Die Löschorgie läuft

Von Susanne Baumstark.

„Im Vorfeld der Bundestagswahl hat Facebook zehntausende Konten gelöscht, die im Verdacht stehen, Falschinformationen oder irreführende Inhalte zu verbreiten“, schreibt T-Online. Das Netzwerk berufe sich dabei auf eine interne Richtlinie vom April 2017. „In dem Weißbuch hatte Facebook festgelegt, wie seine Mitarbeiter gegen Desinformationen auf der Plattform vorgehen sollen. Ähnliche Aktionen hatte das weltgrößte soziale Netzwerk auch im Vorfeld der Parlamentswahlen in Großbritannien und der Präsidentschaftswahl in Frankreich unternommen.“

Im Rahmen der Bundestagswahl habe man nun einen direkten Kommunikationskanal zum Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingerichtet. „Außerdem habe Facebook politische Parteien und Kandidaten auf Sicherheitsrisiken hingewiesen und konkrete Sicherheitshinweise gegeben.“ Das BSI wiederum und der Bundeswahlleiter forderten die Medien Anfang Juli dazu auf, bei Fake News „offensiv gegenzuhalten“, berichtete Kress. „Das gelte insbesondere im Vorfeld der Bundestagswahl.“ Das BSI habe „die sozialen Medien im Auge“, Wähler sollten sich „aus seriösen Quellen“ informieren.

Außerdem ließ das BSI verlauten: „Wir sind dabei, eine Technologie aufzubauen, wie man digitale Trolle erkennen kann…Ob die Technologie bereits vor der Bundestagswahl eingesetzt werden kann, sagt Schabhüser nicht.“ Abgesehen von der Dreistigkeit Fake News trotz zahlreicher gegenteiliger Erfahrungen allein den Internetmedien zuzuschreiben stellt sich die Frage, wer hier tatsächlich unlautere Beeinflussung der Bundestagswahl betreibt. Wenn man es genau nimmt, müssten nach dieser Denke, ruft man sich die regelhaft gebrochenen Wahlversprechen in Erinnerung, auch die Wahlkampfhandlungen der Parteien als irreführende Manipulation klassifiziert werden. 

Susanne Baumstark, Jahrgang 1967, ist freie Redakteurin und Diplom-Sozialpädagogin. Ihren Blog, auf dem dieser Beitrag zuerst erschien,  finden Sie hier.

Foto: Tomaschoff

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Leserpost (13)
Helmut Driesel / 27.08.2017

Hat das “Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)” wirklich nichts besseres zu tun? Gehört es zu deren Aufgaben, an der “Meinungsbildung der Bürger” zu arbeiten?

R.Richter / 27.08.2017

Keine Frage, wenn das staatspolitische Fernsehen Dinge verbreitet, die sebst unbedarfte Bürger als suspekte Meldung erkennen, darf man trotzdem nicht an fake news denken, geschweige denn das pööse Wort Lügenmedien äußern, weil , dann outet man sich als Nazi. Ganz besonders gefährlich wird es, wenn bei solchen Äußerungen Zeugen dabei sind. Herr Maas wird jede Meldung schätzen, da liegt er auf einer Linie mit der sogenannten antifaschistischen DDR.

Thomas Raffelsieper / 27.08.2017

Mir ist noch das ZDF in Erinnerung, daß noch vor Kurzem die journalistisch widerlegte “Russlandaffäre” Trumps verbreitete, eine klare Propaganda und Fakenews darstellt. Hier scheinen Kräfte am Werk zu sein, die es mit der Demokratie nicht ganz so genau nehmen und die in der Lage sind, Sendezeit im öffentlich rechtlichen Fernsehen Deutschlands für sich zu reklamieren und diese auch noch vom Beitragszahler bezahlen zu lassen. Das ist einzigartig.  Mir erscheint es so, als haben die deutschen Parteien Angst vor den 40% Nichtwählern. Wenn diese nämlich ähnlich wie in den USA wählen würden, wäre es mit der “Herrschaft” unserer etablierten wohl vorbei in Deutschland.

Hans-Peter Hammer / 26.08.2017

Aber Frau Baumstark, haben Sie Franz Müntefering schon vergessen? “Es ist unfair Politiker an ihren Wahlversprechen zu messen!” Nein, Wahlversprechen- insbesondere gebrochene - sind keine “Fake News”, keine Manipulation, sondern der (unerläßliche) Speck mit dem man das dumme Wahlvolk fängt! Andernfalls ginge es einem doch nicht auf den Leim! Notwendiges “Arbeitsmittel” eines Politikers! Man kann einem Politiker doch nicht vorwerfen das er sich wie ein Politiker verhält! (*) Und das (gebrochene) Wahlversprechen gehört zum Politiker wie Schere und Kamm zum Frisör, das Skalpell zum Chirurgen! (*) Nach: „Es ist sinnlos auf eine Katze sauer zu sein, bloß weil sie sich wie eine Katze verhält!“ (Regel des Tierarztes Dr. Schlüter [dem Vater der Hauptperson Jeremias] aus: „Ein Drache in der Schultasche“ von Bruce Coville;

Markus Knust / 26.08.2017

Das habe ich kommen sehen und den sowieso kaum genutzten Account löschen lassen. Entsprechende Begründung ging an Facebook, da die danach fragten. Erstmal musste ich sowieso finden, wie man dies veranlasst, dass ist nämlich hervorragend versteckt. Danach dauerte die Löschung ganze 14 Tage und man wird mit Mails vollgebombt, man möge doch wieder zurück kommen, in Zuckerbergs großen Zirkus. Ich fühle mich jetzt besser, weil ich diesen Schritt gemacht habe. Diesen Zensoren und Weltverbesserern möchte ich mich nicht ausliefern, oder auf ihren Listen gespeichert werden. Wer weiß was noch kommt.

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