Oswald Metzger / 09.02.2015 / 15:27 / 3 / Seite ausdrucken

Das deutsche Zerrbild vom Unternehmer

Joseph Schumpeter nannte sie die „schöpferische Kraft der Zerstörung“, die hinter der ständigen Innovationskraft des Neuen und Besseren steckt. Er sah in der Schöpfungskraft des Unternehmers die eigentliche Triebfeder unserer Wirtschaftsordnung. Das Neue verdrängt das Alte, zerstört überkommene und überholte Strukturen, sorgt für mehr Effizienz und größeren Wohlstand. Der Prozess läuft nicht geradlinig, sondern in Schüben. Und dieser fortwährende Ausleseprozess produziert selbstverständlich nicht nur Sieger, sondern immer wieder auch Verlierer.

Nur wer das Risiko des Scheiterns eingeht, eignet sich zum Unternehmer. Nur Gesellschaften, in denen möglichst viele Menschen den Mut zur Gründung haben, sich für eine Idee mit Herzblut und hohem finanziellen Einsatz buchstäblich zerreißen, gewährleisten langfristigen Wohlstand. Denn wo es keine Unternehmer gibt, da gibt es auch keine Arbeitsplätze. Dieser schlichte Zusammenhang wird in der gesellschaftspolitischen Debatte immer stärker negiert. Wer als Unternehmer scheitert, erntet in Deutschland Spott und Häme. Oft genug erhält er keine zweite Chance, weil das Scheitern als Stigma gilt – nicht nur bei den Banken, sondern auch im sozialen Umfeld.

Dabei lebt gerade die deutsche Volkswirtschaft in einem unglaublichen Maß von der schöpferischen Kraft des mittelständisch geprägten Unternehmertums. Die übergroße Mehrheit der Frauen und Männer, die als Inhaber Hunderttausende von Betrieben führen, in denen Millionen von Menschen Arbeit finden, leben eine Verantwortungsethik vor, die am besten mit dem Bild vom ehrbaren Kaufmann beschrieben ist. Doch wird das Unternehmerbild in der gesellschaftspolitischen Debatte nicht von diesen unzähligen „ehrbaren Kaufleuten“ bestimmt, die als Inhaber mit ihrem Namen und ihrem Geld für den Betrieb haften. Nein, exzessiv hoch bezahlte leitende Angestellte von Konzernen, besonders oft anzutreffen in der Welt der Finanzmärkte, bestimmen die öffentliche Wahrnehmung des Unternehmers. Sie sorgen für das Zerrbild vom hässlichen Kapitalisten, der ohne Rücksicht auf Mitarbeiter und Kunden den Hals nicht voll bekommt.

Ist es verwunderlich, dass in einem gesellschaftlichen Klima, in dem schon in den Schulbüchern ein falsches Bild von der unternehmerischen Wirklichkeit gezeichnet wird, die unternehmerische Freiheit immer stärker unter die Räder gerät? Dass Politiker nahezu parteiübergreifend unternehmerisches Handeln mit zunehmender Regulierungswut erdrosseln? Dass Hochschulabsolventen inzwischen laut Umfragen den sicheren Arbeitsplatz beim Staat einem Engagement in der Privatwirtschaft oder dem Weg in die Selbständigkeit vorziehen?

In unserer Demokratie werden Gesetze und Vorschriften von Volksvertretern und Ministerialbeamten gemacht, deren Denke von der Sicherheit des Öffentlichen Dienstes geprägt ist. Sie alle leben vom Staat als Arbeitgeber und für sie gilt Planungssicherheit. Diese steht im Gegensatz zur „schöpferischen Zerstörungskraft“, die das Unternehmertum und unsere Wirtschaftsordnung prägt. Die volkswirtschaftliche Wertschöpfung, aus der Steuern und Abgaben generiert werden, stammt jedoch eben aus dieser Ursprungsquelle unternehmerischer Freiheit. Wer diese Quelle durch permanente staatliche Interventionen, durch bürokratische Überregulierung, durch Technologiefeindlichkeit und Steuer- und Abgabeorgien ausdörrt, wird am Ende selbst als Staatsbediensteter auf dem Trockenen sitzen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem INSM-Ökonomenblog  

Leserpost (3)
Martin Maschmann / 11.02.2015

>Ist es verwunderlich, dass in einem gesellschaftlichen Klima, in dem schon in >den Schulbüchern ein falsches Bild von der unternehmerischen Wirklichkeit >gezeichnet wird, die unternehmerische Freiheit immer stärker unter die Räder >gerät? In unserer Kultur sind negativ besetzte Themen die die interessieren,  gute Nachrichten liest niemand. Daher sind negativ beleumdete Unternehmerpersönlichkeiten “interessanter”  als normal oder gut beleumdete und stehen somit mehr im Fokus. Dass die meisten Unternehmer (sofern sie nicht pleite gehen) einen guten Job machen (sonst wären sie ja pleite) stellt niemand in Abrede, dass sie von der Persönlichkeitssruktur her öfter etwas psychopathisch veranlagt sind: das zeigt die Forschung, und viele Menschen haben darunter zu leiden,  aber als Alternative keine Unternehmer zu haben ist auch Keine. >Ist es verwunderlich, dass in einem gesellschaftlichen Klima, in dem schon in >den Schulbüchern ein falsches Bild von der unternehmerischen Wirklichkeit >gezeichnet wird ... Ich lese das immer wieder.  Die bösen bösen Schulbücher. Es wäre schön doch einmal ein Beispiel genannt zu bekommen, aus meiner Schulzeit kann ich mich nicht erinnern dass da Unternehmerbashing betrieben wurde. Okay,  Leute wie Hugenberg die Hitler unterstützt haben bekamen da ihr Fett ab,  dass sie auf der anderen Seite das damalige Bruttosozialprodukt erhöht haben ... ja das tun alle Unternehmer. Unternehemer wollen halt nicht nur ordentlich verdienen,  sie wollen auch noch geliebt und womöglich geehrt werden .  Ja mei. >Wer diese Quelle durch permanente staatliche Interventionen, durch >bürokratische Überregulierung, durch Technologiefeindlichkeit und Steuer- >und Abgabeorgien ausdörrt Es ist mir seit langem Schleierhaft dass die geballte deutsche Industrielobby es nicht schafft auf die Politik so einzuwirken dass die Bürokratie weniger wird. Es kann natürlich sein dass Grossunternehmen im Gegenteil darauf hinwirken die Bürokratie zu erhöhen, da dadurch kleinere Unternehmen blockiert und ausgebremst werden. Schon mal darüber nachgedacht, Herr Metzger?

Axel Knappmeyer / 10.02.2015

Auch hier gilt – ohne sozialromantischen Kitsch: Wird ein Unternehmen gegründet, ob klein, ob groß, muss der Unternehmer jemanden finden, der für ihn arbeitet, ergo: Arbeiter. Oder sehe ich das falsch? Es geht doch um Arbeitsplätze, oder?  Innovationen, das Neue verdrängt das Alte: die Lohnkosten will der Unternehmer so gering halten wie möglich – nachvollziehbar. Für mich hat das nichts mit Hässlichkeit zu tun, sondern mit der Logik des Kapitalismus – deswegen funktioniert er auch gut. Rationalisierung: Ich bleibe dabei, und die Neoliberalen mögen mir diese Fragen beantworten: Wohin mit den Individuen, die durch die Innovationen bei der Automatisierung des ganzen Arbeitslebens nicht mehr benötigt werden, sprich es weniger Arbeitsplätze geben wird? Nur noch Handlanger- und Unterqualifiziertenarbeit? Botendienste und Straßenkehrer mit Laubföhn? Damit der Kapitalismus weiter existieren kann, muss sich der Kapitalist doch fragen, wie der Kapitalismus weiter funktionieren kann, oder nicht? Gewinner, Verlierer: Aus der Sicht eines Gewinners sieht es immer gut aus, rosige Zukunft etc. Nur wenn es quantitativ mehr und mehr Verlierer geben wird… was tun, Herr Metzger? Ach ja: dies schreibt übrigens jemand, der den Arsch komplett an der Heizung hat: ein beamteter Lehrer. Ich würde ja gern einmal wissen, wie das Verhältnis vom Staatsdienstler und Selbstständigen innerhalb der Leserschaft der Achse sich gestaltet. Oder: wer liest die Achse überhaupt? 5 Millionen Aufrufe etc. – durch wen? Wäre das nicht interessant? Wie wäre es mit einer Umfrage? öff Dienst, Unternehmer, Künstler… was weiß ich.

Helmut Driesel / 10.02.2015

Das Problem ist, lieber Herr Metzger, dass sich jeder Zuhälter, Miethai oder Kaffeefahrtbetrüger ungeniert als Unternehmer zu erkennen gibt, wenn er nach seinem Lebensinhalt gefragt wird. Außerdem, mal angenommen, Sie haben überwiegend recht, lassen Sie es weitgehend offen, wie darwinistisch so liberales Unternehmertum denken und vor allem handeln darf. Das wüsste ich schon gerne. Hier gibt es ja Kreise, die durchaus Macht auf das Gemeinwesen ausüben, die jedem gehauchten Anschein von Darwinismus den totalen Krieg erklären. Da steht auch keineswegs überall Antifa drauf, wo totalitäres Gift drin ist, machmal sogar: christliche Toleranz und Nächstenliebe.

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