Michael Miersch (Archiv) / 14.09.2012 / 17:54 / 0

Ein Schwabinger Monolog (14. Teil)

Ich habe mal zusammengeschrieben, welche Weltanschauung seit Jahren auf Partys, in Kneipen und bei Zusammenkünften aller Art an meine Ohren schwappt. Die anderen Folgen des Schwabinger Monologs finden Sie, indem Sie in der Steuerungsleiste links auf meinen Namen klicken.

„…Ich lasse mir nicht den Mund verbieten! Manchmal fürchtet meine Frau, dass ich deswegen Schwierigkeiten bekomme. Es gibt ohnehin zu viel, worüber geschwiegen wird. Die Unterdrückung der Frau etwa! Nein, ich meine nicht die Frauen in Saudi-Arabien, ich spreche ganz bewusst über die Situation der ach so emanzipierten Frau aus der westlichen Welt. Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht. Das ist nach wie vor wahr. Auch in unserer Gesellschaft werden Frauen systematisch unterdrückt. Das mag eine unbequeme Wahrheit sei. Wer aber darüber schweigt, macht sich zum Komplizen eines von Männern dominierten Systems. Es geht schon damit los, in was für Rollenmodelle Mädchen gezwängt werden. Puppen und rosa Kleidchen.

Im Grunde haben wir dieselbe Geschlechterapartheid, die wir in der muslimischen Welt kritisieren. Bei uns geht es nur subtiler zu. Bei uns sind es die Werbefuzzis, die schon den Kleinen die Geschlechterklischees in den Kopf pflanzen. Gehirnwäsche nennt man so etwas. Man braucht keine Peitsche, wenn das Ziel auf eine so viel elegantere Weise erreicht werden kann. Der Westen ist in Sachen Frauenrechte nicht moderner als die islamische Welt, sondern nur verschlagener. Kinder zu indoktrinieren, ist ein Verbrechen. Kinder sind unverformt, spontan und manchmal voller Weisheit. Auch wenn wir in unserer Partnerschaft auf eigene Kinder verzichteten, schätzen wir an den Kindern unserer Freunde sehr, dass sie uns die Welt noch einmal auf eine neue Art erklären. Von kleinen Kindern kann man so viel lernen. Ihre Sicht auf die Welt ist noch nicht von Klischees vergiftet. Sie freuen sich über die Blume am Straßenrand und sind ohne Misstrauen gegenüber Fremden. Und es stimmt, wir haben durch das Interagieren mit den Kindern auch einiges in unserem Alltag geändert. Weniger Mauern in den Köpfen, weniger Angst vor dem Fremden, jeder kann seinen kleinen Beitrag leisten. Ich möchte nicht prahlen, aber dass ich seit über zehn Jahren Patenschaften mit zwei afrikanischen Kindern habe, bedeutet mir durchaus viel. Manchmal bekomme ich Fotos gesendet und sehe dann, dass sie einen Brunnen gebaut haben. Das ist doch wunderbar. Wenn es nach mir geht, sollte es solche Patenschaften auch mit Afghanistan geben.

Klar, Brunnenprojekte sind nichts gegen Ölgeschäfte, und wegen denen stehen deutsche Soldaten schließlich am Hindukusch im Krieg mit Aufständischen, die nicht unter Besatzung leben wollen. Wenn ich es mir so überlege, teilen Afghanen und DDR-Bürger ein gemeinsames Schicksal. Beide wurden mit voller Wucht von der westlichen Arroganz getroffen. Dort werden Dörfer bombardiert, hier wurden Volkseigene Betriebe geschlossen. Die Methoden unterscheiden sich, aber die Konsequenzen sind ganz ähnliche.

Jetzt komme ich schon wieder auf Afghanistan zurück und Sie merken daran schon, dass mich dieses Thema besonders beschäftigt. Ja, so ist es! Und ich kann ihnen auch erklären, warum. Afghanistan steht für alles, was im Westen falsch läuft: Krieg anstelle von Dialog, Rohstoffinteressen anstelle von Kulturaustausch, Überheblichkeit anstelle von Demut.

Afghanistan soll ja sehr faszinierend sein. Wunderschöne Natur und authentische, gastfreundliche Menschen. Vielleicht fahren wir dort eines Tages hin, um Urlaub zu machen. Wenn dieser verlogene Krieg vorbei ist und Afghanistan wieder den Afghanen gehört. Es wäre ein interessantes Ziel. Wir fahren im Urlaub am liebsten in Gegenden, die nicht von Touristen überrannt sind.

Die Taliban, das sind doch Schreckgespenster der US-Propaganda. Genauso ist es mit den Mullahs im Iran. Ein Popanz! Der Iran hat seit Jahrhunderten keinen Angriffskrieg geführt. Es gibt sogar Synagogen in Teheran. Natürlich gibt es da auch Unterdrückung, aber wo gibt es die nicht? Und dennoch werden die Mullahs in den Medien als die Erzbösewichte dargestellt. Fakt ist, der Iran wünscht den Palästinensern einen eigenen Staat. Genau wie alle anderen Menschen mit Sinn für Gerechtigkeit auch. Nur wird ihnen ständig das Wort im Munde herumgedreht.

Sie sind der Lieblings-Buhmann der „freien“ Welt. Dabei haben wir mitten in Europa auch eine Theokratie, in der es keine Synagogen gibt, niemand sich zu seiner Homosexualität bekennen darf, und Frauen Menschen zweiter Klasse sind. Und wer ist das Oberhaupt dieser Theokratie? Der Papst! Der ist auch nicht liberaler als die Mullahs! Im Gegenteil.

Der Iran unterstützt die Hamas, die im Rahmen des palästinensischen Freiheitskampfes hin und wieder auch selbst gebastelte Raketen auf das Gebiet der mächtigsten Militärmacht des Nahen Osten abfeuert. Die Mullahs würden eine Terrororganisation finanzieren, heißt es dann immer. Aber was ist mit dem Verhütungsverbot durch den Papst? Er ist dadurch ebenfalls für Tod und Leid verantwortlich, und zwar weltweit. Sein Terrorkrieg ist global!…“ 

Wird fortgesetzt

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