Markus Vahlefeld / 14.01.2018 / 12:30 / Foto: Matthias Laurenz Gräff / 4 / Seite ausdrucken

Der furchtbare Richter und seine deutschen Freunde

Wegen der glorreichen Sondierungsgespräche, die an ein für die AfD erfolgreiches Ende geführt wurden, ist die letzten Tage der hübsche Fall des Ajatollah Schahrudi etwas untergegangen, bis 2009 immerhin Oberster Richter der Islamischen Republik Iran. Unter den moralisch Hochbegabten in Europa galt er als eine Erscheinung, die Hoffnungen auf eine Liberalisierung des Iran weckte, was damit zu tun hat, dass er die Steinigung als Todesstrafe abschaffte.

Naja, abschaffte ist nicht ganz richtig, er setzte sie aus, aber das reichte schon, um als Beweis für die Reformierbarkeit dieses klerikal-faschistoiden Regimes herzuhalten. Dass er weiterhin Schwule wegen ihrer sexuellen Ausrichtung vom Leben in den Tod beförderte und auch minderjährige Mädchen, die vergewaltigt worden waren, wegen „unkeuschen Verhaltens“ hängen ließ, hielt die Humanisten auf der linken Seite der Macht nicht davon ab, dem Iran zu bescheinigen: „Ein Gottesstaat kommt zur Vernunft“ (taz).

Dieser Ajatollah Schahrudi scheint nun krank zu sein, was immer blöd ist. Aber kein die Menschenrechte achtendes Land dieser Erde muss sich verpflichtet fühlen, den Schlächter eines Terrorregimes, das nicht nur Israel zu vernichten, sondern den ganzen Nahen Osten zu destabilisieren trachtet, einfliegen und in einem seiner Krankenhäuser behandeln zu lassen. Und noch weniger, wenn man bedenkt, welcher diplomatischen Anstrengungen und Winkelzüge es bedarf, um dieses Vorhaben so diskret wie möglich abzuwickeln, freilich ohne dass solche Gestalten wie Schahrudi auf ihre Leibwächter verzichten würden.

Hat Gabriel den Deal eingefädelt?

Warum sich nun Deutschland, zu dessen Staatsräson vollmundig die Sicherheit Israels gehören soll, verpflichtet fühlt, diesen Statthalter eines Mörderregimes so lange wie möglich am Leben zu halten, leuchtet auf den ersten Blick nicht wirklich ein. Und auf den zweiten noch viel weniger, denn es gibt Hinweise darauf, dass der Leiter der Hannoveraner Klinik, in der Schahrudi behandelt wurde, mit Sigmar Gabriel höchstpersönlich nach Teheran gereist war, um diesen „Deal“ einzufädeln.

Dass Schahrudi unser allseits geliebtes Land wieder verlassen hat, nachdem Exil-Iraner auf seine Anwesenheit aufmerksam gemacht hatten, ist zwar zu begrüßen, dürfte aber Sigmar Gabriel recht sauer aufgestoßen sein. Dafür kann er ja jetzt als Zeichen seines guten Willens ein paar mehr Panzer oder Atom-Zentrifugen an den Iran liefern.

Sollte sich jemand noch darüber gewundert haben, dass die seit Wochen anhaltenden Freiheitsbestrebungen der iranischen Zivilgesellschaft von der deutschen Regierungsmannschaft nur mit Achselzucken zur Kenntnis genommen wurden, findet in Schahrudi vielleicht nicht die Ursache, aber zumindest einen Hinweis darauf, wie verlogen die Bande, die uns regiert hat und voraussichtlich weiter regieren wird, in Wahrheit ist.

Foto: Matthias Laurenz Gräff, Unfromme Wünsche (Ausschnitt)

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Leserpost (4)
Thomas Bonin / 14.01.2018

Na, dann darf der werte Herr Freisler, pardon, Schahrudi, sicherlich darauf gebaut haben, dass sowohl das behandelnde Personal als auch die eingesetzten Tools allesamt “koscher” waren (z.B. 100pro heterosexuelle Mediziner, Bildgebungsverfahren mit in Deutschland von arischen Deutschen entwickelter Software sowie Ausschluss entsprechender - am Erforschungsprozess beteiligt gewesene Juden und/oder Amis - Medikation). Fazit: Old Siggie passt wie der Allerwerteste auf die Kloschüssel der Groko - so sie denn kommt (was zu befürchten steht).

Mark Schild / 14.01.2018

Mir blutet das Herz, dass dem großen iranischen Kulturvolk der Islam einst mit Feuer und Schwert aufgedrängt wurde. Ich bin aber guter Hoffnung, dass die nächsten Generationen das Joch der Mullahs abwerfen und einen besseren Weg einschlagen. Das Potenzial ist vorhanden und anders als in arabischen Ländern ist die Loyalität zum Mohammedanismus beim Volk nicht so stark ausgeprägt.

Werner Pfetzing / 14.01.2018

Man kann gegen Höcke (AfD) reden, was man will, aber ich glaube, dass die schlimmeren Anti-Semiten auf der linken Seite des politischen Spektrums ihre Heimat gefunden haben. Wer Israel bei jeder Gelegenheit scharf kritisiert und den Iran -möglicherweise nicht nur aus profanen wirtschaftlichen Gründen- mit Samthandschuhen anfasst, muss sich diesen Vorwurf gefallen lassen.

Viola Heyer / 14.01.2018

Das Schlimme an diesem unfaßbaren Skandal und der Nähe der SPD zu Kindermördern ist die Tatsache, dass die mediale Empörung ausbleibt. Es wird von Seiten unserer Feministinnen mehr über einen Knie-Tätschler in den USA vor 20 Jahren lamentiert als über das Hinrichten eines minderjährigen Vergewaltigungsopfers. Zudem stützen westliche Politikerinnen noch dieses Folter- und Massenmörder-Regime, wenn sie brav verschleiert mit den Mullahs Tee trinken und dabei in TV-Kameras grinsen.

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