Matthias Heitmann, Gastautor / 06.05.2017 / 10:00 / 4 / Seite ausdrucken

Der WochenWahnsinn: Thomas de Maizières peinliche Lightkultur

In ihrer Radio-Kolumne „Der WochenWahnsinn“ gehen Achse-Autor Matthias Heitmann und Antenne Frankfurt-Moderator Tim Lauth jede Woche auf Zeitgeisterjagd. Seit Anfang 2017 ist der WochenWahnsinn nun auch auf der Achse zu hören und zu lesen. In dieser Woche diskutieren Heitmann & Lauth über die Vorschläge von Bundesinnenminister Thomas de Maizière zur deutschen Leitkultur. Zum Anhören geht’s hier entlang.

Tim Lauth: Matthias, was war Dein Wahnsinns-Thema der Woche?

Matthias Heitmann: Oh je, da gab es fast jeden Tag etwas anderes. Man denke nur an Ursula von der Leyens Kritik an der inneren Führung der von ihr selbst geführten Bundeswehr. Den Vogel hat für mich aber Innenminister Thomas de Maiziere abgeschossen mit seiner peinlichen 10-Punkte-Beschreibung einer deutschen Leitkultur.

Lauth: Ja, ich habe von dieser Liste gehört, und dass da so Sachen drinstehen wie: „Wir geben uns zur Begrüßung die Hand. Wir sagen unseren Namen. Wir sind nicht Burka. Die Nato schützt unsere Freiheit.“ Da fielen mir noch ganz andere Sachen ein wie „Morgens um halb zehn ein Knoppers“ oder „Draußen nur Kännchen“… Was findest Du an den Vorschlägen von de Maizière peinlich?

Heitmann: De Maiziere kann keine überzeugende Leitkultur entwerfen. Stattdessen wirft er Händeschütteln, Leistungsstreben, Namensagen und Gesichtzeigen mit Freiheit und Toleranz, mit Nationalstolz und der Nato-Mitgliedschaft in einen Topf und nennt diese Suppe dann Leitkultur. Glaubst Du wirklich, dass die Integration von Einwanderern daran scheitert, dass wir zu wenige Hände schütteln oder uns Leute auf der Straße ihren Namen oder ihre Gesichter verheimlichen? Bin ich leitkulturfremd, weil ich eine kritische Haltung zur Nato habe?

Lauth: Nein, da hast Du wohl Recht.

Heitmann: Natürlich gibt es eine Alltagskultur, aber die ist ziemlich unspektakulär und sehr unpolitisch. Und sie ist geprägt von großer Vielfalt. Es ist den meisten Leuten nämlich völlig schnuppe, ob sich andere zur Begrüßung die Hand, Küsschen oder was auch immer geben. Es glaubt auch niemand, dass man durch Blutwurstessen oder Biertrinken integriert wird. Man sollte endlich aufhören, Leute in kulturelle Schablonen zu pressen. So züchtet man Parallelgesellschaften. In meinem Viertel wird die beste Pizzeria von Türken betrieben. Soll ich jetzt vielleicht demnächst versuchen, dort einen Döner zu bestellen, nur weil das eher der türkischen Alltagskultur und den deutschen Vorurteilen entspricht?

Lauth: Okay, ich verstehe, was Du meinst. Aber was soll man denn dann unter „Leitkultur“ verstehen?

Heitmann: Mir geht es dabei weniger um kulturelle Eigenheiten, sondern um gesellschaftliche Grundüberzeugungen, um individuelle Freiheitsrechte und um Demokratie. Diese Werte bieten die Grundlage für ein zivilisiertes Miteinander – vorausgesetzt, wir selbst glauben an diese Werte und sie bereit, sie robust zu verteidigen. Doch genau das trauen wir uns nicht! Weil wir uns den Schneid abkaufen lassen von ein paar Idioten, die behaupten, es sei rassistisch, westliche Errungenschaften zu verteidigen.

Aber auch das deutsche Recht hat ein gestörtes Verhältnis zu diesen Werten: Es verweigert vielen Menschen die Integration, weil es sie auch nach vielen Jahren noch wie Bürger zweiter Klasse behandelt. Sie sollen arbeiten, Steuern zahlen und in ihren kulturellen Parallelgesellschaften leben. Aber auf Augenhöhe teilhaben dürfen sie nicht. Sie können nur in völlig belanglosen Ausländerbeiräten ein bisschen „Demokratie“ spielen. Wir verraten also unsere eigenen Werte und wundern uns dann, dass wir Integrationsprobleme haben?!

Lauth: Wie Integration gelingen kann, zeigt doch in diesem Jahr die sehr internationale Truppe unserer Eintracht, oder?

Heitmann: Man sollte es sich nicht zu einfach machen. Die Integrationsprobleme sind ja real – und sie werden nicht kleiner. Interessant ist aber, dass man im Falle des Erfolgs plötzlich Stolz entwickelt, weil man diese Probleme gelöst hat. Und vielleicht taugt hier der Vergleich zu unserer Eintracht: Was wurde vor der Saison geunkt wegen der Zusammenstellung der Mannschaft! Diese Unkenrufe sind verstummt, weil die Mannschaft wider Erwarten gut funktioniert.

Mehr Infos unter www.zeitgeisterjagd.de.

Leserpost (4)
Michael Loewe / 06.05.2017

Zu “Aber was soll man denn dann unter „Leitkultur“ verstehen? Heitmann: Mir geht es dabei weniger um kulturelle Eigenheiten, sondern um gesellschaftliche Grundüberzeugungen, um individuelle Freiheitsrechte und um Demokratie. Diese Werte bieten die Grundlage für ein zivilisiertes Miteinander – vorausgesetzt, wir selbst glauben an diese Werte und sie bereit, sie robust zu verteidigen. Doch genau das trauen wir uns nicht”: Warum traut sich denn Herr Heitmann nicht, diese Werte zu nennen, die angeblich viel besser unsere Leitkultur beschreiben? Es hätte mich sehr interessiert, was er darunter versteht, aber leider bricht er an der Stelle ab. Sehr schade.

Wilfried Cremer / 06.05.2017

Die Eintracht hat aber auch einen sehr guten Trainer, im Gegensatz zum DPV. (Wer als erster rät, was das heißt, dem geb ich ein Bier aus.)

Hubert Bauer / 06.05.2017

Durch “Blutwurstessen oder Biertrinken” wird zwar Niemand integriert, aber wer Blutwurst isst und Bier trinkt zeigt dadurch, dass er kein religiöser Extremist ist. Extremismus jeder Art macht ein zivilisiertes Zusammenleben immer schwer und Mäßigung macht ein Zusammenleben meist angenehmer. Ich esse nicht nur Leberkässemmeln und Currywurst, sondern auch Döner vom Türken. Dafür erwarte ich aber vom Türken, dass er nicht nur türkisches Mineralwasser, sondern auch deutsches Bier verkauft.

Frank Holdergrün / 06.05.2017

Wer Fußball als Beispiel für gelingende Integration ansieht, hat wenig vom grundlegenden Problem verstanden. Sich Waren zu verkaufen, wenn man den anderen verachtet, wird niemals zu einem gelingenden, sich gegenseitig unterstützenden Zusammenleben führen. Wie sich das im ach so lieben Fußball auswirken kann, zeigt das friedliche Zusammenspiel der französischen Nationalmannschaft bei der WM 2010.

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