Henryk M. Broder / 19.04.2016 / 13:02 / 4 / Seite ausdrucken

Ein Antisemit kommt selten allein

Kennen Sie den?

Kommt ein Jude aus Galizien auf dem Wiener Ostbahnhof an. Kaum aus dem Zug gestiegen, spricht er einen gut gekleideten Reisenden auf dem Bahnsteig an.

„Entschuldigen Sie bitte, mein Herr, sind Sie vielleicht ein Antisemit?“ Der Angesprochene schreit den Juden an. „Wie kommen Sie darauf, das ist ja eine bodenlose Unverschämtheit!“ – „Nichts für ungut, mein Herr“, sagt der Jude aus Galizien, „ich wollte sie nicht beleidigen, wirklich nicht“. Und wendet sich an den nächsten: „Entschuldigen Sie bitte, sind Sie vielleicht ein Antisemit?“ – Dieselbe Reaktion. Und so geht es eine Weile weiter. Bis schließlich ein Mann mittleren Alters in einem Lodenmantel antwortet: „Natürlich bin ich ein Antisemit. Und ich bin stolz darauf!“ Darauf der Jude aus Galizien: „Sie sind ein ehrlicher Mensch. Ihnen kann ich vertrauen. Würden Sie bitte auf mein Gepäck aufpassen, während ich zur Toilette muss?“

Es kommen keine Juden aus Galizien auf dem ehemaligen Ostbahnhof mehr an, aber der Witz hat seine Gültigkeit behalten. Er fängt heute so an:

Kommt ein Jude auf dem Bremer Hauptbahnhof an...

Und so geht er weiter:

Sehr geehrter Herr Weinthal!

Gestern Abend hat der Antisemit Arn Strohmeyer einen Vortrag bei mir gehalten. Sie haben mir kein Ultimatum gesetzt, sie haben mich nicht einmal beschimpft. Ich fühle mich von Ihnen nicht ernst genommen, geradezu diskriminiert. Außerdem haben Sie dadurch Ihre Prämie verpasst.

Das nächste Mal werde ich  Sie v o r einem antisemitischen Vortrag  informieren. Ich schicke Ihnen demnächst eine Reportage  über meine Reisen nach Israel / Palästina. Sonst übersehen Sie die womöglich auch noch. Ich teile Ihnen auch die antisemitischen Zeitschriften mit, die den Text veröffentlichen werden - dann können Sie denen ein Ultimatum stellen. Die antisemitischen Redakteure sollen auch einmal etwas zu lachen haben.

Mit besten Wünschen nach Israel

Ihr

Volker Keller, Antisemit

Um diesen Witz zu verstehen, müssen Sie Folgendes wissen:

Der Antisemit Volker Keller ist Pastor der Evangelischen Kirche in Bremen und zuständig für den Dialog mit den Muslimen. Er vertritt die Bremische Evangelische Kirche im Rat für Integration.

Der Jude Benjamin Weinthal ist Mitarbeiter der „Jerusalem Post“. Er hat mehrfach über die Aktivitäten des Bremer Publizisten Arn Strohmeyer berichtet, der sich auf die Lösung des Nahost-Konflikts spezialisiert hat und den der Antisemit Volker Keller als Antisemiten bezeichnet.

It takes one to know one, sagen die Briten.

Wenn Sie also mal nach Bremen kommen und jemand brauchen, der kurz auf Ihr Gepäck aufpassen könnte, dann fragen Sie den Kandidaten erst einmal, wie er heißt. Bei Keller & Strohmeyer ist Ihr Gepäck in guten Händen.

Sie lesen gern Achgut.com?
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Leserpost (4)
Thomas Weidner / 20.04.2016

Herr Broder - alles schön und gut - aber: Ein Leserbrief, welche auf die Doppelmoral, das Messen mit zweierlei Maß, in Deutschland - in Politik und Medien -  hinweist, der wird z.B. bei den Online-Ausgaben von WeLT und FAZ gnadenlos sofort gelöscht. Selbst wenn dieser Leserbrief jeden Knigge-Test mit Bravour bestanden hätte… Die müssen Begriffe wie “Doppelmoral” u.ä. schon in ihrem computerisierten Zensurvokabular enthalten haben…

Thomas Weidner / 20.04.2016

Herr Broder - alles schön und gut - aber: Ein Leserbrief, welche auf die Doppelmoral, das Messen mit zweierlei Maß, in Deutschland - in Politik und Medien -  hinweist, der wird z.B. bei den Online-Ausgaben von WeLT und FAZ gnadenlos sofort gelöscht. Selbst wenn dieser Leserbrief jeden Knigge-Test mit Bravour bestanden hätte…

Roland Stadler / 19.04.2016

Die Bibel sagt, es sei nicht möglich, zwei Herren gleichzeitig zu dienen. Nach dem der Herr Pastor den Muslimen dient, kann er also nicht auch noch Jesus dienen. Die Bibel berichtet auch von Paulus, dass er allen alles geworden ist, um des Evangeliums willen ... damit sich die anderen bekehren. Falls sich Muslime beim Herrn Pastor nicht bekehren und er trotzdem den Juden Jesus verraten hat, wäre es besser, er würde zum Islam konvertieren. PS: ...im Rat für Integration - Wer integriert hier wen?

Thomas Bonin / 19.04.2016

Über Herrn Kellers Gemeinde-Website erfahren wir außerdem: “Im Nordwestradio von Radio Bremen und dem NDR ist er einer der Sprecher der Morgenandacht „kurz und gut“. Ein weiteres Indiz für die überfällige Abschaffung der GEZ-Praxis mitsamt Generalrenovierung der Öffentlich Rechtlichen Anstalten (um es mal ausgesprochen mild zu formulieren). Wieso fällt mir urplötzlich in diesem Zusammenhang unser (allseits vor Rechtschaffenheit triefender) Bundespräsident ein?

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