Gastautor / 17.06.2017 / 06:25 / Foto: Jake Barreiro / 3 / Seite ausdrucken

Die aktuelle Checkliste zur Kuba-Rede von Donald Trump

Von Klaus Leciejewski.

Präsident Trump hielt gestern abend in Miami seine mit Spannung erwartete Kuba-Rede, in der er das Verhältnis der USA zu Kuba neu definiert.  Aus diesem Anlass veröffentlichen wir hier ein 43 Punkte umfassendes Papier, dass Kenntnis und Zuneigung zu der wunderbaren Insel auch in Europa befördern möge.

1. Die Behauptung, im kubanischen Fernsehen wird nur gelogen, ist wahrheitswidrig. Wenigstens eine Person lügt niemals: auf dem Musikkanal “Clave” der Orchesterdirektor.

2. Kuba ist eines der international offensten Länder. Alle Kubaner tragen T-Shirts mit westlichen Werbeaufschriften. Die wenige T-Shirts mit Werbung für Kuba sind ausländischen Touristen vorbehalten.

3. Kuba ist das Land mit dem weltweit größten Traditionsbewusstsein. Die meisten Autos auf den Straßen sind mehr als 55 Jahre alt.

4. Die kubanische Regierung ist dem Volke sehr zugetan. Regelmäßig stellt sie ihm sämtliche Autobusse des Landes kostenlos zur Verfügung, damit es an den großen Manifestationen teilnehmen kann.

5. Die kubanische Regierung schützt ihr Volk vor der westlichen Konsumdiktatur. Beispielsweise erlaubt sie nicht die Konkurrenz der drei großen westlichen Waschmittelkonzerne, sondern stellt ihm demgegenüber eine Vielfalt von Waschmitteln aus zahlreichen Ländern zur Verfügung, wie aus der Türkei, China, Mexiko, Argentinien, Italien, Vietnam u.v.a.

6. Die kubanische Regierung wappnet sich vor westlichen Sextourismus mit Minderjährigen. Ab dem 15. Geburtstag tragen die Mädchen eine andersfarbige Schuluniform, woran sie unschwer zu erkennen sind.

7. Die Behauptung, in Kuba gäbe es Personenkult, geht an den Tatsachen vorbei. Ein solcher ist ausschließlich drei Toten vorbehalten; der erste ist ein heiliger Geist, der zweite ist Gottessohn und der dritte ist Gottvater.

8. Der Wetterbericht im kubanischen Fernsehen hat weltweit die größte Treffsicherheit. Er irrt sich niemals in der Voraussage der Tage mit Sonnenschein, nur Regentage machen eine Ausnahme, zumeist scheint die Sonne.

9. Kuba widerlegt nachdrücklich internationale Statistiken. Trotz zahlreicher Asbestdächer, vor allem auf den ländlichen Schulen, sinkt die krebsbedingte Sterberate kontinuierlich.

10. Bereits seit vielen Jahren hat die kubanische Regierung eine wirksame Politik gegen die Schädlichkeit des Rauchens entwickelt, indem sie einerseits die Preise für die berühmten Havannas so hoch gesetzt hat, daß kein Kubaner sie rauchen kann, und andererseits die Qualität der einheimischen Zigarrenmarke so niedrig angesetzt hat, daß kaum ein Kubaner sie rauchen mag.

11. In Kuba existiert eine permanente Revolution. Sie ist unveränderlich.

12. Die ganze Welt weiß, daß Havanna vor der Revolution ein Paradies für Glücksspieler, Mafiosis und Zuhälter gewesen war. Als Folge davon sind ausgedehnte Stadtviertel dicht an dicht mit prächtigen Villen zugepflanzt worden.

13., Die landläufige Meinung, daß sich auf Kuba nach 1959 alles verändert hätte, trifft so allgemein nicht zu. Auf einigen Gebieten hat sich auf Kuba auch danach nichts verändert. Vor 1959 zahlten die Zuhälter Bestechungsgelder an die Polizei.

14. Auf Kuba muss niemand Angst vor Kriminalität haben. Sämtliche Türen, Fenster und Vorgärten sind dicht vergittert.

15. In westlichen Staaten gibt es seine Vielzahl von Informationsquellen. Es ist kompliziert, darunter die Wahrheit herauszufinden. In Kuba gibt es nur eine einzige Quelle, die Regierung. Die Wahrheit ist sehr einfach: Immer und stets genau nur das Gegenteil.

16. Weltweit sind Revolutionen eine bewegende Angelegenheit. Sie können auch persönlich eine wundervolle Sache sein, für den, der sie zuletzt erlebt.

17. Zwei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Europa gibt es weltweit immer noch kommunistische Inseln. Das ist nicht verwunderlich, auch zwei Jahrhunderte nach der französischen Revolution gibt es immer noch den Adel, als Folklore. 

18. Man kann die Welt auch mit einem Fernsehsender oder einer Zeitung von sich fernhalten.

19. Stets ist der erste Eindruck der wichtigste, denn nur über ihn kann man später lachen.

20. Kuba ist ein freies Land, solange das Denken diese Freiheit nicht stört.

21. Die kubanische Regierung hat ein immenses Vertrauen in die technischen Fähigkeiten ihres Volkes. So kann sie es sich erlauben aus China Fahrräder, Motorräder und Autos ohne Ersatzteile zu importieren.

22. Die Ehe ist auf Kuba eine weltweit einzigartige Institution. Kubaner beiderlei Geschlechts schätzen sie als größte Glückseligkeit ihres Lebens. Nur in ihr können beide, ohne sozial aufzufallen, ihren sexuellen Leidenschaften außerhalb dieser nachgehen.

23. Überall in der Welt empfinden Frauen es als peinlich oder gar als Belästigung, wenn Männer ihnen nachpfeifen. Auf Kuba nicht. Sie werden bemerkt!

24. Was macht ein Kubaner als erstes in Miami? Er schafft sich eine kubanische Stadt.

25. Kubaner sollen Latinos sein. Das wollen sie nicht. Kubaner wollen Nordamerikaner sein. Das dürfen sie nicht. Wie lösen sie diesen Zwiespalt? Mit kubanischer Musik während des Liebesspieles mit nordamerikanischen Touristinnen.

26. Gemeinhin sagt man, daß es in einer Diktatur nur zwei Gruppen von Menschen gibt: Die Unterdrücker und die Unterdrückten. Das trifft nicht zu. Es gibt noch eine dritte Gruppe: Diejenigen, die sich selber unterdrücken.

27. Zweifelsfrei ist die „Granma“ die respektierteste Zeitung Kubas. Es gibt keine andere.

28. Die kubanische Regierung verwendet ausschließlich den Superlativ. Den Komparativ kennt sie nicht.

29. Der Superlativ trifft nur dort zu, wo es keinen Komparativ gibt, insbesondere in der Politik.

30. Kuba hat es erreicht, sein Erziehungssystem weltweit als einzigartig darzustellen. Die es erlebt haben, können es bestätigen

31. Die kubanische Revolution hat die Vergangenheit gründlich bewältigt. Sie hat keine Zukunft mehr.

32. Alles was die Kubaner sind, sind sie durch die Revolution.

33. Was ist für den deutschen Autofahrer der größte gesellschaftliche Fortschritt auf Kuba? Die zu jeder Tageszeit stets leere Autobahn! 

34. Die Kochkunst ist die einzige Kunst, die der Lebenserhaltung dient, deshalb ist sie vergänglich.

35. Gute Zeiten haben schlechte Literatur.

36. Das Einkaufen auf Kuba ist eine unübertroffen glückselige Angelegenheit. Das besondere Vergnügen besteht nicht darin, daß, was gesucht wird, in einem Geschäft an einem Tag zu kaufen, sondern tagelang in vielen Geschäft etwas zu finden, von dem man gar nicht wußte, daß es benötigt wird.  

37. In einem elenden Zustand verursachen bereits kleinste Verbesserungen ungeheure Euphorie.

38, Warum gibt es auf ganz Kuba keine Briefkästen? Weil es keine Post gibt. Falsch! Weil es keine Briefträger gibt, denn die würden die Post entwenden.

39. Die Kubaner sind ein sehr glückliches Volk. Ihre Regierung bemüht sich nach Tatkräften, negative Nachrichten aus aller Welt von ihm fernzuhalten. Drei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der DDR ist dies zahlreichen Kubanern noch unbekannt.

40. In einer Diktatur besteht ein eigenartiger Dualismus. Die Herrschenden haben Angst, daß die Beherrschten ihre Angst verlieren.

41. Es wird behauptet, daß die kubanischen Statistiken allesamt gefälscht sind. Das trifft nicht zu. Wenigstens eine Statistik ist nicht gefälscht, aber welche, das wird geheim gehalten.

42. Der Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus besteht nur in einer Zahl. Im Kapitalismus gibt es Tausende von Kapitalisten, im Sozialismus nur einen einzigen.

43. Man sagt, daß in Kuba die Menschen nicht ihre wahre Meinung äußern dürfen. Das trifft nicht zu. Sogar im Fernsehen können sie dies jeden Tag, beispielsweise während der zahlreichen Berichte über politische Veranstaltungen. Wenn die Kamera auf die Teilnehmer oder Zuschauer schwenkt, äußern diese unmißverständlich ihre persönliche Meinung. Wie? Durch gepflegte Langeweile auf den G

Klaus D. Leciejewski hat an verschiedenen deutschen Hochschulen Wirtschaft gelehrt, ist Autor mehrerer Sachbücher und Publizist. Er ist mit einer Kubanerin verheiratet und lebt einen großen Teil des Jahres auf Kuba.

Leserpost (3)
A.W. Gehrold / 17.06.2017

Das ist doch wohl nicht beabsichtigt, das einsame “G” im letzten Satz, oder? Dann wäre ich halt zu einfältig, um den Gag verstehen zu können. Macht bitte noch ein “esichter” dazu, so dürfte es nämlich gewollt sein.

Andreas Rochow / 17.06.2017

Köstlich! Einerseits eine Klatsche für jene, die auf Sozialismuskritik triumphierend die “Positivbeispiele” Kuba und Venezuela aus dem Köcher holen. Andererseits ein Spiegel für jene, die Wachstum, Konsum und Prosperität für Teufelszeug halten. Man kann diesen schönen Text auch als einen kenntnisreichen, humoristischen und durchaus liebenswerten Reiseverführer lesen. Ganz besonders hat es mir Pkt. 40 angetan. Er wurde z.B. 1989 von widerständigen DDR-Bürgern bewiesen: “In einer Diktatur besteht ein eigenartiger Dualismus. Die Herrschenden haben Angst, daß die Beherrschten ihre Angst verlieren.” Auch die geplante Maasi ist Ausdruck für diese Angst.

Roland Richter / 17.06.2017

Was soll das? Ist das als Humor zu verstehen oder soll man es ernst nehmen? Absolut unter der Gürtellinie!

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