Ulli Kulke / 08.12.2012 / 20:16 / 0 / Seite ausdrucken

Das peinliche Ende der Klimakonferenz von Doha

Oberflächlich betrachtet hört es sich ja grandios an: Das Kyoto-Protokoll wird verlängert. Das ist das Ergebnis der Klimakonferenz von Doha. Mit seinem Hammer auf dem Podium hat der Konferenzchef und Scheich von Katar das Resultat durchgesetzt. Doch abgesehen davon, dass das Abstimmungsverfahren reichlich dubios gewesen sein soll, läst sich festhalten: Dem Scheich dürfte das Ganze nicht allzu schwer gefallen sein. Er muss „Kyoto II“, laut dem sich die gut 30 Teilnehmerstaaten zu einer – bislang nicht quantifizierten – weiteren Minderung ihres CO2-Ausstoßes verpflichten, ja selbst nicht beitreten.

Das tollste aber: Kyoto II kann bei Lichte betrachtet doch eigentlich gar nicht wirksam werden, weil die Mindestanzahl von Mitgliedsstaaten des Protokolls gar nicht mehr gegeben ist. Wir erinnern uns, erst mit dem Beitritt Russlands 2004 konnte der Vertrag in Kraft treten. Nun hat aber Russland inzwischen erklärt, dass man aus dem Prozess aussteigen wolle, genauso wie Kanada, Japan und Neuseeland. Was bleibt: Die EU, ein paar andere europäische Staaten und Australien, macht zwischen 11 und 13 Prozent der Emissionen aus.

Halten wir also fest: Abstimmungsverfahren dubios, die Verpflichtungen aus der Fortsetzung von Kyoto sind unbestimmt, sie betreffen einen noch kleineren Staatenbund, der sich eigentlich gar nicht mehr als gültiges Kyoto-Protokoll bezeichnen dürfte. Außerhalb Europas ist mithin fast niemand ausreichend von der Notwendigkeit überzeugt, den Ausstieg von Kohlendioxid zur Rettung des Weltklimas zu verringern –  abgesehen von den Staaten, die sich aus ihrem Bekenntnis zur Dringlichkeit des Klimaschutzes einen warmen Geldregen erhoffen, die Gruppe von Entwicklungsländern, die reklamieren, zu den Klimaopfern zu gehören.

Apropos: Eines darf man vielleicht als Erfolg der Klimakonferenz ansehen: Dass sie sich (noch) nicht zu einer Schadensersatzregelung (“Loss and Damage”) hatte hinreißen lassen, laut der künftig bei Dürren, Wirbelstürmen oder Hochwasserereignissen in Entwicklungsländern automatisch Regresszahlungen der Industrieländer fällig geworden wären. Falls es je zu einem solchen Vertragswerk auf einem der kommenden Klimakonferenzen kommen sollte, darf man wenigstens hoffen, dass es mit Ausstiegs- oder Revisionsklauseln verbunden ist. Für den Fall nämlich, dass sich die reine Vermutung (um mehr handelt es sich bislang nicht), der CO2-Ausstoß habe entscheidend zu einer Erhöhung von Naturkatastrophen beigetragen, eben doch nicht bewahrheitet.

Es ist schon grotesk, dass ein Sturm wie „Sandy“, der zwar die Metropole New York auf tragische Weise traf aber ansonsten, was seine Windstärken anging, alles andere als ein besonderes Naturereignis war, der nie über die untersten Stufen eines Wirbelsturms hinauskam und in New York selbst sogar noch die unterste Stufe eines Hurrikans verließ und sich zum normalen Sturm abschwächte, jetzt zum Beleg für menschengemachte Extremereignisse dienen soll.

Gerade in letzter Zeit sind mehrere geprüfte („peer reviewte“) Studien herausgekommen, die in frappanter Deutlicheit zeigen, dass es in den letzten Jahrzehnten weder zu einer signifikanten Häufung bzw. Verstärkung von Dürren, Niederschlägen oder Wirbelstürmen gekommen wäre. Dazu mehr in einem der nächsten Folgen von „Donner und Doria“.

Zuerst erschienen auf Ulli Kulkes Blog bei der WELT

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