Peter Grimm / 19.03.2016 / 12:00 / 0 / Seite ausdrucken

Der Iran als deutsche Grenzschutz-Vortruppe?

Es wird immer absurder. Einerseits sollen sich die Deutschen mit der Masseneinwanderung arrangieren und nach dem Willen der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung Aydan Özoguz die Modalitäten des Zusammenlebens mit den Neuankömmlingen täglich neu aushandeln. Andererseits soll jetzt ein Diktator nach dem anderen mithelfen, Flüchtlinge schon vor Erreichen einer EU-Grenze einzufangen.

In den letzten Monaten durfte jeder kommen. Zusammen mit verfolgten Flüchtlingen fanden praktischerweise auch gleich einige ihrer Verfolger aus der alten Heimat Aufnahme in Deutschland. Überprüfen konnte das ja keiner, denn die Mehrheit der Zuwanderer wurde auch ohne Papiere ins Land gelassen. Sie durften sich ihren Namen und ihre Identität neu erfinden, wenn sie wollten.

An diesem Kurs sollte nichts geändert werden, zumindest nicht von deutscher Seite. Dass sich die Deutschen selbst um die Grenzsicherung kümmern könnten, schien der Bundeskanzlerin unmöglich. Doch es kamen immer mehr Zuwanderer und die anderen EU-Länder wollten uns keine von den Migranten abnehmen, die doch auf Einladung der Kanzlerin gekommen waren.

Ein Diktator nach dem anderen soll Deutschland helfen

Trotzdem: Obergrenzen für Zuwanderung lehnt die erste Frau im Staate nach wie vor ebenso energisch ab, wie eigene Grenzkontrollen. Nur eine europäische Lösung könne helfen, obwohl ihr diesbezüglicher Lösungsansatz eigentlich nur auf einem Deal mit dem türkischen Präsidenten Erdogan beruht, den die anderen  EU-Partner eigentlich nicht wollen und allenfalls widerwillig akzeptieren.

Als Österreich Entlastung schaffte, indem es die Staaten auf der Balkan-Route zusammenrief, die selbige seither vorerst geschlossen halten, wurde das von der deutschen Kanzlerin wiederum missbilligt und gerügt. Nur unser Freund Erdogan kann es - ihrer Ansicht nach - richten. Der entwickelt sich gerade zum lupenreinen Diktator und Diktatoren – das weiß Angela Merkel – sind in Sachen Grenzschließung besonders kompetent.

Aber reicht Erdogans Hilfe? Sollten sich nicht auch andere Diktaturen hilfreich in dieser „europäischen Lösung“ beteiligen? Ja, das sollten sie, findet jedenfalls der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Der hat sich in der FAZ dafür ausgesprochen, auch mit dem Iran Gespräche darüber zu führen, wie man den Zuzug von Migranten aus Afghanistan und Pakistan vermindern kann. „Die Gespräche mit der Türkei begrüße ich sehr, es mag aber sein, dass sie nicht ausreichen werden. Wir werden gegebenenfalls auch mit Iran über eine Aufnahme von noch mehr Flüchtlingen aus seinen östlichen Nachbarstaaten Afghanistan und Pakistan sprechen müssen. Wir müssen auch dort versuchen, die Sicherung der EU-Außengrenzen schon vor Erreichen der eigentlichen Grenze wirksam werden zu lassen", sagte Weil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Der sozialdemokratische Ministerpräsident, der demnächst selbst nach Iran reisen wird, äußerte sich besorgt über die Migrantenströme aus dem südasiatischen Raum. „Aus Pakistan und Afghanistan machen sich Menschen in einer Zahlengröße auf den Weg, die uns aus europäischer Sicht erschrecken muss. Darüber sollten wir mit dem Iran sprechen."

Warum nicht gleich mit Assad reden?

Bedenken, man dürfe mit Iran wegen dessen Unterstützung des Assad-Regimes in Syrien nicht sprechen oder mit der Türkei wegen der dortigen innenpolitischen Situation, trat Weil entgegen. „Mir sind die rechtsstaatlichen Probleme in der Türkei durchaus bewusst, aber keine Gespräche zu führen, würde den Menschen, die auf der Flucht sind, nicht helfen. In der internationalen Politik kann man sich seine Gesprächspartner nicht nach Sympathie auswählen. Das wäre unrealistisch und geht an der Not der betroffenen Menschen vorbei.“

Dann kann man doch eigentlich auch gleich noch mit Assad reden, damit der ebenfalls dafür sorgt, dass nicht mehr so viele Flüchtlinge aus Syrien kommen. Oder mit Kalif al Baghdadi. Wenn wir uns die Grenzen von den Diktatoren schützen lassen, kommen garantiert weniger Flüchtlinge durch. Ob deshalb allerdings weniger Zuwanderer kommen werden, ist zweifelhaft. Da wären eigene Kontrollen vielleicht doch besser, damit man selbst entscheiden kann, wer Schutz braucht und wer nicht.

Dieser Beitrag ist zuerst auf sichtplatz.de erschienen.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

Leserpost (0)

Leserbrief schreiben

Leserbriefe sind nur am Tag der Veröffentlichung möglich.

Verwandte Themen
Peter Grimm / 21.01.2018 / 18:00 / 10

Männer, die mit Messern sprechen

Seit gut zwei Jahren wird in Deutschland immer öfter davon berichtet, dass insbesondere junge Männer zum Messer greifen, um ihre Anliegen zu unterstreichen oder Konflikte…/ mehr

Peter Grimm / 17.01.2018 / 06:20 / 24

„Ich wollte wenigstens ein Mädchen retten“

Eva Quistorp engagierte sich als Helferin in einem Flüchtlingsheim. „Meine Hilfe war nicht naiv“, erzählt sie, „ich wollte ganz konkret und gezielt Frauen und Mädchen und liberalen…/ mehr

Peter Grimm / 14.01.2018 / 13:46 / 7

Perlen des Pressekodex

Im folgendem Text ist uns ein kapitaler Fehler unterlaufen. Er wurde nur deshalb nicht gelöscht, weil wir eigene Fehler auch nicht einfach stillschweigend tilgen wollen.…/ mehr

Peter Grimm / 12.01.2018 / 12:33 / 38

Kein Ende mit Schrecken. Ein Schrecken ohne Ende

Es ist keine acht Wochen her, da twitterte der SPD-Vorsitzende Martin Schulz: „Wir stehen für den Eintritt in eine Große Koalition nicht zur Verfügung –…/ mehr

Peter Grimm / 04.01.2018 / 12:40 / 6

Ein Mann für sensible Despoten

„Wir lassen euch nicht im Stich!“, zitiert der am Nachmittag des 3. Januar 2018 aktuellste Eintrag im Online-Newsroom des Auswärtigen Amtes den Bundesaußenminister Sigmar Gabriel.…/ mehr

Peter Grimm / 31.12.2017 / 12:49 / 9

Angela Merkel für die, die nicht mitkommen

Zwei Tage vor Silvester haben wir hier die ungehaltene Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin gezeigt. Jetzt gibt es auch die gehaltene und vielleicht lohnt sich ein kleiner…/ mehr

Peter Grimm / 31.12.2017 / 06:00 / 31

Berliner Frauen feiern in der größten Burka der Welt

Es gab einmal eine Zeit, als alle verantwortlichen Politiker Stein und Bein schworen, dass es in Deutschland keine No-go-Areas gäbe und man es auch nicht…/ mehr

Peter Grimm / 27.12.2017 / 15:53 / 12

Ein Stockholmsyndrom deutscher Politik

Es hat bekanntlich einige Empörung ausgelöst, dass auf der offiziellen Gedenkfeier von Bundesregierung und Berliner Senat für die Opfer des islamistischen Terroranschlags auf dem Weihnachtsmarkt…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com