Henryk M. Broder / 01.07.2014 / 22:04 / 10

Der Kondoliere

Möchten Sie mal einen Blick in den Abgrund werfen? Knietief in der Kloake waten, ohne sich die Schuhe und die Hosen schmutzig zu machen? Sie müssen dafür nicht einmal von Ihrem Sofa aufstehen. Gehen Sie einfach auf die FB-Seite von Gregor Gysi.

In der politischen Kultur der Berliner Republik repräsentiert der Mann mit der runden Brille einige der besten deutschen Tertiärtugenden: Opportunismus, Wendehalsigkeit, Schmierantentum, Scheinheiigkeit und das ungezügelte Bedürfnis, zu allem etwas sagen zu müssen. Jetzt hat der Kondoliere den Angehörigen der drei ermordeten israelischen Jugendlichen sein “tief empfundenes Beileid” ausgesprochen. Wobei er sich nicht verkneifen konnte, eine Warnung an Israel abzusetzen: “Für einen Mord ist der Mörder zu bestrafen, sonst niemand.” Ja, das hat er während seines Jura-Studiums an der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität gelernt, das er mit einer Promotion zum “doctor juris” abschließen durfte.

Das beste an Dr. jur.Gregor Gysi aber sind nicht seine Ansichten, wie man das sozialistische Recht vervollkommnen könnte, was der Allmächtige verhindern möge, das beste ist sein Fanclub, der sich auf seiner FB-Seite austobt. Ein Haufen Psychopathen, den keine geschlossene Anstalt aufnehmen würde.

Wie finden Sie zum Beispiel diesen Eintrag eines gewissen Jörg Zehentmaier?

...lieber freund gregor…ich habe da eine ganz eigene meinung…der holocaust war ganz schlimm und so etwas darf nie wieder von uns deutschen ausgehen (wir wollen jetzt nicht über die türken vs griechen von vor 300 jahren reden), aber mal angenommen, nur so rein hypothetisch leise nachgedacht… um wieviel friedlicher wäre der nahe osten wenn der holocaust erfolgreich gewesen wäre?... und dann eine andere frage, wer bestraft eigentlich die gesamten jüdischen menschenrechtsverletzungen seit der landnahme und der gründung des staates israel ???

Gysis Partei, aus der SED hervorgegangen, ist ein Sammelbecken von Antisemiten aller Couleur. Die meisten tarnen sich als Antizionisten und machen in “Israelkritik”, zu Land, zu Wasser und im Cyberspace. Wenn nur ein Bruchteil der Einträge, die man auf Gysis FB-Seite findet, auf der Homepage der AfD stehen würde, gäbe es einen Aufruhr von Flensburg bis Berchtesgaden. Und Bernd Lucke wäre erledigt; Gysi aber schafft es, seinen Kopf immer über Wasser zu halten. Denn er ist kein “Rechtspopulist”, sondern ein fieses linkes Chamäleon.

 

 

 

Leserpost (10)
Stefan Walfort / 03.07.2014

Lieber Herr Broder, Ihr Essay vom gestrigen Mittwoch, dem 2. Juli, unter der Überschrift »Schuld sind die Opfer«, publiziert in DIE WELT, hat mir besser gefallen: Die Perfidie, mit der Opfer zu Tätern umgelogen werden, indem der regelrecht inflationär verwendete Begriff des »Siedlers« einen gewohnheitsgemäßen Hang zur Unterdrückung von Palästinensern suggerieren und somit zwangsläufig irgend eine diffuse Schuld der drei Ermordeten implizieren soll, wissen Sie deutlich zu entlarven, was ich auch für dringend erforderlich halte. Jedoch hielte ich ein wenig mehr Differenzierung im Rahmen des obigen Artikels mit »Der Kondoliere« für angebracht. Denn innerhalb der Linken, und damit meine ich nicht ausschließlich die Partei mit jenem zu Missverständnissen einladenden Namen, existieren durchaus Strömungen, die keineswegs bereit sind mitzuhelfen einen mit dem Etikett des Antizionismus verschleierten alten Wein in neue Schläuche zu gießen.

Alexander Drews / 03.07.2014

Gysi ist m. M. nach einer der ganz wenigen bei den Linken, der sich gegen den tief verwurzelten linken Antisemitismus stemmt. Ich möchte nicht wissen was passiert wenn sein Einfluss schwindet und sich entweder die westlich bürgerlichen Vorbehalte gegen die Juden oder der östlich stalinistische Judenhass durchsetzt.

Amelie Walther / 03.07.2014

@Martin Schott: meine vollkommene Zustimmung! Genau das habe ich auch gedacht. Mit welchem Recht spielen die SED-Nachfolger sich hier eigentlich auf? Die Partei gehört verboten und Gysi darf seinen anstisemitischen Senf für sich behalten oder in einer staubigen Baracke mit seiner Brut teilen. Echt widerlich! Erfreulich aber, dass manche bei FB sich dennoch bemühen, Einwände zu bringen und die Wahrheit auf den Tisch zu bringen.

Martina Maier / 03.07.2014

Da in Gaza andere Verhältnisse herrschen und Schnellgerichte gerne mal einen Palästinenser zum Tode verurteilen, weil er “angeblich” den Feind (damit sind ja ausschließlich Juden gemeint) unterstützt und mit dem kollaboriert, solle Herrn Gysi doch mal Friedensengel spielen und mit der gleichen Energie reklamieren, wie er das so gerne bei den Juden macht. So würde ich sogar ein Schippern nach Gaza unterstützen. Am Besten während eines Dauerbeschusses, wenn es dort so richtig knallt. So richtig schön mit Landausflug und Stadtrundfahrt und abschließenden Feuerwerk. Da ist Herr Gysi nicht alleine. Politiker aller Coleur verlieren regelmässig ihre Stimme, wenn es um die Greultaten der Palästinenser geht. Ganz so, als wären sie plötzlich erkrankt, hätten Halsweh. Die Gesundung erfolgt sofort, wenn Israel anfängt sich zu verteidigen. Die Juden scheinen Wunderheiler zu sein. Diese Krankheit kommt mir verdammt bekannt vor. War die nicht schon mal 1933 ausgebrochen?........ich meine, die Symptome wären schon mal beschrieben worden.

Martin Schott / 02.07.2014

Erstaunlich zudem, dass es der “Linken” immer noch gelingt, sich quasi als Gewissen der Nation aufzuspielen, anstatt auf alle Zeit in der politischen Bedeutungslosigkeit zu versinken, wie sie es nach der Wende verdient gehabt hätte. Mag das sozialistische Menschenexperiment weltweit auch 100 Millionen Tote gefordert haben, die “Linke” steht immer noch für das Gute, den neuen Menschen und die neue Gesellschaft - und um die zu erschaffen, kann man das Alte restlos zerstören, egal wie viele Tote es kostet. Wen wundert es, dass diese Partei ein Klientel um sich schart, bei dem es einem im Halse würgt.

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