Roger Letsch / 19.11.2017 / 06:05 / Foto: Pixabay / 23 / Seite ausdrucken

Die grüne Dampfmaschine

Von Roger Letsch.

Eine Woche vor dem gerade zu Ende gegangenen Klimagipfel COP23 in Bonn  meldete das ZDF „alarmierende“ CO2-Werte,  es konnte ja nicht schaden, die öffentliche Stimmung schon mal kräftig in Richtung Panik zu drücken. Denn der Feind, den es beim Klimawandel zu bekämpfen gälte, sei CO2. Immer wieder hört man dies in Talkrunden und Nachrichten. Den Menschen wird seit Jahren durch apokalyptische Bilder von Wirbelstürmen und Überschwemmungen suggeriert: das hat CO2 gemacht. CO2 erwärmt das Klima. CO2 ist unser Problem.

Eine ganze Industrie baut mittlerweile auf dieser Behauptung auf. Da wäre es doch toll, wenn sie auch zutreffen würde – schließlich liegt jede Menge Geld auf dem Tisch und besonders Deutschland möchte am liebsten alles auf eine Karte setzen und besser heute als morgen aus der fossilen Energie raus, während Länder wie China und Indien dies nicht vorhaben. Das deutsche Weltenretter-Gen hält uns derzeit trotz steigender Energiekosten noch bei der Stange und damit wir die Assoziation Kohlendioxid = Klimawandel auch weiterhin im Kopf behalten, tagen Jahr für Jahr Zehntausende Aktivisten des Klimaschutzes, die alle nur unser Bestes wollen – unser Geld.

Doch was, wenn wir am Ende der großen Transformation entgegen aller Beteuerungen der Politik, die sich dies wiederum von der Öko-Lobby fest in die Hand versprechen lässt, mit einem dysfunktionalen, subventionsabhängigen Energiesystem und einer deindustrialisierten Wirtschaft dastehen, deren Wertschöpfung nach Indien, China oder sonstwohin abgewandert ist?

„Arm aber sexy“ mag ein knorke Slogan für Berlin sein, für ganz Deutschland ist ein solcher Zustand sicher weder erstrebenswert, noch würde er unsere Nachbarn in Europa erfreuen – von berechtigter Schadenfreude mal abgesehen. Letztere ist uns von chinesischer Seite heute schon sicher und der süffisante Hinweis des französischen Präsidenten Macron auf die Einsparziele, für die man schnell aus der Kohle raus müsse, darf man durchaus ebenfalls als Schadenfreude betrachten, weil er im Gegensatz zu Merkel funktionierende Atomkraftwerke hat, mit denen ein solcher Ausstieg alle mal besser funktioniert, als mit Sonne und Windkraft.

Komplexes Thema, unterkoplexe Debatte

Das natürliche Phänomen des Treibhauseffekts ist eigentlich Schulstoff, oder war es doch zumindest einst. Wenn es jedoch um den als problematisch deklarierten Teil dieses Effektes geht, taucht in den Medien immer wieder und fast exklusiv das Kohlendioxid auf.

CO2 einsparen, CO2-Emmitenten abschalten, CO2-Zertifikate handeln, …überall CO2. Dieses Molekül saß nun also in Bonn bei der COP23 wieder auf der Anklagebank. Claus Kleber und Gundula Gause jammern vor kalbenden Gletschern im Studiohintergrund über die Missetaten dieses Moleküls, dessen Fingerabdrücke gleichwohl nie am Tatort gefunden wurden.  Also werde ich mich mit meinen beschränkten Mitteln heute mal als Pflichtverteidiger von CO2 betätigen.

„Klimagift“ oder „Klimakiller“ – das sind heute die gängigen Bezeichnungen für CO2 und beide sind falsch. Erstens ist CO2 völlig ungiftig, und zweitens ist es neben Sonnenlicht und Wasser eine der drei Grundvoraussetzung für die pflanzliche Photosynthese, auf welcher fast sämtliches Leben auf diesem Planeten basiert. Somit ist CO2 das genaue Gegenteil sowohl von Gift, als auch von Killer.

Sollte übrigens die Anwesenheit von CO2 in der Erdatmosphäre je wieder unter 150 ppm  fallen, bekäme fast die gesamte Biosphäre der Erde sogar ein existenzielles Problem. Das allein beweist, dass mein Mandant kein Gift, sondern eher ein Nahrungsmittel ist, von dem die gesamte lebendige Welt der Erde anhängig ist. Am wärmenden Treibhauseffekt, der unseren Planeten zuverlässig vor einem Dauerfrost von minus 18 Grad bewahrt, ist CO2 jedoch nur mit etwa 22 Prozent beteiligt. Der Löwenanteil wird nämlich vom Wasserdampf in der Atmosphäre erzeugt, etwa 64 Prozent. Dabei ist die Wirkung des flüssigen Wassers der Wolken oder Eiskristalle noch garnicht berücksichtigt. In den Modellen der Klima-Apokalyptiker tauchen Wolken übrigens auch nicht auf – viel zu komplex. Dabei weiß doch jeder, welchen Temperaturunterschied es ausmacht, wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt.

Hinzu kommt, dass man den Anstieg des CO2-Gehalts in der Luft um 4 ppm (Parts per million/Teile von einer Million), der vom ZDF als alarmierend kolportiert wird,  zwar genau messen kann, die Klima-Wirkung jedoch nicht linear zunimmt. Die Wirkung der CO2-Konzentration auf die globale Durchschnittstemperatur ist bei steigender Konzentration eine logarithmische, keine lineare. Genau aus diesem Missverständnis speist sich die Panik, in die sich die Menschen weltweit treiben lassen, wenn sie von steigenden CO2-Konzentrationen in der Luft lesen oder hören. Eine logarithmische Skala verläuft nicht entlang absoluter Werte. Also 10, 100, 1000, 10000 – nicht 1, 2, 3, 4. Die ersten 20 ppm CO2 in unserer Atmosphäre bewirken nämlich bereits den allergrößten Anteil des klimarelevanten Effekts des CO2, sein klimarelevanter Einfluss nimmt für das weiter hinzukommende CO2 nur noch logarithmisch zu (Vereinfachendes Beispiel zum Verständnis: Nehmen sie einmal an, sie haben doppelglasige Energiesparfenster eingebaut, dann bringen vierfache Energiesparfenster keinen großen zusätzlichen Effekt mehr).

Erinnern wir uns an die Tatsache, dass wir mindestens 150 ppm benötigen, damit das Leben auf diesem Planeten nicht seinem Untergang entgegensehen muss (Zumindest für sogenannte C3-Pflanzen, zu denen unsere Getreide und viele andere Nutzpflanzen zählen, würde es unterhalb 150 ppm ungemütlich). Und vor diesem Hintergrund ist der Unterschied von 400 zu 404 ppm nicht nur fast nichts, er ist buchstäblich gar nichts. Ein Rauschen, nicht mehr. Erinnern wir uns außerdem daran, dass nur 22 Prozent des gesamten Treibhauseffekts genuin auf CO2 zurückzuführen sind. Dieser Fakt ist auch den Klima-Lobbyisten von IPCC & Co bekannt, weshalb man dort einen verstärkenden „Hebel“ gefunden zu haben glaubt, gegen den der finanzielle „Hebel“ des Euro-Rettungsschirms angeblich wie ein Zahnstocher neben einem Wagenheber erscheint: das Wasserdampf-Feedback.

Immer diese lästigen Messungen

Das antropogen erzeugte, also menschenverursachte CO2 ist eine unbestrittene aber letztlich eben auch die einzige vom Menschen beeinflussbare Komponente in der Atmosphäre. Nur an dieser Stelle kann man politisch ansetzen, kann man steuern und vor allem BEsteuern.

Wenn, so die Klima-Retter, das CO2 für sich genommen auch nur einen relativ geringen Einfluss auf den Treibhauseffekt hat – was zwar unbestritten ist, aber nicht so laut ausposaunt wird – dann sorge es doch zumindest dafür, dass sich durch diese wenigen Zehntelgrade Erwärmung die Aufnahmekapazität der Atmosphäre für den Bösewicht Nummer eins, Wasserdampf, erhöhe.

Ist CO2 also eine Art Anstifter des Klimaverbrechers Wasserdampf? Es erhöht die Temperatur der Atmosphäre zwar nur wenig, aber dadurch verbessert sich in der Atmosphäre die Fähigkeit, Wasserdampf aufzunehmen, was wiederrum die Temperatur erhöht. Kann die Temperatur auf diese Weise trotz der relativ geringen direkten Temperaturwirkung des CO2 sozusagen davonlaufen? Wasserdampf-Feedback nennt man das.

Die gesamte Hebelwirkung im komplexen Wirken der Treibhausgase nennt man auch "Klimasensitiviät" und über deren Größenordnung wird auch unter den Forschern des IPCC heftig gestritten, die Schätzungen für eine Verdoppelung des Kohelndioxids liegen laut IPCC bericht irgendwo zwischen 1,5 und 4,5 Grad, die tatsächliche bisherige Temperaturentwicklung deutet aber auf das untere Niveau hin (Siehe dazu auch hier). "Die Kenntnis dieser Zahl ist der Schlüssel zu verlässlichen zukünftigen Klimaprojektionen", sagt beispielsweise das Max-Planck-Institut für Meteorologie und weist darauf hin, dasse die Unsicherheit, "sich seit den frühen Untersuchungen der Klimasensitivität in den 1970er Jahren nicht verringert hat".

Doch wie sieht es mitdem Wasserdampf in der Atmosphäre aus? Dazu muss man den Feuchtegehalt in der „Luftsäule“ messen, was bereits seit vielen Jahrzehnten mit Wetterballonen und Satelliten geschieht. Finden die Meteorologen einen Anstieg des Gesamtwassergehaltes? Leider nein, der nimmt sogar ab. Also hat CO2 hier offenbar nicht den Horror-Effekt, den man ihm gern zuschreiben würde.

Die logarithmische Skala der klimaverändernden Wirksamkeit von CO2 bedeutet aber, dass selbst Verdoppelungen der Konzentration an CO2 keine großen Einflüsse auf das Klima der Erde haben können. Ein Anstieg von 400 auf 404 ppm, den man mit apokalyptischen Nachrichten verbindet, produziert also in etwa so viel Klimawandel, wie ein Teelöffel Salz aus dem Bodensee ein Totes Meer machen könnte. Hinzu kommt, dass die vermutete Koppelung des geringen Klimaeffekts von CO2 mit der sehr viel größeren Wirkung von Wasserdampf sich in den Messdaten der Meteorologen nicht widerspiegelt.

Mir ist klar, die Propheten von Klimawandel und Katastrophen werden an ihren Aussagen festhalten, denn CO2 ist der perfekte Sündenbock. Es liegt einfach zu viel Geld auf dem Tisch, als dass der ganze Wanderzirkus aufstehen, sich beschämt ansehen und dann zerstreuen könnte. Dafür ist die Erzählung schon viel zu weit verbreitet. Ebenso der Schaden, den man durch einen leichtsinnig angeschobenen Prozess der De-Industrialisierung in Europa und insbesondere in Deutschland angerichtet hat.

Dabei hätten wir wirklich Wichtigeres zu tun: endlich wieder Umweltschutz betreiben, die Verschmutzung der Weltmeere eindämmen, oder Technologien zur schonenden Ressourcennutzung entwickeln.  Wir könnten all diese Probleme wirklich lösen, wenn wir die irrsinnigen Subventionen, die wir heute in „Klimaschutz“ und „Energiewende“ stecken und von denen beide Branchen längst wie von Heroin abhängig sind, sinnvoller Forschung zuführen würden.

Die Aussagen der oftmals als „Klima-Skeptiker“ aus dem Diskurs ausgeschlossenen Wissenschaftler, die mit Fakten, Messwerten und wissenschaftlich unbestrittenen Gesetzmäßigkeiten, daran arbeiten, die herrschenden Horror-Szenarien zu falsifizieren, sagen eine maximal denkbare mittlere Erderwärmung infolge einer weiteren Verdopplung des antropogenen CO2 von etwa 1 Grad Celsius voraus – und dies ohne dass all die teuren und unsinnigen Klimarettungsprojekte realisiert werden müssten. Wir dürfen aber sicher sein, dass die Klimaretter den natürlichen Gang der Dinge  als Erfolg ihrer grandiosen Bemühungen reklamieren werden.

Dieser Beitrag erschien in ausführlicherer Form zuerst auf Roger Letschs Blog Unbesorgt hier. Dort gibts auch zusätzliche Grafiken und eine Liste weiterer Beiträge des Autors zum Thema.

Foto: Pixabay

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Leserpost (23)
Dr. Günter Crecelius / 19.11.2017

Sie machen da einen grundsätzlichen Denkfehler: CO2 ist nämlich - natürlich - nicht gleich CO2. Nur das deutsche CO2 ist natürlich ein Klimagift. Alles andere CO2 ist, wie Sie richtig schreiben, für - fast- alle Lebensvorgänge wichtig bzw. unentbehrlich.  Verstanden? Dann besteht Hoffnung.

Wolfgang Richter / 19.11.2017

Dieser Mist geht mir angesichts des augenfälligen Unsinns der Thematik, wie auch der dazu in Kontrast stehenden Anreise von 25 000 Delegierten aus aller Welt, die die hiesige CO2-Bilanz für dieses Jahr schon mal in den Keller schickt, genauso auf sen “Senkel” wie das nach Abwarten der Niedersachsenwahl angeleierte “Jamaika-Gedöns”.  Nachrichten und sonstigen Meldungen dazu meide ich seither konsequent aus Rücksicht auf meinen Blutdruck,

Ernst Lerche / 19.11.2017

Es ist mir unverständlich,warum die Klima-und Weltenretter nicht schon lange den Zusatz von CO2 in Bier, Mineralwasser,Cola und Bionade verboten haben.Wenn CO2 das furchbare Gift ist,bedeutet es doch,daß wir mit jedem Glas Bier (wieso leben die Bayern überhaupt noch) oder Limonade systematisch vergiftet werden.Das Oktoberfest in München ist so gesehen kollektiver Selbstmord.Das wäre doch eine lohnende Aufgabe für die GRÜNEN und die Klimakanzlerin in einer möglichen Jamaika-Regierung.Auch sollte die Feuerwehr sofort CO2 aus den Feuerlöschern entfernen ,denn mit jeder Brandbekämpfung mittels eines CO2 Feuerlöschers kommen wir dem unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang ein Stück näher.

Torsten Gürges / 19.11.2017

Im Großen und Ganzen ein guter Artikel! Was mich allerdings stört: Die Wirkung von CO2 auf die Temperatur der Erde ist mitnichten bekannt! Im Artikel steht (Zitat): “Am wärmenden Treibhauseffekt, der unseren Planeten zuverlässig vor einem Dauerfrost von minus 18 Grad bewahrt, ist CO2 jedoch nur mit etwa 22 Prozent beteiligt” (Zitat Ende). In der Aussage sind zwei Fehler. 1.) Ob “der Anteil” des CO2 22% beträgt ist nicht bekannt, von den ganzen nicht verstanden Wechselwirkungen der verschiedenen Einflussgrößen einmal abgesehen. Es ist ein Wert, mit dem derzeit gearbeitet wird, ob der wirklich in dieser Form stimmt weiß man nicht. Meines Erachtens ist es eher weniger, aber ob es überhaupt Sinn macht in einem dynamischen, nichtlinearen System von der prozentualen Wirkung eines einzelnen Stoffes zu sprechen, sei einmal dahingestellt. 2.) Auch dass der Planet ohne “natürlichen Treibhauseffekt” - 18°C kalt wäre, weiß niemand sicher! Zwar tauchen diese Zahlen überall auf (von Webseiten des Bundesumweltministeriums über Wikipedia bis hin zu diversen Medien inkl. Schulbüchern), wenn man sich jedoch einmal mit dem wissenschaftlichen Hintergrund beschäftigt, wie diese Zahl zustande kommt, bekommt man selbst mit den Physikkenntnissen eines halbwegs fähigen Abiturienten einen lebensbedrohlichen Lachkrampf. Also auch hier: In Ermangelung eines Vergleichsplaneten zur Erde, im selben Abstand von der Sonne und der selben Oberflächenstruktur, aber eben ohne Atmosphäre, sind solche Zahlen lediglich Rechenergebnisse aus theoretische Modellen ohne die Möglichkeit zur Falsifizierung! Solche Modelle können(!) gut und nützlich sein und die wissenschaftliche Debatte voranbringen…jenes, dass zu den -18°C führt, ist aber ein schlechter Scherz!

Karla Kuhn / 19.11.2017

“Die Aussagen der oftmals als „Klima-Skeptiker“ aus dem Diskurs ausgeschlossenen Wissenschaftler, die mit Fakten, Messwerten und wissenschaftlich unbestrittenen Gesetzmäßigkeiten, daran arbeiten, die herrschenden Horror-Szenarien zu falsifizieren, sagen eine maximal denkbare mittlere Erderwärmung infolge einer weiteren Verdopplung des antropogenen CO2 von etwa 1 Grad Celsius voraus – und dies ohne dass all die teuren und unsinnigen Klimarettungsprojekte realisiert werden müssten. Wir dürfen aber sicher sein, dass die Klimaretter den natürlichen Gang der Dinge als Erfolg ihrer grandiosen Bemühungen reklamieren werden.”  Bis eines Tages kein Geld mehr da ist, dann darf das Klima wieder Klima sein.  Die “unsinnigen und teuren Klimarettungsprojekte” schaffen doch wieder Arbeitsplätze und spülen Steuern in die Kassen, nach dem erst viel Geld dafür ausgegeben wurde. Da wird eben fleißig weiter gerettet. Wer zahlt es am Ende? Der Verbraucher. Wenn ich meine Stromrechnung von 2004 anschaue und die von 2016, so hat sich der Strompreis bei GLEICHEM !!  Verbrauch für mich um 100 % in 12 Jahren erhöht. Da freue ich mich richtig auf die Zukunft und die kalten Winter.

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