Stefan Frank / 13.01.2018 / 06:23 / Foto: Magicwarrior1 / 20 / Seite ausdrucken

Die Tagesschau lügt mit Zahlen

Anhand ihrer Facebookseite würde man nicht vermuten, dass es sich bei der „Tagesschau“ um eine Nachrichtensendung handelt. Statt Nachrichten gibt es dort nur Fotos und Überschriften („Tempolimit in Frankreich“, „12.000 Euro Strafe“) ohne Artikel. So werden die Leser nicht durch Text gestört, sondern können frei assoziieren, eine Art Rorschachtest. Diese Woche gab es dort u.a. ein Foto der US-Fahne mit dem Text: „987 Menschen durch Polizei getötet.“ Dazu hatte die Redaktion offenbar einen nachträglichen Einfall, den sie als Kommentar postete:

Zur Info: Dem Bericht zufolge waren 22 Prozent der Erschossenen männliche Afroamerikaner, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung der USA nur sechs Prozent ausmacht. 19 von ihnen waren demnach unbewaffnet, als sie von der Polizei getötet wurden. 2017 erschossen US-Polizisten dem Bericht zufolge insgesamt 68 Unbewaffnete. Laut US-Bundespolizei FBI wurden im vergangenen Jahr 46 Beamte im Dienst getötet.

Was will der Kommentar über „männliche Afroamerikaner“ sagen? Will die „Tagesschau“ auf die bedauerliche Tatsache aufmerksam machen, dass Angehörige dieser demografischen Gruppe in den USA weit überproportional straffällig werden? Will sie den Lesern Rechenaufgaben stellen („Wie viele der von der Polizei erschossenen männlichen Afroamerikaner waren bewaffnet?“)? Oder soll der Zahlenvergleich suggerieren, amerikanische Polizisten würden in großer Zahl gesetzestreue Bürger erschießen, weil diese eine dunkle Hautfarbe haben?

Die Gniffke-Doktrin

Wir könnten nur raten, hätte „Tagesschau“-Chefredakteur Kai Gniffke nicht verraten, welche Doktrin zur Anwendung kommt. Als der mutmaßliche Vergewaltiger und Mörder einer Freiburger Studentin, Hussein K., festgenommen wurde, fragten viele Zuschauer, warum die „Tagesschau“ darüber schweigt, während sie sehr wohl über Todesschüsse in den USA berichtet (sofern es sich bei den Erschossenen um Schwarze, bei den Schützen um weiße Polizisten handelt). Gniffke erklärte, worauf es ankommt:

Wenn in den USA Polizisten schwarze Bürger umbringen, im Einsatz töten … dann betrifft das ein gesellschaftliches Phänomen, nämlich das Phänomen der Rassendiskriminierung, das dahinter steckt, und das ist ja ein Thema, das gesamtgesellschaftlich in den USA so eine große Rolle spielt und auch diskutiert wird, deshalb ist das für uns ein Thema, das auch in der Tagesschau auftauchen kann. Anders war das für uns im Fall der getöteten Studentin. Dieser Fall ist fürchterlich, und wir sind überhaupt nicht gefühlskalt, aber es ist tatsächlich so, dass es sich um einen Einzelfall, einen Kriminalfall, gehandelt hat, der aus unserer Sicht eben nicht diese gesellschaftliche, diese nationale oder internationale Relevanz hat.

Die von der „Tagesschau“ auf Facebook präsentierte Statistik soll also glauben machen, amerikanische Polizisten würden gezielt „männliche Afroamerikaner“ erschießen – weil sie im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung überrepräsentiert sind. Vergessen wird, dass die Polizisten es bei Einsätzen, bei denen es zur Gewaltanwendung kommt, nicht mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung zu tun haben, sondern überproportional häufig mit Verbrechern.

Wollte man also feststellen, ob Polizisten beim Gebrauch der Schusswaffe nach der Hautfarbe „diskriminieren“, dürfte man als Referenzwert nicht den Anteil der jeweiligen Gruppe an der Gesamtbevölkerung heranziehen, sondern deren Anteil beim Verüben schwerer Straftaten. Laut der Statistik des FBI machten Schwarze im Jahr 2015 51 Prozent aller Mordverdächtigen aus und 53 Prozent derer, die eines Raubüberfalls verdächtigt wurden. Und von den 543 bekannten Tätern, die zwischen 2005 und 2016 einen Polizisten ermordet haben, waren 206 Schwarze, das sind 38 Prozent.

Auf das Weglassen kommt es an

Nicht minder wichtig – und von der „Tagesschau“ vergessen – ist, dass auch die Opfer von Gewaltkriminalität unverhältnismäßig oft Schwarze sind. 7.881 Schwarze wurden 2016 in den USA getötet; in 90 Prozent der Fälle waren andere Schwarze die Täter. Das bringt es mit sich, dass die Polizei überproportional oft in Viertel gerufen wird, die mehrheitlich von Schwarzen bewohnt sind, so dass es dort auch, statistisch betrachtet, häufiger zu Schießereien mit Gangstern kommt.

Die Hauptgefahr für das Leben der gesetzestreuen Bürger – die mehr als 97 Prozent der schwarzen Bevölkerung ausmachen – geht nicht von der Polizei aus, sondern von schwarzen Jugendlichen mit Pistolen (auch die von der „Tageschau“ zitierten Unbewaffneten sind übrigens weder per se unschuldig noch ungefährlich: Der Begriff erfasst auch alle, die versucht haben, einen Polizisten im Zweikampf zu überwältigen oder ihm die Waffe zu entreißen).

Fazit: Dass amerikanische Polizisten aus Gründen der „Rassendiskriminierung“ Schwarze erschießen, lässt sich aus der von der „Tagesschau“ veröffentlichten Statistik nicht folgern. Das Beispiel zeigt vielmehr, wie die „Tagesschau“ durch das Weglassen von Information erst die „Relevanz“ einer Nachricht erzeugt, die dann Rechtfertigung dafür ist, sich einem Thema zu widmen.

Bei den in Deutschland von muslimischen Migranten verübten Morden ist es genau umgekehrt: Weil die „Tagesschau“ sich verbietet zu erkennen, dass hinter Taten wie in Kandel, Oldenburg, Prien, Pforzheim, Köln, Hanau, Grafing oder Kiel – die zum Teil am helllichten Tag an belebten öffentlichen Orten vor den Augen von Kindern stattfanden – ein gesellschaftliches Phänomen steckt, macht sie daraus „Einzelfälle“ ohne „gesellschaftliche Relevanz“.

„Relevanz“ ist ein Codewort dafür, wie gut eine Nachricht ins Weltbild passt.

 

Foto: Magicwarrior1 CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

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Leserpost (20)
Wolfgang Kaufmann / 13.01.2018

Man würde sich wünschen, dass unsere Qualitätspresse nur halb so kritisch über Deutschland berichtet wie über die USA! Aber ihr Job ist ja nicht das Informieren, sondern das Indoktrinieren, und da ist das geschickte Jonglieren mit antiamerikanischen Vorurteilen ein mächtiges Werkzeug. Zum Glück sind wir Deutschen ja über alle intellektuellen und moralischen Zweifel himmelhoch erhaben und werden darum allseits geliebt und geachtet… – not!

Andreas Rochow / 13.01.2018

Nun sollten wir uns nicht auf den seltsamen Herrn Gniffke “einschießen”. “Alles von Relevanz”, ist der neue Slogan des alten Deutschlandfunk, der in Sachen Information der gleichen Doktrin folgt wie ARD und ZDF. Frau Hayali, Frau Miosga, Herr Kleber und wie sie alle heißen, behaupten, dass es keinerlei Absprachen oder Anweisungen gäbe, sie liefern Qualitätsjournalismus und finden die Begriffe “Lügenpresse” oder “Staatsfernsehen” extrem ungerecht. Vermutlich sind sie wegen der Schere in ihren Köpfen die ö.-r. Anchormen und Anchorwomen geworden und das macht sie alle schrecklich ähnlich. Selektiver Umgang mit Statistik gehört einfach dazu.

Roger Feldkamp / 13.01.2018

Die „Tagesschau“ beweist mit ihrer Berichterstattung jeden Tag aufs Neue, dass sie die bessere „Aktuelle Kamera“ ist: autoritätshörig und staatsgläubig bis zum Geht-nicht-mehr. Zum überwiegenden Teil Regierungspropaganda, der Rest tendenziöser Schrott zum Gotterbarmen.

Gottfried Meier / 13.01.2018

Ja, das hat mich auch schon oft geärgert. Wenn in Israel ein Fahrrad umfällt, hat man gute Chancen, dass darüber drei Minuten in der Tagesschau berichtet wird. Ich würde einmal grob schätzen, dass die Hälfte der Nachrichten die über- wiegende Mehrheit der Zuschauer nicht im Geringsten interessiert, weil sie eigentlich keinerlei Nachrichtenwert haben.

Rudolf George / 13.01.2018

Die Einlassung von Herrn Gniffke ist an - vermutlich bewusst selbstauferlegter - Borniertheit nicht zu überbieten. Denn die Diskussion um die Richtigkeit der Entscheidung vom September 2015 findet ja in der Gesellschaft statt, hat mithin „gesellschaftliche Relevanz“. Damit hat auch jede Straftat, die mit der Grenzöffnung in Beziehung steht, „gesellschaftliche Relevanz“, da sie in der Gesellschaft zu Diskussionen führt. Eine Diskussion über die Beziehung der Rassen in den USA kann ich dagegen in der deutschen Gesellschaft nicht erkennen. Das ist eher ein typisches Medienthema, d.h. womit sich Journalisten und solche, die sich dafür halten, unter sich in ihrer eigenen Blase beschäftigen, was aber für den Großteil der Menschen in Deutschland nur von peripherem Interesse ist.

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