Bernhard Lassahn / 05.11.2015 / 17:00 / 0 / Seite ausdrucken

Der Achse-Adventskalender

An jedem Tag öffnet sich eine kleine Tür

Wer erinnert sich noch? Vor zwei Jahren gab es hier auf der ‚Achse’ einen Adventskalender mit kleinen Gedichten. Wer das in diesem Jahr wieder haben will, muss bei Bernhard Lassahn im Archiv nachsehen und Tag für Tag die Gedichte anklicken.

Es geht auch anders: Die Schachtelmacher von der ‚imaginären Manufaktur’ in Berlin haben die Gedichte auf Postkarten gedruckt und haben die in eine Schachtel gepackt. Und so gibt es einen zeitgemäßen Adventskalender für Zuhause und unterwegs in stimmungsvoller, aufklappbarer Kulisse mit einem immergrünen Tannenbaum, mit einem Stern und mit einer kontrollierten Schneeverwehung.

Eine Gebrauchsanweisung gibt es auch, obwohl wir die eigentlich nicht brauchen: Es ist so, wie es aussieht. Es sieht aus wie ein Adventskalender. Es ist auch ein Adventskalender. Richtig. Wir erinnern uns. Wir wissen, wie es geht. Da war doch was: Früher hatte so ein Kalender für jeden Tag im Advent eine kleine Tür, auf der eine kleine Nummer stand. 

Hier auch. Hier gibt es für jeden Tag eine Karte mit einer Nummer. Jeden Morgen kann man sich eine neue Karte angucken. Auf jeder Karte steht ein Gedicht, das eine kleine, bisher verborgene Tür aufmacht. Die Schachtel kann man leicht überall mit hinnehmen. Wenn man lieber zuhause bleibt, kann man die einzelnen Karten verschenken oder verschicken, so dass zumindest die Gedichte ständig unterwegs sind. Wenn der Kartensatz aufgebraucht ist, bleibt einem immer noch die Kiste, die selbst dann, wenn sie leer ist, nicht wirklich leer ist. Die Erinnerungen bleiben. Einen neuen Kartensatz kann man nachbestellen. 

Was sehen wir? Was riechen wir? Was hören wir? Da war doch was, da ist immer noch was: ein Lichtschimmer unter der Tür, ein Nachgeschmack, eine rätselhafte Spur im Schnee, eine Wolke in einer bisher noch nie dagewesenen Form, ein Glanz, ein fernes Bimmeln; ein Duft aus einem geheimnisvollen Backofen.

Wer einen Adventskalender hat, ist jung geblieben und geht munter vorwärts zurück in die Kindheit. Er erinnert sich, dass er immer schon wusste, dass das Beste erst noch kommt. Mit einem Adventskalender hat man eine Zukunft, auf die man sich freuen kann und eine Vergangenheit, an die man sich gerne erinnert. Plötzlich geht einem ein Licht auf und es wird einem klar, dass es nie zu spät ist für eine glückliche Kindheit.

Das gilt. Auch wenn wir uns das nicht anmerken lassen. Auch wenn wir lässig so tun, als wären das alles nur Kleinigkeiten. Eben. Die kleinen Freuden sind in Wirklichkeit die großen. Und was da – so großartig angekündigt – demnächst erwartet wird, dieses Kind, von dem es allenthalben heißt, das es „uns“ geboren ist, ist auch noch klein. Ganz klein. Deshalb gibt es bei der Gelegenheit auch nur eine kleine Tür und nur ein kleines Gedicht.

Die Gedichte sind neu. Fast alle. Manche stammen noch aus der Zeit, als ich selber noch Kind war, andere habe ich extra für Kinder von heute geschrieben. Man sollte aber auch die Großen nicht unterschätzen, sie können oft – obwohl man es ihnen auf den ersten Blick nicht ansieht – selbst einfache Gedichte ganz ohne fremde Hilfe verstehen. Manche von den Großen, die schon seit Jahren aus dem Staunen herausgekommen waren, haben es sogar geschafft, wieder ins Staunen hineinzukommen.

Bernhard Lassahn

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