Gastautor / 06.02.2013 / 22:12 / 0

Ein Held und Gentleman

Thomas Baader

Im jesidischen Forum Daweta besprechen junge Menschen kurdischer Herkunft gerade, wie man das Gedenken an Arzu Özmen wach hält und Ehrenmorde in Zukunft vermeidet.

Stopp, falsche Realität. Vergessen Sie den obigen Satz, das war nur mein Wunschdenken. In Wahrheit macht man im Forum Daweta nämlich gerade das hier:

“Leute ich kann das nicht wahrhaben. Die haben doch tatsächlich den Vater von Arzu verurteilt. Er ist UNSCHULDIG!!!!!!!!! Wieso kapieren das die Deutschen nicht? Aus diesem Grund werden wir am Samstag auf 6 Verschiedenen Hochzeiten Unterschriften sammelen um dagegen zu protestieren. Arzus Vater soll sofort freigelassen werden, da er mit diesem Fall nichts zu tun hat. Er hat nichts mit dem Fall zu tun. Wir bitten Daweta.de um Unterstützung dieser Aktion damit ihr Vater wieder ein freier Mann sein kann, denn er ist für mich ein tapferer Held. Bitte macht alle mit bei der Unterschriften Aktion. Diesen Samstag auf jeder Hochzeit”
(http://www.daweta.eu/modules.php?name=eBoard&file=viewthread&tid=1416)

Man kann das schon nicht mehr “Maske fallen lassen” nennen. Die ist nämlich schon lange gefallen. Eine jesidische Demo für den verurteilten Vater von Arzu Özmen konnten die auf Schadensbegrenzung bedachten Anwälte der Familie übrigens gerade noch so verhindern.

Also, wenn Sie zufällig Jeside sind und am nächsten Samstag auf einer Hochzeit sind, denken Sie daran: Fendi Özmen ist unschuldig und außerdem ein tapferer Held. Wir wissen zwar gerade nicht, worin seine “Heldentat” bestanden haben soll, wenn er doch sowieso unschuldig ist, aber egal. Vielleicht gibt es gewisse Milieus, in denen man dadurch zum Held wird, dass man seine Tochter mit einem Stock verprügelt.

In anderen Milieus machen Helden etwas edlere Dinge - wie etwa ein Kind aus einem brennenden Haus retten. Aber manche Leute sind wohl nicht ganz so anspruchsvoll. Bei denen reicht es schon, die Tochter grün und blau zu schlagen.

Liebe Jesiden, zur Zeit verunglimpft Euch niemand mehr als Leute aus Euren eigenen Reihen. Mein Ratschlag: Lasst nicht zu, dass sie dieses Bild von Euch in der Öffentlichkeit prägen.

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