Henryk M. Broder / 02.03.2018 / 06:29 / Foto: Joseph M. Buliavac / 42 / Seite ausdrucken

Diesmal hat sich Merkel mit den Falschen angelegt

Vor fast acht Jahren ließ die Kanzlerin ihren Sprecher, Steffen Seibert, dem Volke ausrichten, sie sei empört über Äußerungen von Thilo Sarrazin über muslimische Migranten und fände diese „überhaupt nicht hilfreich". 

Sigmar Gabriel, damals noch Vorsitzender der SPD, pflichtete ihr auf seine Art bei. Er nannte Sarrazins Äußerungen „dämlich" und kündigte großmäulig an, er werde das Buch „Deutschland schafft sich ab" hinsichtlich „rassistischer Inhalte" prüfen lassen. Daraus wurde, wie wir inzwischen wissen, nichts. Sarrazin folgte auch nicht Gabriels Rat, freiwillig aus der SPD auszutreten. „Wenn Sie mich fragen, warum Sarrazin bei uns noch Mitglied ist – das weiß ich auch nicht."

Seitdem ist viel passiert. Gabriel hat fertig, der König von Goslar wird als der Politiker in die Annalen der Bundesrepublik eingehen, der über einen dämlichen Satz, den er seiner Tochter in den Mund gelegt hat, gestolpert ist. Merkel hat auch fertig, sie mag aber nicht aufhören, Deutschland zu dienen, so lange draußen vor der Tür Millonen darauf warten, in das deutsche Sozialsystem einwandern zu dürfen. Doppelmutti ist für alle da.

Nun ja, nicht wirklich. Sie brauchte fast ein Jahr, um in ihrem Kalender einen Termin für die Hinterbliebenen des Anschlags vom Breitscheidplatz zu finden, um hinterher „Versäumnisse" einzuräumen. „Heute ist ein Tag der Trauer, aber auch ein Tag des Willens, das, was nicht gut gelaufen ist, besser zu machen." Was man auch, mit einem Minimum an bösem Willen, als ein Versprechen auslegen konnte, beim nächsten Anschlag werde alles besser laufen.

Alles was Merkel tut, ist hilfreich, gut und richtig

Auf den „Skandal" um die Essener Tafel hat sie dagegen wie ein Blitz reagiert, der den Donner nicht abwarten kann. Man sollte, sagte sie in einem RTL-Interview, „nicht solche Kategorisierungen vornehmen. Das ist nicht gut“.

Wir sehen: Die Kanzlerin ist um Differenzierung bemüht, mal ist etwas „nicht hilfreich", mal „nicht gut". Nie aber käme sie auf die Idee, solche Kriterien auf ihre Politik anzuwenden. Denn alles, was sie tut, ist hilfreich, gut und richtig.

Diesem Größenwahn einer Frau, die Mühe hat, zwei zusammenhängende Sätze zu sagen, ohne sich zu verhaspeln, geht allmählich die Luft aus. Dem Volk dagegen, dem sie entrückt ist, geht ein Licht nach dem anderen auf. Der Vorsitzende der Tafeln in Deutschland, Jochen Brühl, hat die Patriarchin jetzt in die Schranken gewiesen: „Wir lassen uns nicht von der Kanzlerin rügen, denn die aktuelle Entwicklung ist eine Konsequenz ihrer Politik“, sagte er der NOZ, der Skandal sei, neben dem „enormen Armutsproblem", dem „unfassbaren Niedriglohnsektor" und der „unzureichenden Grundsicherung", die „unausgegorene Zuwanderungspolitik" der Bundesregierung.

Deutlicher geht es nicht. Das muss nicht der oft vorhergesagte Anfang vom Ende sein, den hat die Kanzlerin längst hinter sich; aber diesmal könnte sie sich mit den Falschen angelegt haben, mit Leuten, die genau wissen, wer die Rechnung für ihre halsbrecherische Politik der Fremdenliebe zahlen muss. Und wenn sie demnächst, wie angedroht, nach Essen kommt, um sich ein „realistisches Bild“ von der Lage dort zu machen, könnte es passieren, dass sie so empfangen wird wie vor einem halben Jahr in Quedlinburg

Foto: Joseph M. Buliavac U.S. Navy via Wikimedia Commons

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Leserpost (42)
Helmut Bühler / 02.03.2018

Schön wär’s Herr Broder, allein mir fehlt der Glaube. Frau Merkel ist von unfassbarer Ignoranz und Indolenz, das dämliche Volk vertraut ihr immer noch mehrheitlich, die CDU ist völlig enteiert, die Leitmedien sind nach wie vor stramm auf Verkündigungskurs und politische Morde sind aus der Mode gekommen. Nein, die Karawane wird weitersziehen auch wenn die Hunde jetzt ein Wenig kläffen. Frau Merkel bleibt uns auf jeden fall 4 weitere Jahre erhalten - und wenn es ihr gefällt auch noch länger.

Stefan Leikert / 02.03.2018

@Veronika Geiger googeln Sie: Merkel muß weg+Hamburg, zum Beispiel und machen Sie in Bayern eine Filiale auf!

E. Fischer / 02.03.2018

SUPER! Sie sprechen mir aus der Seele, Herr Broder! Diese Frau ist so unerträglich wie ihre Politik und ich frage mich tagtäglich, wer eigentlich noch immer zu ihr hält. Keinem unserer Politiker stand und steht es zu, die Tafeln zu kritisieren, und besagter Dame am allerwenigsten. Denn keiner von ihnen interessiert sich auch nur einen Funken für die Belange der deutschen Bevölkerung. Sind sie momentan noch mit ihrer Pöstchen-Rangelei beschäftigt? Oder schwelgen sie bereits im Vereinigten Staat Europa? Um mit Frau Cheblis Worten zu sprechen: „Mir läuft es eiskalt den Rücken runter“, allein wenn ich mir dieses Konstrukt vorstelle, und noch übler wird mir, wenn ich an die Worte dieses Yascha Mounck von diesem großartigen „historisch einzigartigen Experiment“ denke. Wo sind wir nur hingeraten?

Beate Konrad / 02.03.2018

Ich finde… Die Armutsgrenze ist 200€ zu niedrig angesetzt. Der Fehler liegt in der Politik,-erhöht endlich die Grundversorgung auf ein Existenzminimum, von denen Menschen in Deutschland würdig leben können.Anstatt das Geld nach Griechenland zu karren.

Andreas Rühl / 02.03.2018

Selbst nach Merkel wird sich an dem Grundproblem einer zunehmend irrationalen und realitätsfernen politischen Kaste leider nichts ändern. Daher weiß ich nicht, warum Sie, lieber Herr Broder, sich so auf diese Dame fokussieren. Sie ist nicht das Problem, sondern nur dessen Auswuchs. Es steht auch weiterhin niemand parat, der bereit wäre, der Vernunft den Vorrang vor seinen “Impulsen” einzuräumen. Das “Merkel”-Bashing führt nur dazu, dass sich die Irrationalen zusammenraufen. Wie kommt es sonst, dass weit über 90% der CDU-Delegierten einem “Koalitionsvertrag” zustimmen, in dem die CDU und Ihre Ziele überhaupt nicht vorkommen? Auch dieser Fehler wird Frau Merkel verziehen werden von Ihren “Anhängern”, wie alle anderen zuvor auch. Er wird umgedeutet werden in eine moralische Dimension und damit jeder Diskussion auf Vernunftsebene entzogen.

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