Matthias Heitmann, Gastautor / 15.04.2017 / 12:00 / 2 / Seite ausdrucken

Der WochenWahnsinn: Fußball-Terror

Vieles deutet darauf hin, dass der „Islamische Staat“ in Europa eher eine Art Franchise-System ist, das Attentäter nutzen, um sich inhaltlich zu positionieren und um Aufmerksamkeit zu bekommen. Diese Vermischung verschiedener Spielarten des Terrors zeigt zudem, dass das Ganze viel mehr mit unserer Gesellschaft zu tun hat, als wir oft denken, und dass es weder einfache Schwarz-Weiß-Erklärungen noch ebensolche Lösungen gibt.

In ihrer Radio-Kolumne „Der WochenWahnsinn“ gehen Achse-Autor Matthias Heitmann und Antenne Frankfurt-Moderator Tim Lauth jede Woche auf Zeitgeisterjagd. Seit Kurzem ist der WochenWahnsinn nun auch auf der Achse zu hören und zu lesen.

Diese Woche geht es um den Anschlag auf die Fußballmannschaft von Borussia Dortmund. Zum Anhören geht es hier entlang.

Tim Lauth: Matthias, wir reden ja im WochenWahnsinn viel über Politik und immer auch ein wenig über Fußball. Der Anschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund hat nun beides auf sehr fatale Weise miteinander verknüpft. Was ist Deine Einschätzung, Matthias?

Matthias Heitmann: Ich war überrascht, weil dieser Anschlag so gar nicht in das bisherige Muster des islamistischen Terrorismus passt. Der Angriff auf den BVB erinnert an den Linksterrorismus der 70er- und 80er-Jahre der RAF oder anderer politischer Terrorgruppen: eine klar definiertes und abgegrenztes Angriffsziel, Bekennerschreiben in der Sprache der Kuffar, an Regierungen gerichtete politische Forderungen – das ist alles eher untypisch für Islamisten.

Lauth: Ja, das stimmt, irgendwie war das seltsam. Aber wie erklärst Du Dir das, Matthias?

Heitmann: Man kann daran sehen, dass der islamische Terrorismus vom Stil her kein einheitliches Unterfangen ist und auch nicht vom Nahen Osten aus gesteuert wird. Der Islamische Staat ist in Europa eher eine Art Franchise-System, das Attentäter hierzulande nutzen, um sich inhaltlich zu positionieren und um Aufmerksamkeit zu bekommen. Diese Vermischung von Spielarten des Terrors zeigt, dass das Ganze viel mehr mit unserer Gesellschaft zu tun hat, als wir oft denken. Wir wissen, dass viele islamistische Attentäter erst im Westen radikalisiert wurden. Manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, dass einige dieser Attentäter keine radikalisierten Moslems, sondern umgekehrt islamisierte Gewalttäter sind, Außenseiter und Menschenhasser also, die unsere Gesellschaft verabscheuen und im radikalen Islam eine neue Heimat finden.

Lauth: Ok, aber inwieweit ist diese Unterscheidung denn wichtig? Das Ergebnis ist doch dasselbe…

Heitmann: Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie deutlich macht, dass die Ursprünge des modernen Terrorismus eben nicht nur im syrischen, irakischen oder libyschen Wüstensand liegen. Seine Verbreitung hat auch mit unserer Gesellschaft zu tun. Das erkennt man auch an der hohen Anzahl von Menschen, die im Westen aufgewachsen sind und nach Syrien gehen, um sich dort dem IS anzuschließen. Wenn man das Terrorismus-Problem verstehen will, helfen keine einfachen Schwarz-Weiß-Erklärungen.

Lauth: Ok, da gebe ich dir Recht. Aber zurück zum Fußball: War es Deiner Meinung nach richtig, das Dortmund-Spiel gleich am nächsten Tag auszutragen? Und ist der Ausgang des Spiels unserer Eintracht an diesem Samstag in Dortmund überhaupt von Bedeutung angesichts dieser Ereignisse?

Heitmann: Ich fand es gut, dass das CL-Spiel gleich nachgeholt wurde. Ich glaube nicht, dass eine wochenlange Denkpause den Spielern geholfen hätte. Lieber gleich weitermachen, ist meine Devise, damit gar nicht erst Blockaden entstehen. Und natürlich ist es wichtig, wie die Eintracht in Dortmund spielt. Wenn wir jetzt anfangen, solche Spiele nur noch als Anti-Terror-Gesten zu veranstalten, dann hat der Terror gewonnen, denn dann hat er die Dinge zerstört, die uns wichtig sind. Und das sollten wir nicht zulassen.

Leserpost (2)
Udo Lattek / 15.04.2017

Dieses Interview ist leider enttäuschend und wird dem vorgefallenen Ereignis in keinster Weise gerecht. Es ist nicht ausgemacht, dass die oder der Täter einen is lamistischen Hintergrund hat oder haben. Man sollte den weiteren Gang der Ermittlungen abwarten und sich - wenn man schon spekulieren möchte - auf die näheren Begleitumstände des Anschlags konzentrieren. Die frühe Neuansetzung des Spieles halte ich - menschlich gesehen - für mehr als fragwürdig und wettbewerbsbezogen schon gar nicht mehr für nachvollziehbar.

Wilfried Cremer / 15.04.2017

Der Islam als Vehikel für Terror ist ja auch das Argument der meisten Muslime. Das beantwortet aber immer noch nicht die Frage, warum gerade diese Religion so geeignet dafür ist.

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