Matthias Heitmann, Gastautor / 30.06.2017 / 13:00 / 1 / Seite ausdrucken

Der Wochen-Wahnsinn: Scharf auf den Staat?

„Während bei heterosexuellen Paaren die Ehe ohne Trauschein und die eingetragene Partnerschaft populärer wird, drängen Lesben und Schwule in die Ehe“, wundert sich Zeitgeisterjäger Matthias Heitmann in der aktuellen Ausgabe der Radio-Kolumne „Der WochenWahnsinn“ mit Antenne-Frankfurt-Moderator Tim Lauth über Merkels Meinungswandel. Zudem ist für ihn die Spontanaufgabe klassischer CDU-Positionen viel eher ein „Anschlag auf die Demokratie“ als das bisherige Schweigen der Kanzlerin. Zum Anhören geht es hier entlang.

Tim Lauth: Wir gehen wieder auf Zeitgeisterjagd im WochenWahnsinn. Mein Name ist Tim Lauth, und ich spreche wieder mit Zeitgeisterjagd-Autor Matthias Heitmann über den aktuellen Wahnsinn. Matthias, der Hammer der Woche war ja wohl zweifellos, dass Angela Merkel in einer Talkshow plötzlich die Entscheidung über die Öffnung der Ehe zu einer Gewissensentscheidung erklärt hat. Was hältst Du von diesem Merkel Move?

Matthias Heitmann: Ich finde es irre, wie heute politische Entscheidungen getroffen werden – nämlich losgelöst von der Partei und völlig ohne interne Klärung. Merkel verkündet die Kehrtwende, und der Rest muss rudern. Kürzlich wurde der Kanzlerin ja noch vorgeworfen, ihr inhaltliches Schweigen sei ein „Anschlag auf die Demokratie“. Ich halte ja eher die Art, wie Merkel das Programm ihrer Partei verschrottet, für einen Anschlag auf die Demokratie in der CDU.

Lauth: Ok, das wohl ein wahltaktisches Manöver. Aber wie stehst Du denn zur „Ehe für alle“?

Heitmann: Sorry, das ist nicht nur ein Manöver. Demokratie lebt von Debatten und von der Achtung demokratischer Beschlüsse. Wer das umgeht, schadet der Demokratie – völlig unabhängig von dem, was beschlossen wird. Zur Sache: Ich wundere mich, dass trotz weitgehend gleichgestellter Lebenspartnerschaften in Deutschland so getan wird, als ob es bei der Ehe für alle um die Beendigung der Schwulen- und Lesben-Diskriminierung geht.

Lauth: Aber worum geht es denn, wenn nicht darum?

Heitmann: Viele Menschen legen heute großen Wert darauf, dass ihre eigene Identität gewissermaßen staatlich anerkannt wird. Für Schwule und Lesben ist die Ehe wie ein staatliches Gütesiegel von hohem Wert. Früher ging ihnen der Staat am Arsch vorbei, sie wollten anders und freier leben als die angepassten Heteros. Heute läuft es andersherum: Während bei heterosexuellen Paaren die Ehe ohne Trauschein und die eingetragene Partnerschaft populärer wird, drängen Lesben und Schwule in die Ehe. Merkwürdig, nicht?

Lauth: Hmmm, so habe ich das noch gar nicht gesehen. Ist das Streben nach der Ehe für alle also kein Akt der Befreiung, sondern sozusagen der Wunsch nach Eingemeindung?

Heitmann: Ich sehe das so, ja. Die rechtliche Diskriminierung von Homosexuellen ist überwunden worden. Doch die Aktivisten wollen mehr: Ihr Kampf für die Freiheit von staatlicher Macht ist zu einem Buhlen um staatliche Anerkennung geworden. Und das finde ich überhaupt nicht sexy.

Lauth: Apropos sexy: Wie findest Du den Confed-Cup?

Heitmann: Am meisten Freude macht mir der Videobeweis. Ich frage mich: Wann fordert der erste zusätzliche Kontrolleure für die Videoschiedsrichter? Und was passiert, wenn auch diese Ober-Kontrolleure danebenliegen? Dieses Spielchen kann man endlos weitertreiben.

Das komplette Archiv des „WochenWahnsinns“ befindet sich hier.

Leserpost (1)
Nadja Schomo / 30.06.2017

Es wäre an der Zeit, dass für den Staat nur “Eingetragene Partnerschaft” zählt. Ich könnte mir auch eine ebenso nüchterne Definition für “Familie” denken. “Ehe” ist Glaubenssache; sollen sich die Kirchen darum kümmern.

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