Henryk M. Broder / 13.10.2007 / 20:01 / 0

Ekel Alfred

Jedem das Seine. Barbara Rütting muss immer wieder erzählen, wie sie ihr Brot selber bäckt; Nadja Tiller und Walter Giller, wie sie sich vor 5o Jahren kennengelernt haben; Angela Ermakowa, wie sie von Boris Becker in der Besenkammer eines Londoner Hotels geschwängert wurde; Dietmar Schönherr, wie er den Kapitän im Raumschiff Orion gespielt und Dolly Buster, wie sie zum ersten Mal ihren G-Punkt gefunden hat. Mehr haben sie nicht zu bieten, und mehr will man von ihnen auch nicht hören. Und alles, was man von Alfred Grosser hören will, ist eine Antwort auf die Frage: “Wie hältst du es mit Israel, Alfred?” Und schon kommt die postsenile Plaudertasche richtig in Fahrt, zuletzt im stern. http://www.stern.de/politik/ausland/:Alfred-Grosser-Israels-Politik-Antisemitismus/600037.html
Was aber hat A.G. mit Israel oder den Juden zu tun? Seine Eltern haben Deutschland 1933 verlassen, weil sie sich als Freimaurer bedroht fühlten, er wurde katholisch erzogen und weder bei Kol Nidre in einer Synagoge oder jemals im Cafe Tamar in Tel Aviv gesehen. Aber wenn es darum geht, die Ursachen des Antisemitismus zu erklären, unterbricht Alfred kurz die Frischzellentherapie und sagt, was man von ihm hören will: “Israels Politik fördert Antisemitismus”.
Da mag ja was dran sein, aber ein kurzer Blick in ein Lexikon oder auch nur ein Besuch bei Wikipedia und Ekel Alfred könnte erfahren, dass der Antisemitismus ein wenig älter ist als der Staat Israel, der vor 6o Jahren gegründet wurde. Was war es also, das den Antisemitismus “gefördert” hat, bevor die Zionisten Palästina besetzten? Was war der Grund für das große Pogrom von Köln im Jahre 1o96?  Für die Juden-Massaker der Kosaken unter Bohdan Chmelnicki im 17. Jahrhundert? Für die Dreyfus-Affäre (1894-19o6)? Für die Pogrome von Odessa (1821) und Kischinew (19o3), nur um zwei von vielen zu nennen? Warum wurden 1929 in Hebron 67 Juden ermordet? Was war los in Jedwabne (1941) und in Kielce (1946)?
Mit Antisemiten über Antisemitismus zu diskutieren, ist so sinnlos wie der Versuch, Wasser bergauf fließen zu lassen. Oder Scheiße zu Gold zu verarbeiten. Grosser zu erklären, dass er nicht an den Juden bzw. den Zionisten leidet, sondern an sich selber, wäre ebenso vergeblich. Tun wir ihm den Gefallen, lassen wir ihn leiden.

Siehe auch:
http://www.matthiaskuentzel.de/contents/warum-israel-so-nicht-kritisiert-werden-kann

Und auch das:
Selten lässt der Politikwissenschaftler eine Gelegenheit ungenutzt, das „erlittene deutsche Leid der Bombennächte und der Vertreibungen“ zu beklagen, die „mutige Hilfe für Juden in Deutschland“ während des Nationalsozialismus allen Ernstes zu einem Massenphänomen hochzujazzen und sich wie der unvermeidliche Rupert „Ich will nicht mehr schweigen“ Neudeck zu fragen: „Ist es nicht eine Verpflichtung der heutigen Juden, an das Schicksal anderer Unterdrückter und Verachteter zu denken?“ Sozusagen als Geste der Dankbarkeit den Deutschen gegenüber, die zwischen dreiunddreißig und fünfundvierzig entgegen anderslautenden Erkenntnissen eine einzige große Judenrettungsbewegung waren und auch heute noch überall auf der Welt aktiv sind, „wenn Grundrechte verletzt werden“ – vor allem dann, wenn es sich bei den Missetätern um die Nachfahren der von ihnen damals Erlösten handelt. http://lizaswelt.blogspot.com/2007/10/frieden-mit-der-walser-keule.html

Dazu auch:
Man wird doch Alfred Grosser noch kritisieren dürfen!
http://fdog.org/2007/10/14/man-wird-doch-alfred-grosser-noch-kritisieren-durfen/

Alfred, das Alibi
http://taylorbob.wordpress.com/2007/10/13/das-alibi/

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