Vera Lengsfeld / 14.07.2014 / 12:15 / 7 / Seite ausdrucken

Die vergessene Geschichte der SED

Die SED, hervorgegangen aus der Zwangsvereinigung von KPD und SPD 1946 im sowjetisch besetzten Teil von Deutschland, war die erste Partei auf deutschem Boden, die sich aktiv um die Mitgliedschaft ehemaliger Nazis bemühte und zwar nicht um die Mitläufer, sondern um die überzeugten Funktionäre.

Die SED “ruft Dich dann, wenn Du nicht aus materialistischen Gründen, sondern aus Überzeugung einstmals zur NSDAP gegangen bist”, heißt es in einem Aufruf der SED Sonneberg, auf den mich unser Leser Stefan Klinkigt aufmerksam gemacht hat. “Wenn du Hitler gefolgt bist, um Deutschland zu dienen, bist Du unser Mann”, heißt es weiter.

Wie viele NSDAP-Kader dieser freundlichen Aufforderung gefolgt sind, kann man im Braunbuch Kriegs- und Naziverbrecher von Olaf Kappelt nachlesen.
Einer davon, Professor Hermann Klenner, sitzt heute noch im Ältestenrat der SED-Linken

Leserpost (7)
Gerhard Roloff / 15.07.2014

Sehr geehrte Frau Lengsfeld, was wollen Sie mit dem aufkochen historisch publizierter Tatsachen (siehe Fall Paulus) gerade zu diesem Zeitpunkt denn bewirken? Angestaubte Hüte abstauben und medial den Mitbürgern auf’s Hirn pressen? Wäre es nicht spannender, von wegen aktueller Wirkungen sich mit dem Themenkomplex “Stay Behind” und “Gladio” auseinanderzusetzen, so wie es ZDFinfo oder federführend der schweizer Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser tut und getan hat? Da ist noch genug “Feuer im Herd”!

Günter K. Schlamp / 15.07.2014

Sehr geehrter Herr Mack, warum stellen Sie die KPD/SED auf eine Stufe mit der CDU? Jene haben doch Tag und Nacht lautstark den Faschismus bis zur Erschöpfung zu bekämpfen vorgegeben. In Westdeutschland, auch bei der CDU konnten Altnazis nicht so einfach weitermachen wie in der SED. Beispiel gefällig? 1938 schrieben NS-Zeitungen: “In Prag regieren die Juden”. 1968 schrieb Das “Neue Deutschland: “In Prag regieren die Zionisten”. Die Journalisten waren dieselben. Sie mussten sich nicht sehr umstellen, um in der DDR ihre Karrieren fortzusetzen.

Frank Palmer / 15.07.2014

@Bernhard Mock: Das ist sicher richtig, jede größere Partei, die in der direkten Nachkriegszeit aktiv war, wird wohl ihren Teil ehemaliger NSDAP-Mitglieder haben. Ein großer Unterschied ist aber, dass das etwa im Falle der CDU eigentlich allgemein bekannt ist; nicht zuletzt auch weil es gerade von der SED/PDS/den Linken nahestehenden Personen gerne als Argument vorgebracht wird um die eigene Verantwortung an der DDR-Diktatur zu relativieren: “Die anderen haben doch auch…”. Der eigentlich interessante Punkt an diesem Flugblatt ist für mich jedoch die Betonung der ideologischen Gemeinsamkeiten von NSDAP und SED. Wenn man sich anschaut welche Mühe sich auf linker Seite in den letzten Jahrzehnten gegeben wurde, um darzulegen warum der NationalSOZIALISMUS doch eigentlich kein Sozialismus sei und mit der eigenen Weltvorstellung ohnehin nichts zu tun habe, dann ist diese Offenheit schon überraschend. Ja, CDU, SPD et al. hatten ebenso Altnazis in ihren Reihen, aber doch nicht auf Grund, sondern trotz ihrer Vergangenheit. Es würde mich jedenfalls sehr überraschen, wenn es bei der CDU ebenfalls Versuche gegeben haben sollte, gezielt NSDAP-Mitglieder anzuwerben, weil man ideologische Anknüpfungspunkte zur eigen Parteilinie vermutete.

Michael Boden / 15.07.2014

Bernhard Mock, da haben Sie schon recht, haben aber gar nicht die Intention von Frau Lengsfeld verstanden.  Nazis in den früheren Westparteien, das ist doch ein ganz alter Hut. Darüber schreiben, heißt Eulen nach Athen tragen. Jahrzehntelang haben die Kommunisten und westdeutsche Linke darüber geredet und geschrieben. Eine SED-Kampange nach der anderen, bis hin zu Lügen und Fälschungen vom KZ-Baumeister Lübke. Und deswegen war es ganz richtig. mal den Spieß umzudrehen und diesen Heuchlern die Maske vom Gesicht zu reißen. Hat man sicher auch schon vor Jahrzehnten getan, wurde aber immer wieder vergessen und verdrängt.    Und: die in die Westparteien integrierten Ex-Nazis mussten sich ganz heftig verbiegen, so sehr brauchten sie das in der SED der Fünfziger Jahre gar nicht.

Werner Geiselhart / 15.07.2014

Herr Mock, es geht da drum, dass die SED immer ganz gross das Antifa-Banner vor sich hergetragen hat und mit diesem Aufruf explizit überzeugte Nazis angeworben und dazu aufgefordert hat, ihr Geschäft - leicht modifiziert - bei der SED weiter zu betreiben. Natürlich gab es in jeder Partei alte Parteimitglieder, sonst hätte man wegen Personalmangel schließen müssen ;-) Insgesamt kann man sich das Politikspektrum wie einen Hufeisenmagenten vorstellen, bei dem Links und Rechts die zwei Pole darstellen, die sich gegenseitig anziehen.

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