Peter Grimm / 28.10.2017 / 11:00 / Foto: Bildarchiv Pieterman / 5 / Seite ausdrucken

Die Wahrheit war einfach zu lang

Es ist eine gute Woche her, da berichtete die deutsche Presse über einen afghanischen Asylbewerber, der von Nazis in der Straßenbahn blutig geschlagen worden sei. Hätte es einen Grund gegeben, der Meldung zu misstrauen? Hätte man die Quelle für fragwürdig halten sollen? Immerhin war es die Linksjugend, die den Stein ins Rollen brachte, und ihr Anliegen, zu zeigen, wie sehr deutsche Nazis unschuldige Asylbewerber bedrohen, ist schließlich eine gute Sache. Hilfreich wäre es allerdings, wenn die Geschichte auch stimmen würde. Darf man eigentlich auch falsche Nachrichten von links auf gut neudeutsch „fake news“ nennen? Egal, denn vor denen hatte offenbar keiner Angst, sonst hätte man ja mal bei der Polizei nachfragen können, warum die Beamten der Öffentlichkeit diesen Fall fremdenfeindlicher Gewalt bislang verschwiegen haben.

Die Antwort ist ganz einfach. Bis zur Veröffentlichung der Geschichte wusste die Polizei nichts von der Gewalttat, obwohl die Nazis brutal mit Baseballschlägern auf ihr Opfer losgegangen sein sollen. Immerhin hat sie nach den Pressemeldungen begonnen, zu ermitteln. Und ihr Ermittlungsergebnis haben die Beamten nun der Öffentlichkeit tatsächlich via Presseerklärung mitgeteilt. Hier der Wortlaut:

Am Donnerstag, den 19.10.2017 gegen 19:00 Uhr, wird auf der Facebook-Seite der „Linksjugend Solid Mainz“ ein Beitrag über einen verletzten jungen Mann, mit Migrationshintergrund veröffentlicht. Laut dem Beitrag sei der junge Mann durch 3 „Nazis“ angegriffen und mittels eines Baseballschlägers verletzt worden. Die Täter seien anschließend geflüchtet und bei der Polizei eine Anzeige erstattet worden.

Am Freitag, den 20.10.2017, ist durch die Allgemeine Zeitung Mainz ein entsprechender Artikel dazu veröffentlicht worden. Die Zeitung gibt an, dass sie sich mit dem jungen Mann getroffen hat und dieser den Sachverhalt bestätigte.

Der Polizei lag zu diesem Zeitpunkt keine entsprechende Strafanzeige vor.

Der Kriminalpolizei Mainz ist es am Montag, den 23.10.2017, gelungen den jungen Mann zu ermitteln. Es handelt sich dabei um einen 16-jährigen Flüchtling aus Afghanistan.

Der Jugendliche gibt der Polizei gegenüber an, dass er den Sachverhalt der Linksjugend, sowie der Zeitung nicht ganz korrekt dargestellt habe. Er sei demnach am Donnerstag, den 12.10.2017, mit der Straßenbahn, aus Richtung Innenstadt kommend, gefahren. Vor ihm haben 2 junge Männer im Alter von ca. 18 Jahren gesessen. Einer der Männer habe sich abwertend gegenüber Ausländer geäußert. Der junge Afghane habe sich daraufhin in das Gespräch eingemischt und mit den beiden Männern eine Diskussion angefangen.

An der Haltestelle Marienborner Straße, Ecke Wilhelm-Quetsch-Straße habe der junge Afghane aussteigen wollen. Hierbei habe er die beiden Männer gebeten ebenfalls mit auszusteigen, um die Diskussion weiterzuführen. Die beiden jungen Männer folgten der Bitte.

An der Haltstelle sei das Gespräch immer hitziger geworden. Aufgrund einiger Aussagen einer der jungen Männer habe sich der junge Afghane provoziert gefühlt. Er habe den Mann dann leicht geschubst. Der junge Mann habe ihm daraufhin auf den Kopf geschlagen. Hierbei sei eine ältere Verletzung aufgeplatzt, was zu einer Blutung führte. Die beiden Männer seien dann, in Richtung Haifaallee weggerannt.

Der junge Afghane sei anschließend nach Hause gegangen, wo er von seiner Mutter erstversorgt worden ist. In der Schule habe er dann einem Klassenkameraden das Foto mit seinen Verletzungen gezeigt. Da er, aufgrund der Länge, nicht den ganzen Sachverhalt erzählen wollte, habe er die Geschichte mit den 3 Nazis und dem Baseballschläger erfunden.

Ob die bei der Polizei gemachten Angaben des jungen Afghanen der Richtigkeit entsprechen wird derzeit geprüft.

Bezüglich der Schlägerei an der Straßenbahnhaltestelle bittet die Polizei, dass sich eventuelle Zeugen melden. Laut dem jungen Afghanen sind, mit ihm und den 2 anderen Männer, auch 2 Frauen ausgestiegen.

Quelle hier.

Der Beitrag erschien auch auf sichtplatz.de

Foto: Bildarchiv Pieterman
Leserpost (5)
mike loewe / 28.10.2017

“Darf man eigentlich auch falsche Nachrichten von links auf gut neudeutsch „fake news“ nennen?” - Ich dachte, für diese sei das Wort erst mit Flügeln versehen worden. Fake News würde ich übrigens nicht nur Falschmeldungen nennen, sondern auch Kommentare, die als Berichte getarnt werden. Leider sind inzwischen fast alle Medien tagtäglich voll davon.

Andreas Horn / 28.10.2017

Wissen Sie , lieber Herr Grimm, im Osten gab es im August 89 eine Story mit einem ” entführten Mitropamitarbeiter” auf der Strecke Berlin-Budapest-Wien. Alles erschienen im Zentralorgan der SED, dem “Neuen Deutschland” ! Der “Entführte” hat sich dann, dem Klassenstandpunkt entsprechend, natürlich befreit und ist zurück in seine kuschlige DDR geflüchtet. Rot Front, Rot Bunt, alles das Selbe!  Das Sie gerade solche Storys public machen, lieber Herr Grimm, hat aber auch etwas ;-)

Anders Dairie / 28.10.2017

Der Dreh,  möglichst viele “Faschisten” zu erfinden,  klappt immer.  Die Linksjugend meint Verbündete zu sein,  dabei sind sie die Nichtswürdigen von allen. Ihre Dummheit als prinzipielle Gottesleugner besteht darin,  das nichts bereits jetzt zu wissen.  Eher verträgt sich die katholische Jugend mit jedem jungen Moslem als der Moslem mit einem Linken.

Werner Arning / 28.10.2017

Wenn es gilt anti-rechte Stimmung zu machen, kommt jede passende Meldung gelegen. Das mit dem Wahrheitsgehalt wird dann nicht so genau genommen. In Ermangelung echter Nazi-Überfälle muss man schon mal erfinderisch sein. Und Baseballschläger, Neonazi und blutender Afghane hört sich einfach zu gut an, um nicht was draus zu machen.

Angelika Bettermann / 28.10.2017

Zitat: “...und ihr Anliegen, zu zeigen, wie sehr deutsche Nazis unschuldige Asylbewerber bedrohen, ist schließlich eine gute Sache. “ Hiermit wird ex cathedra als Tatsache hingestellt, wovon mitnichten jeden Tag oder Woche in der Mainstreampresse zu hören und lesen ist (was doch, anders als bei Migrantenstraftaten mit Sicherheit der Fall wäre, würde sich so etwas zutragen). Der Satz sollte also ehrlicherweise so lauten: “...und ihr Anliegen, AUFzuzeigen, FALLS deutsche “NEOazis”  Asylbewerber bedrohen, ist schließlich eine gute Sache. ” Denn erstens, und da sind wir schon bei Fake News, sollten nur TATSÄCHLICHE VORFÄLLE öffentlich genacht werden, nicht gefühlte oder erfundene. Denn ihre Formulierung entschuldigt quasi die Falschmeldung, weil sie ja einer guten Sache dient. Zweitens ist die Intonation “unschuldige” Asylbewerber angesichts der aus dieser Gruppe heraus immer wieder erfolgenden kriminellen Taten ein schlimmer Euphemismus. Drittens können das wohl kaum deutsche Nazis sein, denn die sind schon fast alle tot oder sitzen schon längst im Rollstuhl. Es kann sich also höchstens um Neonazis handeln. Und selbst hier ist die Tendenz, diese Leute mit wahren Nazis zu vergleichen und damit das Nazitum zu verharmlosen, abzulehnen.

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