Günter Ederer / 12.08.2016 / 06:00 / Foto: Geolina 163 / 6 / Seite ausdrucken

Die Deutschen und die Türken (4): Langmut rächt sich

Gordion, jene Stadt in der Alexander der Große mit einem Schwerthieb den gordischen Knoten gelöst hat, war eine Stadt in Anatolien, zirka 70 Kilometer südlichen des heutigen Ankara. Leider ist ein Politiker vom Statut Alexanders des Großen nicht in Sicht. Im Gegenteil: Was sich da tummelt ist furchterregend: Marie Le Pen, Boris Johnson, Donald Trump, Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan,  Baschar al-Assad, die sich alle als skrupellose Machtmenschen bewiesen haben und die prinzipienlose Angela Merkel und ihr noch prinzipienloserer (falls es diesen Begriff überhaupt gibt) Vizekanzler Sigmar Gabriel.

So suche ich eine Partei, die den gordischen Knoten in lösbare Einzelprobleme entwirrt. Ganz oben steht dabei der Umgang mit Erdogan. Dieser Mann ist nicht aus einer freien Wahl als Sieger hervorgegangen, die ihn berechtigt, sein Regime als Demokratie und gleichberechtigten Rechtsstaat anzuerkennen. Vor den letzten beiden Wahlen hat er zunehmend die Pressefreiheit abgeschafft- und ohne Pressefreiheit kann es keine freien Wahlen geben. Dieser Mann führt einen gnadenlosen Krieg gegen die kurdische Minderheit, ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Er ist wieder dabei einen Genozid zu organisieren. Was nützt eine Resolution im Bundestag über den Genozid an den Armeniern, der 100 Jahre zurückliegt, wenn gleichzeitig ganze Städte im Südosten der Türkei samt Bevölkerung ausgerottet werden?

Der Langmut mit der Intoleranz

Die wachsweichen Stellungnahmen zu den ungeheuerlichen Einmischungen in die deutsche Innenpolitik durch direkte Aufforderungen Erdogans an die Türkendeutschen, auch in unserem Staat Gülen-Anhänger zu melden, deutsche Abgeordnete - deren Eltern Türken waren - als Verräter an der Türkei zu beschimpfen (vergiftetes Blut) sind peinlich. Ein Mann, der einen Putschversuch, bei dem es hunderte Tote gegeben hat, als Geschenk Allahs zu bezeichnen, ist überhaupt kein Gesprächspartner. Die Konfrontation mit dem AKP-Regime von Erdogan ist unausweichlich.

Und diese Maßnahmen sollten ergriffen werden: Verträge mit Erdogan gelenkten Organisationen, wie DIYANET und Ditib werden nicht mehr abgeschlossen und die bestehenden so schnell wie möglich aufgekündigt. Aus dem Islamüberwachungsverein DIYANET ist eine Propagandamaschine des türkischen Islam mit über 100 000 Beamten und einem Etat von 1,8 Mrd. Euro geworden. Die Imame, die nach Deutschland mit Unterstützung einiger Landesregierungen angeheuert werden und in den Moscheen türkischen Nationalismus predigen, müssen ausreisen.

Eine doppelte Staatsangehörigkeit gibt es nur noch in Fällen, in denen der fremde Staat entweder seine Angehörigen nicht aus der Staatsbürgerschaft entlässt oder andere triftige Gründe, die mit einer Gefahr für Leib und Leben verbunden ist. Abgeordnete in fremden undemokratischen Parlamenten verlieren die deutsche Staatsangehörigkeit.

Das Verlangen nach der Freiheit ohne wenn und aber

Islamische fundamentalistische Gruppierungen, wie die Salafisten und Wahhabiten werden in Deutschland verboten. Ihre "Religion" verstößt eindeutig gegen unser Grundgesetz. Dort wo sie Einfluss auf die Regierung haben, werden alle Andersgläubigen unterdrückt oder sogar hingerichtet. Die "Freiheit vor Religion" muss in Deutschland garantiert sein und darf nicht unter der Überschrift "Religionsfreiheit" und falsch verstandener Liberalität zur Diskriminierung Nichtreligiöser durch Fundamentalisten aller Religionen außer Kraft gesetzt werden.

Auch wenn es nicht populär ist: Statt sich mit Diktaturen oder autoritären Herrschern aus "pragmatischen" Gründen zu arrangieren, muss sich Deutschland noch stärker um die Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten des Nahen Ostens wirtschaftlich kümmern und militärisch engagieren. Ausgerechnet sich einem Erdogan auszuliefern, um sich selbst nicht die Finger schmutzig zu machen, ist niederträchtig, feige, verlogen.

So werde ich persönlich keine Politiker wählen,

  • die den korrupten Machtpolitiker Erdogan hofieren, um sich aus der Verantwortung zu stehlen, oder weil er geografisch gerade gebraucht wird 
  • die sich nicht entschieden dagegen auftreten, wenn mit Gewalt in Europa Regionen annektiert werden, wie durch Wladimir Putin, weil sie sich ein paar wirtschaftliche Vorteile erhoffen, oder aus purem Antiamerikanismus handeln
  • die den Menschenschlächter Baschar al-Assad für das kleinere Übel halten - und dem Irren Muammar al Gaddafi nachweinen
  • und die den Wahhabismus des islamischen Staates verdammen, aber nicht wagen, den Saudis und Qataris wegen des Öles ihre Finanzierung des radikal-intoleranten Islamismus die rote Karte zeigen.

 Wenn Sie eine Partei kennen, die diese Forderungen erfüllt, dann teilen Sie sie mir bitte mit. Ich bin zurzeit ratlos.      

Ende der Serie

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Leserpost (6)
Wolfgang Richter / 13.08.2016

Assad, Ghaddafi und Saddam Hussein hatten einiges gemeinsam. So waren sie Garanten für die innere Stabilität in ihren Ländern, die von Stammes- und Religionsrivalitäten geprägt waren und sind. Außerdem sind die Herren von diversen westlichen Staatsführern lange Zeit hofiert, mit dem Wohlstand ihrer Länder fördernden Wirtschaftsverträgen gelockt und teils auch bezahlt worden, dies genau so lange, bis sie diesen westlichen Ex-Kolonialisten nicht mehr nützlich erschienen, diese andere Gruppen in den Ländern als für ihre Ziele vorteilhafter ansahen und die nun öffentlich als Despoten bezeichneten zum Wegbomben frei gaben, dies dank der üblichen Weitsicht ohne jeglichen Plan B für die Zeit danach, und dies fatalerweise als Zeichen von vollkommener Unbelehrbarkeit und Einsicht ein ums andere mal aufs neue.  So können wir heute einen Teil der Zuwanderung gen Europa und diese Staaten als heute instabile, von diversen durchs Land ziehenden marodierenden Terrorgruppen geprägte Landstriche erleben, Produkte undurchdachter Aktionen westlicher Politakrobaten. Wer die Bilder der z. B. Ghaddafi herzenden in Reihe nach Tripolis reisenden Politführer nach Aufhebung der Terrorismussanktionen vergessen haben sollte, es dürfte sicher noch im Internet Bilder von ihn umarmende Sarkozy, Schröder. Berlusconi, Blair, Putin oder anderen geben. Und dies auch bezüglich der beiden anderen Despoten. Insofern zeigt sich zumindest die Verlogenheit von Politik insgesamt, deren Folgen wie immer die “kleinen Leute” ausbaden und mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben zahlen dürfen.

Judith Jannach / 12.08.2016

wie immer ..interessante aufarbeitung des themas…

Daniel Oehler / 12.08.2016

NEIN, Herr Eder, so nicht! Sie lassen einige wesentliche Dinge außen vor. Herr Erdogan, die Ditib und die Türkei waren bis vor wenigen Wochen wohlgelitten. Scharfe Kritik wurde von politisch-korrekter Seite gerne als Rassismus abgetan. Nun sind Erdogan, die Ditib und die Türkei auf einmal nicht mehr Partner, sondern Feind? Die Sache stinkt. Was Ihre Aversion gegen bestimmte Politiker angeht… Ist Ihnen nie in den Sinn gekommen, dass ihr verbaler Kampf gegen Le Pen, Trump, Putin und Assad den Fanatikern des IS hochwillkommen ist? Wenn es Putin und Assad nicht gäbe, würde die IS alle Nichtsuniten in Syrien ausrotten. Wollen Sie es darauf ankommen lassen? Bei der FAZ und der Springer-Presse kann man diesen Eindruck bekommen. Bei einem Völkermord wie dem des IS sind nicht nur die Ausführenden schuldig, sondern auch diejenigen, die dazu schweigen oder gar diejenigen bekämpfen, die gegen die Mörder vorgehen.

Helmut Driesel / 12.08.2016

  Ob Alexander “der Große” mehr war als ein aufgeblasener Halunke mit einem glücklichen Händchen im Kriegsgeschäft, kann man wohl heute kaum beurteilen. (Was vielleicht ebenso auf Karl “den Großen” zutrifft, das weiß ich nicht.) Aber in diesem Zusammenhang ist doch festzustellen, wie intelligent im Vergleich Herr Erdogan vorgeht, um seine nationalen Interessen optimal in den Raum zustellen. Er macht aus der Türkei im Handstreich ein unsicheres Herkunftsland. Hat der sich von einem deutsch-türkischen Anwalt beraten lassen? Das kann man doch selbst im Widerspruch nur genial finden. Nun, Frau Merkel, Sie sind am Zug!

Hans Meier / 12.08.2016

Meinen Beifall - und machen Sie die Kontonummer bekannt, um Ihnen und achgut zu danken!

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