Manfred Haferburg / 10.02.2016 / 08:03 / 5 / Seite ausdrucken

Eine Handgranate ohne Zünder geht nach hinten los

„Anhaltspunkte für eine fremdenfeindliche Tat gibt es demnach nicht. Die Männer hätten überwiegend einen osteuropäischen Migrationshintergrund, teilten die Ermittler mit“.

#Handgranate - ein einziger Generalverdacht durch Politiker aller Coleur:

SPD/ Heiko Maas: «Die Täter dürfen nicht ungestraft davon kommen», twitterte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) unter dem Hashtag #Handgranate. (Heiko, davonkommen wird zusammengeschrieben, auch bei Twitter)

DIE LINKE/ Bernd Riexinger: Der Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen war systematische rechte Gewalt und ein weiteres Beispiel für das Versagen von Justiz und Regierung, erklärt der Vorsitzende der Partei DIE LINKE, Bernd Riexinger. Die rechte Szene befindet sich seit Monaten im Kriegszustand. Vor den Augen der Polizei, den Medien und der Politik hat sich rechtsextreme Gewalt im vergangenen Jahr vervielfacht. Die Begleitmusik zu Brandsätzen gegen Flüchtlingsunterkünfte liefern jede Woche die braunen Aufmärsche Gida-Volksverhetzer. (Siehe hier)

DIE GRÜNEN/ Winfried Kretschmann: Politiker sprechen bundesweit von einer neuen Dimension der Gewalt. «Also das ist wirklich unfassbar, dass jetzt schon mit Handgranaten - quasi mit militärischen Waffen - auf Asylsuchende losgegangen wird», sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. (siehe hier)

DIE GRÜNEN/ Volker Beck: Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck, innenpolitischer Sprecher, bezeichnete die Tat als «Straßenterror» und forderte einen Gipfel im Kanzleramt mit Diskussionen, «die am Wohl und Schutz der Flüchtlinge orientiert sind und nicht nur an deren Abwehr». (Siehe hier)

CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf nannte die Attacke einen „Anschlag gegen die Menschlichkeit“. Die Tat müsse mit der ganzen Härte des Rechtsstaates verfolgt und bestraft werden. (Siehe hier).

Der Anschlag habe ihn zutiefst erschüttert, sagte der Freiburger Vizeregierungspräsident Ficht. «Zumal es eine Handgranate ist, die auch im Kriegsfall verwendet wird. Und das in einer Umgebung, in der wir eine Einrichtung betreiben, die Menschen Schutz bieten sollen, die vor so einer Situation geflohen sind. » Wie es den betroffenen Flüchtlingen im Moment gehe, könne er nicht genau sagen, erklärte Ficht. Seine Mitarbeiter hätten aber Kontakt mit Asylbewerbern gehabt, die Lage sei ruhig. (Siehe hier)

Und nun? Ausländerfeindliche Ausländer bringen deutsche Politiker in die Wählerverdächtigungsbredouille. Die Hetzer haben sich verhetzt.

Schwamm drüber! Entschuldigungen wird es nicht geben. Ich hasse es, Recht gehabt zu haben.

Das ist es, was am meisten weh tut: Das mangelnde Schuldbewusstsein dieser Vorverurteiler. Ihr Mangel an Empathie dem eigenen Volk gegenüber. Der Mangel an Vertrauen der Politik zu den Wählern. Der Mangel an Respekt der Medien gegenüber den Lesern und Zuschauern.

Leserpost (5)
Karl Josef Bendele / 11.02.2016

Der Artikel tut gut. Aber Schuldbewusstsein erwarte ich gar nicht mehr von den Vorverurteilern, und es werden immer mehr, denen es genauso geht. Ich stelle mir dagegen den Frust auf deren Seite vor, wenn sie erkennen, dass ihre (irreale) Sicht der Dinge nicht einfach mehr nur geteilt sondern schlichtweg ignoriert wird. Politik und Medien haben es einfach zu weit getrieben, jetzt kommt die Gegenbewegung und sie ist nicht aufzuhalten. Ich hoffe allerdings, dass das nicht dazu führt, dass das Pendel zu weit in die andere Richtung ausschlägt.

Stefan Schneider / 10.02.2016

Sehr geehrter Herr Haferburg, was geht nach hinten los? Denken Sie, dass ein signifikanter Anteil der Bevölkerung die Aufklärung des Falles, verteilt auf ein paar kleine, unauffällige Artikel hier und da, wahrgenommen hat? Den Skandal der massiven Stimmungsmache und der Vorverurteilungen gegen die ernüchternde Wahrheit mitbekommen hat (die Wahrheit, die, wenn man ehrlich ist und gesunden Menschenverstand gelten ließ, von vornherein schon in der Luft lag)? Bei dieser Wette halte ich dagegen. War es nicht, gerade umgekehrt, wieder einmal ein erfolgreiches Macht- und Intrigenspiel von Maas und Co? Nutze so einen Anlass, um mit starken Worten und einfachen, emotionales Botschaften Macht und Führung zu zeigen, nach der sich die Bevölkerung gerade jetzt sehnt. Mit drohendem Unterton diejenigen einzuschüchtern, die gerade dabei waren, sich von der Bevormundung durch das Kartell zu lösen. Das Beste dabei: Sollte sich irgendein kleines Licht hinterher erdreisten kritisch nachzufragen, ob die Wahrheit nicht verdreht oder zurückgehalten wurde. Sofort kann so ein kleiner Artikel aus dem Ärmel gezogen werden. Hier kann vielleicht eher lernen, wie man seine Macht durchsetzen kann. Wenn man der Charakter ist, dabei mit sich selbst im Reinen zu bleiben.

Michael Lorenz / 10.02.2016

Zitat: “Das ist es, was am meisten weh tut: Das mangelnde Schuldbewusstsein dieser Vorverurteiler. Ihr Mangel an Empathie dem eigenen Volk gegenüber…” Und genau deswegen werde ich, soviel ich vermag, dazu beitragen, dass wir denen 2017 ebenfalls weh tun. Aber so richtig! So, wie es die FDP auch schon zu schmecken bekam, was ja immerhin beweist: Geht doch, auch wenn die so gar nicht damit rechnen.

FRanz Platz / 10.02.2016

Es ist beschämend , dass jeder der aufgeführten Elite-Politiker sich sofort in den Brustton der Überzeugung werfen und schnellstens behaupten musste, es sei ein fremdenfeindlicher Anschlag gewesen. Offenbar wollte jeder der Erste sein, der ins übliche Horn bläst. Keiner hat auch nur im Entferntesten daran gedacht, erst mal die Ermittlungen abzuwarten. Kann man da noch Gelassenheit und Besonnenheit erwarten?

Josef Kneip / 10.02.2016

Was ist eigentlich aus Deutschland geworden? Damit meine ich jetzt nicht den deutschen Bürger. Ich meine unsere Polit-“Eliten” und unsere Leitmedien, die den Bürger derart desorientieren wollen, wie es Merkel schon lange ist. Es ist doch schon pathologisch, wie vieles und viele hierzulande als rechts, rechter Rand, rechtspopulistisch, rechtsradikal angeprangert und beschuldigt werden. Unsere Politiker und Medien gehen sogar soweit, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Nationalbewusstsein, ja sogar Äußerung von Angstgefühlen als rechtspopulistsch zu diskreditieren. Jeder Protest gegen die Regierung, jeder Anschlag wird automatisch einem “rechten Pöbel oder rechten Pack” angelastet. Der Gipfel dieser Rechtsphobie sind die ausfallenden Äußerungen eines Herrn Maas, seine Zeichens Justizminister dieses Landes, über honorige Rechtsprofessoren und ehemalige Verfassungsrichter, die er der geistigen Brandstiftung bezichtigte. Und das nur, weil diese die rechtswidrige Politik Merkels aufzeigten. Bisher hat man immer Bestrebungen, die Verfassung und den Rechtsstaat auszuhebeln als rechtsradikal bezeichnet. Und wie soll man die Politik Merkels, die genau das tut, bezeichnen?

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