die E-Fans auch recht kostenintensiv. Aber zumindest könenn diese sich damit trösten, daß ein Hobby nun mal Geld kostet, und es ist ja auch für einen guten Zweck, die Rettung der Welt. Und wenn ich für diese gute Tat dann auch noch Bus- u. Taxispuren nutzen u.  in zugeparkten Innenstädten trotzdem das Recht habe, frei zu parken, dann kommt beim “Spender” ja auch was an.

Sye Drarsa / 13.10.2016

Vielen Dank für den Artikel, der die Puzzle Teile ins richtige Bild fügt. Wir werden die Arbeitsplätze auf diese Weise exportieren und über die Zeit das hervorragende Know-How verlieren, während wir gleichzeitig immer mehr Analphabeten importieren. Viele Staaten warten auf soviel Dummheit in Deutschland und stehen selbst in den Startlöchern. Der Kampf um Arbeitsplätze und die Verteilung der Arbeit ist entscheidend für die Zukunft der Gesellschaft. So interessant die Feinstaub-Problematik auch sein mag, möchte man in reinster Luft ohne Tätigkeit und nennenswertes Einkommen älter werden, als es jetzt schon möglich ist?

Oliver Radtke / 13.10.2016

Lieber Herr Maxeiner, Sie haben ja so recht: Dümmer geht immer… Was den derzeit Verantwortlichen in diesem Land offensichtlich fehlt, ist jedwede Vorstellungskraft, wie denn die wirtschaftlichen Zusammenhänge hier so funktionieren. Wir reden hier nicht, und da muss ich Sie korrigieren, von Hundertausenden, sondern von Millionen Menschen, die arbeitslos werden (und die dementsprechend auch nicht einfach mal auf die Schnelle eine andere Beschäftigung finden werden). Denken Sie zum Beispiel nur mal einfach an die Zulieferindustrie, die davon direkt betroffen sein wird. Im Übrigen ist ein E-Auto schnell zusammengedengelt und der Motor nur wenig anspruchsvoller als ein Rührmixer. Es kommt auf den Speicher an. Aber auch der kann ganz locker ohne großen Personalaufwand produziert werden. Und ganz recht, ob diese Autos dann überhaupt noch hier gebaut werden (müssen), das sei dahingestellt. Dazu mal auf Youtube sich eine Tesla Produktionsstätte anschauen. Viel, viel Kuka und ganz, ganz wenig Menschen. Ach Herrje, da fällt mir ein, das KnowHow von Kuka hat dieses Land ja auch schon erfolgreich verscherbelt. Ähnlich wir bei der komplett dämlich durchgeführten Energiewende, kann man nur noch den Kopf schütteln und auf höheren Beistand hoffen. Herr, wirf doch bitte endlich Hirn vom Himmel! Auf dem Weg in die Deindustrialisierung sind wir auch bald ganz weit vorne, sozusagen auf Weltniveau. Wenn das doch noch Morgenthau hätte erleben können…

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