Markus Vahlefeld / 16.11.2017 / 10:30 / Foto: Tim Maxeiner / 8 / Seite ausdrucken

Die Deutschen und die Schicksalsfragen

Im Jahre des Herrn 1923 erblickte ein kleines Büchlein das Licht der Welt, das den Titel trug: „Die Judenfrage als Schicksalsfrage des deutschen Volkes“. Nachdem diese Frage ganz schicksalhaft 1945 als beantwortet angesehen werden musste, verboten sich deutsche Politiker nach 1945, irgendwelche Fragen aufzuwerfen und sie zu Schicksalsfragen zu stilisieren. Das merkwürdige Hingezogensein des Volkes der Dichter und Denker zu Heilserwartungen, Erlösungssehnsüchten und Endlösungen war der politischen Klasse so tief als Schrecken in die Glieder gefahren, dass sie um Schicksalsfragen fortan einen großen Bogen machte.

Erst mit den Grünen, die für sich reklamierten, die entschiedensten Antifaschisten zu sein, damit als die guten Deutschen zu gelten hatten und sich ergo keinerlei Zurückhaltung mehr auferlegen mussten, kamen wieder die großen Schicksalsfragen aufs Tapet. Um nichts Geringeres ging es den Grünen als um die „Bewahrung der Schöpfung“, sei es beim Kampf gegen die Atomkraft oder beim Kampf für das Rauchverbot.

Mit diesem Kniff, alles zu Endzeitfragen des menschheitlichen Überlebens zu machen, trieb diese randständige Politsekte die anderen Parteien moralisch vor sich her. Erst mit der Aufgabe der Staatsgrenzen und der daraus folgenden Buße, auf die die Deutschen verpflichtet wurden, war das Projekt der Wiedergutwerdung soweit abgeschlossen, dass die anderen Parteien nachziehen konnten. Inzwischen kann nichts groß und endzeitig genug sein, um den Deutschen nicht als Schicksalsfrage präsentiert zu werden.

Das klang schon ein bisschen nach der Kavallerie

Bereits im Juni des Jahres, als US-Präsident Trump die Nicht-Ratifizierung des Pariser Klimavertrages ankündigte, ließ die Bundeskanzlerin verlauten: „Wir brauchen dieses Pariser Abkommen, um unsere Schöpfung zu bewahren. Nichts kann und wird uns dabei aufhalten.“ Das klang schon ein bisschen nach der Kavallerie, mit der ehedem der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in der Schweiz einreiten wollte, aber da Frau Merkel so überhaupt nicht militaristisch wirkt, sondern eher so feminin-flauschig, verpuffte die Drohung der deutschen Unaufhaltsamkeit recht schnell. Außerdem ging es ja ums Klima, und da darf man schon mal mit den Säbeln rasseln.

Der moderne Mensch ist bekanntlich frei und unterwirft sich keinen außer ihm befindlichen Autoritäten. Das ist die weit verbreitete Theorie. In der Praxis hat die Wissenschaft schon lange die Funktionsweise der Religion übernommen, denn sie hat sich zur letzten Autorität aufgeschwungen, der sich der moderne Mensch zu unterwerfen habe: was die Wissenschaft bestimmt, muss von der Menschheit als wahr und unverbrüchlich anerkannt werden.

Das Famose daran: die Deutschen haben nicht nur eine Protestantin als Kanzlerin, Frau Merkel soll zudem noch Physikerin sein. Diese Kombination der protestantischen Physikerin führt dann dazu, dass sie gestern in ihrer Rede auf dem Weltklimagipfel in Bonn den Klimaschutz die "Schicksalsfrage für die Menschheit" nennt. Wenn gar nichts mehr geht: Schicksalsfragen gehen immer!

Merkels Ausspruch kann man als Unterwerfungsgeste unter das grüne Diktat sehen, um die von ihr herbeigesehnte Jamaika-Koalition doch noch zu ermöglichen. Man kann ihn aber auch als vorläufig letzte Grenzüberschreitung einer moralischen Selbstermächtigung sehen, die zwischen Religion und Politik nicht mehr sauber zu unterscheiden weiß. Lieber Herrgott, bitte mach, dass diese Bundeskanzlerin bald schon der Geschichte angehört! 

Foto: Tim Maxeiner

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Leserpost (8)
Bettina Diehl / 16.11.2017

Amen! Herr Vahlefeld. Ich schließe mich Ihrem Stoßgebet an. Hoffentlich hilft es. Viele Grüße Bettina Diehl

P.B.Thomas / 16.11.2017

Science chases the money. Example: “Physiology of kangoroos” no funding. Change only the title of the same research into “Physiology of kangoroos in relation to climate change” = funding. General research about how the world works gets more and more neglected. Social scientists decide in a religious kind of way nowadays where the money should go to. A scientist without money does not exist. A scientist without publication does not exist. Control of the money and the acceptance of publications will determine what is investigated and what assumptions are allowed. This is the climate in which science operates.

Wieland Schmid / 16.11.2017

Hochgeschätzter Herr Vahlefeld, ist es nicht unbillig, gar vermessen, den lieben Herrgott um etwas zu bitten, das wir deutschen Erdenbewohner verdammt noch mal selbst bewerkstelligen könnten, wir aber zu feige dazu sind? Gott hat unseretwegen schon genug am Halse, was wir auch besser von ihm erledigen lassen sollen.

Dietmar Schmidt / 16.11.2017

Ja wir hoffen inbrünstig, dass diese Kanzlerin Geschichte wird. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zu Letzt.

Herbert Frankel / 16.11.2017

” Lieber Herrgott, bitte mach, dass diese Bundeskanzlerin bald schon der Geschichte angehört!” - Wie wahr, das wünsche ich mir seit Jahren. Und ich glaube, das wünschten auch viele andere. Aber Wahlergebnisse interessieren diese BK nicht. Hätte diese BK (auch politischen) Anstand, wäre sie noch in der Wahlnacht zurückgetreten!

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