Quentin Quencher / 21.04.2017 / 12:15 / Foto: Celinebj / 2 / Seite ausdrucken

Der Heuchler ist ein Geruchschamäleon

Von Quentin Quencher.

Der Heuchler leidet an seiner überdimensionierten Nase. Ein riesiger Zinken ragt aus seinem Gesicht und hat die Anatomie seines Schädels so verändert, dass es die Augen ganz an die Seite gedrängt hat. Beim flüchtigen hinsehen glaubt man einen Vogelkopf zu erkennen, so einen mit einem großen Schnabel wie beim Tukan oder so manchen Papagei. Nur dass es eben eine Nase ist, die den Heuchler verunstaltet, und kein Schnabel.

Direkt in die Augen kann der Heuchler niemanden schauen, die Nase ist ihm im Weg; was genau vor ihm ist, kann er nicht sehen wenn er den Kopf gerade hält. So schaut er immer nur seine Gesprächspartner mit einem Auge an und hält dabei den Kopf zur Seite gekippt. Perspektivisches Sehen ist ihm so kaum möglich. Zwar dreht er hin und wieder seinen Kopf, um zu überprüfen, ob das andere Auge das Gleiche sieht, ein dreidimensionales Bild kann so aber nicht in seinem Kopf entstehen.

Außerdem vertraut er seinen Augen sowieso nicht richtig, die Nase ist sein dominierendes Sinnesorgan. Sie ist so groß, dass es ihm ohne Anstrengung möglich ist, sie unter seine Achseln zu stecken um seinen eigenen Geruch zu erschnüffeln. Dies tut er ständig. Lange Zeit dachte man, der Heuchler beschnüffelt sich aus Eitelkeit so oft. Eitelkeit will bedient werden, und da er seinen Augen nicht traut, muss diese Aufgabe eben die Nase übernehmen. So wie andere sich in vorteilhafter Pose vor dem Spiegel betrachten, so beschnüffelt sich der Heuchler eben. Dachte man.

Doch genau das Gegenteil ist richtig, nicht die Eitelkeit zwingt ihn zu dieser manischen Selbstbeschnüffelung, sondern die Scham. Der Heuchler denkt von sich, er würde stinken. Sein eigener Geruch, so seine tiefe Überzeugung, ist anderen Menschen unangenehm. Sicher rümpfen sie ihre Nasen, wenn sie den wirklichen Geruch des Heuchlers wahr nehmen.

Dreimal täglich duscht er, im Sommer noch öfter

Dem versucht er vorzubeugen, drei mal täglich duscht er, im Sommer noch öfter. Doch das genügt nicht, alle möglichen Parfüms trägt er auf. Dabei geht es ihm nicht darum, ein dem Anlass oder der Umgebung besonders geeignetes attraktives Parfüm zu benutzen, eines das auf ihn aufmerksam macht, ihn interessant erscheinen lässt - nein, ihm geht es lediglich darum, gleich wie seine Umgebung zu riechen. Der Heuchler ist sozusagen ein Geruchschamäleon. Nur im Unterschied zum Reptil, das sich tarnt um Beute zu machen, will der Heuchler schon gesehen werden, er ist ja auch eine imposante Erscheinung. Nur welchen eigenen charakterlichen Geruch er hat, das soll keiner mitbekommen.

Manche Menschen benutzen kein Parfüm, und waschen sich auch nicht ständig. Sie verbreiten ihren ganz eigenen Körpergeruch. Von diesen Menschen hält sich der Heuchler fern, seine ganze erlernte Fähigkeit, sich den Gerüchen anderer Menschen anzupassen, kommt hier an seine Grenzen. Es gibt kein Parfüm welches diesen Gerüchen gleicht.

Es soll allerdings auch schon Heuchler gegeben haben, die sich dennoch in die Gesellschaft von Geruchsanpassungsverweigerern, den Parfümlosen, begeben haben. Manchmal ließ es sich einfach nicht verhindern. Eine sonderbare Verwandlung geschieht dann mit dem Heuchler: Seine Nase bildet sich zurück. Zuerst denkt er natürlich, er würde stinken, und alle Menschen gehen deswegen auf Distanz zu ihm. Ist das dann nicht der Fall, beginnt er an seiner Nase und an seinem Schamgefühl zu zweifeln. Die Augen und das Sehen, das Hören ebenso, bekommt wieder größere Bedeutung, und da die Nase geschrumpft ist, ist es ihm nun auch möglich Anderen in die Augen zu schauen.

Zuerst erschienen auf Quentin Quenchers Blog Glitzerwasser hier.

Leserpost (2)
Andreas Arndt / 21.04.2017

Ich glaube ich verblöde langsam. Kann den Sinn dieses Textes nicht erfassen. Was will der Autor mir damit sagen?

Wilfried Cremer / 21.04.2017

Ist das ein Artikel, der den Leuten den Wind aus den Segeln nehmen will, die immer von Echokammern reden?

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