Henryk M. Broder / 11.06.2017 / 19:09 / 6 / Seite ausdrucken

Der Siegeszug der Elektroautos, gesponsert von einem/einer Unbekannten

And now something totally different. Die deutsche Ausgabe der Huffington Pest bringt einen Bericht über den Siegeszug der Elektroautos. Die Preise für Batterien seien "drastisch gesunken". Und: "Sie halten länger durch." Lag die Reichweite "früher" bei "50 bis 60 Kilometer am Stück", sind es heute schon "130 bis 160 Kilometer – für den täglichen Gebrauch mehr als genug". Und so geht es weiter: "Die Europäische Union bereitet eine Richtlinie vor, nach der ab 2019 jedes neue oder renovierte Haus mit einer Steckdose für Elektroautos ausgestattet sein muss." Dafür kein Wort über die zusätzlichen Kosten für den Bauherren, der kein E-Auto hat und vielleicht auch keines haben möchte. 

Über oder unter dem Text findet sich kein Autorenname. Man muss schon sehr genau hinschauen, um den Urheber zu entdecken: "Sponsored Post" steht links oben über der Überschrift, also eine Anzeige, die als redaktioneller Beitrag daherkommt. Wer der Sponsor ist, bleibt ungesagt. VW, General Electric oder der Verband der Hersteller elektrisch betriebener Zahnbürsten.

Dabei hat die HP erst vor kurzem ihren Lesern erklärt, "wie wir emotional intelligent mit Fake News umgehen" sollten. Aber da ging es um die Fake News der anderen, Trump und so. Das gilt nicht für den gesponsorten Text über den Siegeszug der Elektroautos, in dem u.a. steht, "stärkste Vorreiter der Elektromobilität" seien "Norwegen und Holland", was etwa so wahr ist wie die Behauptung, die HP würde auf recyceltem Papier gedruckt. Stärkster Vorreiter der Elektromobilität war bis eben Estland. Und warum der Boom dort vorbei ist, steht auf einem anderen Blatt.

Siehe auch: So machen es die Dänen

The electric car seems to be on an unstoppable trajectory. In the past five years, the number of electric cars on the road worldwide has soared to two million from basically nothing, the International Energy Agency said this week. But one nation is showing there’s a way to halt their popularity: Stop paying people to buy one. Electric-car sales in Denmark fell more than 60 percent in the first quarter after the government announced that tax breaks would be phased out. Tesla’s Elon Musk had traveled to Copenhagen and lobbied against the cuts, and now the Danish government has extended the tax breaks but still intends to reduce or eliminate various incentives. The phase-out plan “completely killed the market,” said Laerke Flader, head of the Danish Electric Car Alliance. “Price really matters.” Hier.

 

Leserpost (6)
Sebastian Freitag / 12.06.2017

Das lustige ist ja, dass die 130-160 Kilometer im aktuellen Wettbewerb eher im Mittelfeld oder schlechter liegen. Hier hat Nissan also, bei allem Überschwang, doch lieber nicht die Top-Reichweiten der Konkurrenz angepriesen sondern stellt die eigenen schlecht bis mittelmäßigen Bestwerte als tolle Neuigkeit dar. Verrückt.

R. Kuth / 12.06.2017

Wieso, Windstrom kommt doch auch immer billiger, wird teilweise in Ausland verschenkt - noch nicht gemerkt?? (Auf meinen Stromrechnungen gibt’s allerdings auch nur eine Richtung: Teurer!)

Th. Paulke / 12.06.2017

Herr Broder dann rechnen sie mal 620 kWh mal 1000 Autos und dann Fragen sie mal ihren Energieversorger was die Verteilerstation kann, wenn alle 18 Uhr nach der Arbeit ihre Autos aufladen. Die lachnummer das Jahrhunderts viele Grüße!

Oswald Berschling / 12.06.2017

Sehr schöner Artikel. Ich nehme an, Sie meinen im 2. Satz die “Huffington Post”. Obgleich ich finde, dass in diesem Fall “Huffington Pest” auch zutreffend ist ;)

Stefan Schultz / 12.06.2017

Der Staat kann durch Subventionen und Gesetze nahezu jeden Irrsinn gegen den Markt durchdrücken. Das ist eine Kostenfrage. Klar kann man den Strom mit EE erzeugen. Kostet dann halt das Fünffache. Man kann auch Elektroautos subventionieren oder Verbrennungsmotoren gleich verbieten. Der Staat spielt sich immer mehr als Hort der gepachteten Wahrheit auf. Überall mischt er sich mit Gesetzen und Verordnungen ein. Das hat alles mit einer Leistungsgesellschaft und Marktwirtschaft nichts mehr gemein. In Berlin und Brüssel breitet sich bei Behörden und Politikern Größenwahn aus. Wieso kann man den Markt nicht entscheiden lassen, ob saubere Verbrennungsmotoren mit regenerativen Kraftstoffen, Elektroautos oder Wasserstoffautos das Rennen machen? Warum immer neue Subventionsgräber? Warum immer neue Gesetze?

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