Vera Lengsfeld / 29.07.2017 / 18:05 / 8 / Seite ausdrucken

Der Eiertanz um die „Flüchtlingsfrage“

Es gab in den  Qualitätsmedien viel Gegacker um das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 27.Juli zur Dublin-Regel, das zeigt, wie weit rechtsstaatliche Grundsätze in Merkel-Deutschland nicht mehr gelten. Recht hat nach Meinung unserer politisch-korrekten Federführer zurückzustehen, wenn die gute Gesinnung es verlangt. Die Süddeutsche giftete, dass sich die Richter nicht darum geschert hätten, was in den Staaten, in denen die „Flüchtlinge“ zuerst ankämen, passiere, um fortzufahren: „Die Richter erklärten nur: Die anderen Staaten, die nach den Dublin-Regeln fein heraus sind, weil sie von einem Kranz anderer EU-Staaten umgeben sind (Deutschland zumal), dürfen ja, wenn sie mögen, den überlasteten Staaten freiwillig helfen. Anders gesagt: Solidarität ist freiwillig. Stupidität ist Trumpf."

Die Stupidität beherrscht vor allem die Süddeutsche, die ausblendet, dass in Deutschland 2015/2016 über eine Million junge Männer angekommen sind, von denen zum Teil bis heute nicht klar ist, wer sie sind und woher sie kamen. In einer Situation, wo sich die betreffenden staatlichen Stellen in permanenter Überlastung befinden den Lesern zu suggerieren, Deutschland befände sich in einer komfortablen Lage und müsse „solidarischer“ handeln ist pure Fake News.

Die Welt findet: "Das Dublin-Abkommen stammt aus einer Zeit, da Migrationsströme überschaubar schienen. Die juristische Logik, auf der es fußt, hält der Dynamik heutiger Fluchtbewegungen kaum noch stand." Die „Dynamik heutiger Fluchtbewegungen“ ist ein Euphemismus dessen, was nach der Bundestagswahl auf Deutschland zukommt.

Warten auf das Signal zum Aufbruch

Der Tagesspiegel lässt durchblicken, dass die Journalisten genau wissen, worüber sie schweigen, denn er prophezeit: "...die Flüchtlingskrise von 2015 und 2016 könnte sich irgendwann wiederholen. Deshalb sind die Europäer auch nicht davon entbunden, endlich eine Lösung für einen gerechten Schlüssel zur Verteilung von Flüchtlingen in Notsituationen zu finden."

Viele Medien tun so, als wäre die „Verteilung“ der Flüchtlinge die einzige Lösung des Problems. Mit der Frage, wer die „Flüchtlinge“ wirklich sind und warum sie kommen, soll sich nicht beschäftigt werden. Offensichtlich sollen die Europäer die Masseneinwanderung junger Männer, jetzt vor allem aus Schwarzafrika, als unvermeidlich hinnehmen. "Die Rechtsprechung ist das eine, die Realität das andere" bemerkt die Rheinpfalz aus Ludwigshafen und hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen.

Deshalb ein Blick auf die Realität in unserem Land vor der nächsten großen Einwanderungswelle junger Männer, die schon in Zeltstädten in Italiens entlegenen Gebirgsregionen auf das Signal zum Aufbruch warten.

Sondershausen ist ein überaltertes, eher verschlafenes Nest tief in der nordthüringischen Provinz. Die einstmals wohlhabende Stadt, die lange die Tradition ihres weltläufigen, kultivierten Fürstenhauses bewahrte, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Das schöne Schloss ist weitgehend dem Verfall entrissen. Im Museum kann man noch die einstige Pracht bewundern, auch wenn ein paar Bildschätze zu DDR-Zeiten von Devisenbeschaffer Schalck-Golodkowski einkassiert und versilbert worden sind. Der Lutherische Weltbund wurde im Barocksaal gegründet, wo List Klavier spielte und Bruckner seine in Sondershausen komponierte Symphonie uraufführte. Das Lohorchester, einst das erste Berufsorchester Deutschlands, gibt es noch.

Plötzliche Spontan-Zusammenrottungen junger Männer

Heute ist Sondershausen nur noch bunt. Am vergangenen Wochenende gab es wieder einmal einen Polizeieinsatz. Es begann damit, dass ein Neubürger die Angestellte einer Spielothek angriff und vor dem Gebäude mit dem Fahrrad, ein Geschenk der Stadt, absichtlich gegen ein geparktes Auto fuhr. Seiner Festnahme durch zwei Polizisten widersetzte er sich gewalttätig.

"Bei der anschließenden Identitätsfeststellung versammelten sich schlagartig wie aus dem Nichts weitere 15 Personen um den Funkwagen“, berichten die Kyffhäuser Nachrichten. Es folgte ein Handgemenge, bei dem ein Bürger den Polizisten zu Hilfe kam und bei dem Pfefferspray eingesetzt werden musste. Beim Verhältnis 3:15 war es Glück, dass keiner der Beamten verletzt wurde.

Szenen wie diese gehören mittlerweile zum Alltag in Bunt-Deutschland. Immer wieder tauchen in den Polizeiberichten Schilderungen von plötzlichen Spontan-Zusammenrottungen junger Männer auf, die Polizisten behindern und Festgenommene zu befreien versuchen. Bezeichnend auch, dass an dem Angriff auf die Polizisten in Sondershausen ein angeblicher 15jähriger beteiligt war, dessen Herkunftsland aber unbekannt ist.

In Sondershausen gab es an diesem Wochenende noch eine größere Schlägerei, diesmal zwischen einer Gruppe biodeutscher Männer und Zuwanderern, die von der Polizei beendet werden musste. Am Montag darauf wurde ein junger Mann von zwei Zuwanderern ohne Grund angegriffen, die Polizei vermutet einen Zusammenhang mit den Vorfällen am Wochenende.

Dass Deutschland gewaltaffiner geworden sei, wie Staatsekretär Jens Spahn neulich der Welt sagte, ist nach Meinung unserer politisch-korrekten Gesinnungswächter dennoch nichts als „Populismus“. Zwar stecke „ein Körnchen Wahrheit“ in der Feststellung, dass durch die „Flüchtlinge“ die Gewalttaten zugenommen haben, aber Differenzierung wäre angebracht. Man kann schließlich alles um-, und weginterpretieren. Die Realität bricht sich am Ende aber ganz undifferenziert Bahn. Das sollte sich jeder Wähler am 24. September vor Augen führen. 

Leserpost (8)
Karla Kuhn / 30.07.2017

“Anders gesagt: Solidarität ist freiwillig. Stupidität ist Trumpf.“  Es gibt das Sprichwort, der Klügere gibt nach. Das kann man ergänzen, bis er der Dümmere ist.  Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn werden genötigt Flüchtlinge aufzunehmen und es wird immer wieder gönnerhaft betont, daß diese Länder von der EU, also auch von Deutschland, profitieren.  Andersherum profitiert die EU, auch Deutschland von diesen Ländern. Diese Länder haben alle ihre Märkte geöffnet, Welche Elektroartikel werden eigentlich noch in Deutschland hergestellt ? Nicht nur Elektroartikel. Vor längerer Zeit wurde eine Doku über eine deutsche Großbäckerei gebracht, die ihre Teiglinge in Polen machen läßt und in Deutschland werden die dann aufgebacken. Warum ? Die Löhne sind in Polen wesentlich niedriger. Was die Flüchtlingsfrage betrifft, warum sollen denn diese Länder, vor allem nachdem sie miterleben mußten, was in Deutschland und Frankreich abgeht, Flüchtlinge, die durch Merkels Handstreich ungebremst und zum großen Teil unkontrolliert vorwiegend nach Deutschland gekommen sind und auch weiterhin kommen, aufnehmen ? Frau Merkel schließt eine Grenzschließung kategorisch aus.  Also muß sie andere Maßnahmen ergreifen, um den Zustrom weiterer Flüchtlinge, wie es auch Schulz ( wenn auch aus anderen Beweggründen) bereits angekündigt hat, zu bremsen. Die einzige probate Maßnahme ist, die Sozialhilfe DEUTLICH zu senken und einen EUROPAWEITEN Sozialhilfestandard für Asylanten/Flüchtlinge einzuführen.  Wenn es bis jetzt dafür keine gesetzliche Grundlage gibt, muß sie eben geschaffen werden. Als die Asylgesetze erlassen wurden, konnte kein Mensch mit diesen, fast schon Völkerwanderungensartigen Zustrom rechnen.  Die Politik muß handlungsfähig sein und sich den Gegebenheiten anpassen, ansonsten hat sie versagt.

siering christian / 30.07.2017

Tja Frau Lengsfeld, was aber ist dann die Konsequenz für den Wähler, wenn die AfD als einziges politisches Angebot mit Oppositionspotential auch in den alternativen Medien als unwählbar bewertet wird?

Manfred Gimmler / 30.07.2017

Den Deutschen wird noch lange nicht der Kragen platzen. Selbst auf diesen Seiten werden in den Leserbriefen die kritschen Beiträge zu den aktuellen (in der Regel jedoch schon länger bekannten) Problemen des Landes artig kommentiert und als wohltuend für den eigenen Gemütszustand gewürdigt. Wir werden dem Eiertanz in der “Flüchtlingsfrage” noch lange zuschauen dürfen und dabei weiterhin ein freundliches Gesicht zeigen.

M. Hans Mayer / 30.07.2017

Liebe Frau Lengsfeld, danke für diesen Artikel! Ich hätte aber eine Bitte: Könnten Sie auf den Begriff “biodeutsch” verzichten? Das weckt einerseits Assoziationen an Bio-Gemüse, andererseits hat es ein (mit Verlaub) rassisches Geschmäckle, denn die Zugehörigkeit zu einem Volk ist nicht zwangsläufig nur “bio”, sondern hat viele Wurzeln. Die Begriffe “Einheimische” oder sogar “Eingeborene” finde ich passender und möchte mich selbst lieber so bezeichnet wissen. Beste Grüße M. H. Mayer

Heiko Stadler / 29.07.2017

Die Verteilung der Migranten kann ich nur beführworten. Lasst uns die Migranten auf ihre Herkunftsländer verteilen! Dort haben sie ihre Angehörigen, können ihre Sprache sprechen, leben in Ihrer Kultur, können ihren Beruf ausüben und vor allem bleiben wir vor ihren Belästigungen und Straftaten verschont.

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