Peter Grimm / 24.08.2017 / 15:30 / Foto: Richard Elzey / 5 / Seite ausdrucken

Keine Ahnung was es ist, aber es gehört verboten

Es ist doch schön, wenn es Umfragen gibt, nach deren Ergebnis die Mehrheit der Befragten das will, was man als Regierung zu tun beabsichtigt oder ohnehin gerade tut. Insofern wird beispielsweise diese Meldung aus der vorletzten Augustwoche sicher ein zustimmendes Nicken von Heiko Maas erfahren haben:

Die Mehrheit der Deutschen wollen soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter gesetzlich verpflichten, gegen Fake News vorzugehen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, die der WELT exklusiv vorliegt. Zwei von drei Deutschen wollen Plattformbetreiber wie Facebook oder Twitter verpflichten, absichtlich verbreitete Falschnachrichten auf ihren Kanälen aktiv zu löschen. Vor der Bundestagswahl im September ist die Befürchtung groß, dass Fake News und Social Bots in Deutschland den Wahlausgang beeinflussen könnten. Social Bots sind Software-Programme, die automatisiert vermeintliche Nachrichten verbreiten, um so die öffentliche Meinung zu manipulieren.

Nun will ich mich jetzt gar nicht mit der Frage aufhalten, wer denn diese Studie, die der WELT exklusiv vorlag, in Auftrag gegeben und bezahlt hat. Viel eher ist interessant, worauf denn diese klare Haltung gründet. Nehmen wir etwa die Social Bots. Was hier getan werden müsste, wissen die befragten Bundesbürger offenbar genau: Neun von zehn Befragten befürworten eine stärkere Reglementierung von Social Bots, mehr als 40 Prozent plädieren sogar für ein gesetzliches Verbot. Allerdings sagen der Umfrage zufolge nur 14 Prozent, dass sie über Social Bots relativ gut Bescheid wüssten. Jeder Vierte kennt sie nur dem Namen nach und fast vier von zehn Befragten haben von dem Begriff zuvor noch nichts gehört. Fake News hingegen ist den meisten Deutschen ein Begriff. Mehr als jeder zweite ist der Meinung, darüber relativ gut Bescheid zu wissen.

Die einen liefern Fake-News und die anderen machen bloß Fehler

Aber mit Fake-News kennen sich unsere befragten Mitbürger aus. Sie wissen genau, wo diese platziert sind: Fake News erwarten die Deutschen […] fast ausschließlich im Internet. Acht von zehn Befragten würden solche Falschmeldungen zu politischen Themen am ehesten bei Facebook vermuten und zwei Drittel nannten Twitter. Bei öffentlich-rechtlichen TV-Sendern sinkt der Anteil der Befragten auf nur noch neun Prozent, die dort Fake News erwarten. Bei kostenpflichtigen Tages- und Wochenzeitungen waren es nur noch fünf Prozent.

Diese Ergebnisse wärmen auch das Herz eines jeden Redakteurs in den traditionellen Medien, die doch in den letzten Jahren oft gescholten wurden. Eine Studie wies sogar nach, dass die vor zwei Jahren dominierende Berichterstattung über „Flüchtlingskrise“ und „Willkommenskultur“ viel zu unkritisch und tendenziell gewesen sei. Wie gut, dass die Mehrheit der Befragten im gut gemeinten Versuch der verbalen Wirklichkeitsverschönerung offenbar keine Fake-News erkannt hat. Wenn doch mal was falsch ist, dann war es ein Fehler. Fake-News machen die anderen, im bösen Internet.

Komisch nur, dass offenbar die wichtige Frage danach, wer denn darüber entscheidet, ob eine Nachricht falsch ist, keine Rolle spielt. Ist die Mehrheit der Deutschen wirklich damit einverstanden, dass staatlich festgelegt wird, was Wahrheit ist? Erinnert sich keiner mehr an einige hinderliche Grundrechte? Vielleicht ist es ganz aufschlussreich, zu wissen, wo sich denn die Befragten so informieren: Mit mehr als 70 Prozent nannten die meisten Befragten die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender als Hauptinformationsquelle zu politischen Ereignissen. Mehr als jeder Zweite greift für politische Informationen zur Tages- oder Wochenzeitung.

Na da haben doch die Fake-News-Produzenten aus dem Internet keine Chance. Dann braucht es auch keine neuen Verbote und Reglementierungen, oder? Aber wenn es die Befragten-Mehrheit doch unbedingt will?

Dieser Beitrag erschien auch auf Peter Grimnms Blog sichtplatz.de

Leserpost (5)
Winfried Sautter / 24.08.2017

Ich höre seit Jahren Deutschlandfunk und Deutschlandradio (jetzt DLFKultur); früher praktisch den ganzen Tag, jetzt nur noch eingeschränkt und ausgewählte Sendungen. Der tendenziöse Unterton und die einseitige Perspektive des Mainstream-Journalismus durchzieht fast jegliche Art von Sendung. Aber wenn ich schon 17,50 € pro Monat für die GEZ abdrücken muss, dann will ich wenigstens ein Bißchen was dafür haben. Der Staatssender schlägt dabei mit 48 Cent zu Buche. Aber Klaus Kleber & Co. will ich mir nicht auch noch antun.

Ronald M. Hahn / 24.08.2017

Wenn “mehr als jeder zweite” sich aus der Tages- oder Wochenzeitung informiert… Wie hoch müsste dann die verkaufte Auflage der Monopolzeitung meiner Heimststadt sein, die 360 000 Einwohner hat? Hat sie aber nicht. Die verkaufen keine 40 000 Exemplare.

Klaus Klinner / 24.08.2017

Wenn man bedenkt, dass die Deutschen bis vor wenigen Jahren noch als das Volk der Dichter und Denker galt. Es wird nicht lange dauern, bis Deutschland in den einschlägigen Rätselzeitungen auftaucht, etwa unter der Begriff: Kleines, seltsames Volk in der Mitte Europas, welches sich freiwillig und ohne Not seiner ureigenen Werte beraubt hat.

Frank Stricker / 24.08.2017

Die Fake-News des Tages kommen heute mal wieder von der Bertelsmann-Stiftung. 96 % aller Muslime fühlen sich angeblich Deutschland verbunden. Is klar, und 2018 macht Angela Merkel mit Daniela Katzenberger eine Herrenboutique in Wuppertal auf, ihr Erwin Lindemann !

A.W. Gehrold / 24.08.2017

Wo sitzt jetzt der Sprachstolperer? Bei der “Welt” oder schon bei PwC? Dann könnten die doch gleich das “P” weglassen. Die Mehrheit der Deutschen #wollen# überhaupt garnix, nie und nimmer. Wenn überhaupt, dann #will# die Mehrheit etwas, ausgenommen vielleicht, sie gehört einem mir bislang noch unbekannten Geschlecht an, etwa Mehrheitecx. Schlimmer aber: Wenn das alles nicht erstunken und erlogen ist, dann ist das Volk,dem ich angehöre entweder schon so verblödet, dass es bereit ist, jeden kaufpreis- oder gebührenpflichtig verbreiteten Unsinn für bare Münze zu nehmen oder die Befragten wurden so “zufällig” ausgewählt, wie weiland beim ZDF für den “heute”-Beitrag am 18.1.2017 zum Berliner Holocaustmahnmal anlässlich der Höckeabsonderung zu Gedenken und Schande. Wie und von wem am augenfälligsten weggelassen, verkürzt, einseitig gewichtet und damit letztlich gelogen wird, hat ja Roger Letsch in seinem Beitrag auf achgut am 1.8.2017 dargestellt. Soweit ich sehe von der ZEIT bislang nicht kommentiert oder gar in Abrede gestellt. (Die “heute” vom 18.1.2017 ist übrigens bei mir zu haben. Adresse ggf. über achgut.)

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