Gerd Held / 06.05.2017 / 06:25 / Foto: Vanvelthem Cédric / 7 / Seite ausdrucken

Das Macron-Fieber (Teil 1)

Es war atemberaubend. Wenige Tage, ja Stunden, nach dem ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen in Frankreich warfen sich Politiker aller Couleur auf einen Namen: Emmanuel Macron. Auf einmal kennen sie ihre alten Parteien nicht mehr. „Macron“ ist alles. Er ist der magische Punkt, auf den alles zuläuft. Er soll die vielbeschworene „Mitte“ sein, um die sich die Zukunft Frankreichs dreht. Mehr noch: die Zukunft von ganz Europa. Alle wollen sie dabei sein: Sowohl der bisherige Präsident Hollande als auch der „bürgerliche“ Kandidat Fillon rufen zur Wahl Macrons auf. Die EU-Spitze (in Gestalt von Juncker und Mogherini) hat ihn zu ihrem Kandidaten gekürt. Und auch führende deutsche Politiker - Gabriel, Schulz  und Schäuble – heizen das Macron-Fieber an.

Hat man genauer hingeschaut, wofür dieser Emmanuel Macron steht? Wer dieser Mann eigentlich ist? Wer genauer wissen will, womit denn die Hoffnung auf den „unabhängigen“ und „dynamischen“ Kandidaten begründet wird, findet wenig. Seine Positionen sind irgendwie „gemäßigt“, ein Signal in jede Richtung, ein Sowohl-als-auch. Die Positionen scheinen gefunden worden zu sein, indem man die bestehenden Trends beobachtet und dann den Punkt sucht, wo sie sich irgendwie schneiden. Ob sich die Lösungen gegenseitig lähmen und ob sie der Lage des Landes angemessen sind, tritt dabei in den Hintergrund.

Und die Vorgeschichte des Kandidaten? Sieht man von der etwas pikanten Tatsache ab, das Macron längere Zeit in einem der großen und staatsnahen Bankhäuser tätig war und es in seinem Ministeramt unter Hollande nur kurz ausgehalten hat, erscheint er als ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. So ist die Hoffnung, die man auf diesen Kandidaten setzt, eine sehr spekulative Hoffnung. Zur Erinnerung: Von der Mehrheit, die in Großbritannien für den Brexit stimmte, wird in EU-Europa behauptet, sie habe „nicht gewusst, wofür sie stimmt“. Wie müsste wohl, würden die gleichen Maßstäbe angelegt, die Macron-Mehrheit beurteilt werden?

Es macht daher Sinn, sich genauer anzuschauen, wie Frankreich in eine so spekulative politische Situation hineingeraten ist. Und welche Realitäts-Schocks zu erwarten sind.

Francois Hollande lässt grüßen

Bereits in der Präsidentschaftskampagne von Francois Hollande hatte es einen deutlichen Trend gegeben, dass sich der Amtsanwärter von seiner Partei absetzte und sich als „einsamer Kandidat“ präsentierte. Am 24.1.2012 erschien im Feuilleton der FAZ ein enthusiastischer Artikel. Unter dem Titel „Kleiner Mann, große Rede“ berichtet der Autor, Nils Minkmar, über einen „historischen Auftritt“ von Francois Hollande in der Präsidentschafts-Kampagne:

„Francois Hollande ist die dreidimensionale Version einer Zeichnung von Sempé: Mann im grauen Anzug blinzelt ratlos der Welt entgegen…Dann hat er am Sonntag diese Rede gehalten, seitdem ist alles anders. Der Zeitpunkt war perfekt gewählt: Sarkozy hat sich verausgabt, die Herabstufung (von Frankreich an den Finanzmärkten, GH) hat ihm geschadet, die Leute sind seiner überdrüssig. Hollande hat sich lange im Stillen vorbereitet, hat die Mitarbeiter zuliefern lassen und dann die Rede neu geschrieben, mit der Hand...Es begann mit einem Satz von geradezu literarischer Schlichtheit: `Ich bin gekommen, um über Frankreich zu sprechen´… Die Bezüge des Präsidenten und der Minister wird er um dreißig Prozent kürzen. Nicht auf Paläste und Entourage kommt es ihm an, sondern auf Überzeugungskraft: `Echte Autorität zeichnet sich durch Bescheidenheit aus´. Es ist eine Abrechnung mit dem derzeitigen Amtsinhaber, den er nicht ein einziges Mal beim Namen nennt. Sein wahrer, einziger Gegner, sagte er, habe kein Gesicht und keinen Namen und keine Partei, das seien die Finanzmärkte…“ 

Dieser Francois Hollande hat dann tatsächlich gewonnen, in diesem Punkt hat der FAZ-Autor recht behalten. Aber alles, was er als historische Kraft und stille Größe des Kandidaten beschworen hat, ist schmählich gescheitert. Hollande hat sich als Mann der Netzwerke erwiesen, als rücksichtsloser Strippenzieher und als unberechenbarer, wankelmütiger Politiker. Am Ende seiner Präsidentschaft hinterlässt er ein destabilisiertes Land.

Der trügerische Schein der Unabhängigkeit

Ein Artikel im „Figaro“ über die soziale Zusammensetzung der Hollande-Mehrheit (erschienen am 19.6.2012, also zu Beginn seiner Amtszeit) enthält ein interessantes Detail: Im Parlament dominieren die kleinen und mittleren Beamten, während die Regierung und die Ministerien von Absolventen der Elite-Schulen der Verwaltung, insbesondere von der Ecole Nationale d´Administration (ENA) dominiert werden – und zwar stärker als unter dem Vorgänger Sarkozy. 58 Prozent der hohen Regierungsbeamten sind Absolventen der ENA, während es vorher 43Prozent waren. Von einer größeren „Basisnähe“ durch Hollande konnte also nicht die Rede sein. Zu diesem Presseausschnitt habe ich damals notiert:

Francois Hollande ist in einer merkwürdigen Unschuld ins höchste Amt Frankreichs gelangt. Er ist aufgetreten mit dem gewollt naiven Charme des `einfachen Mannes´, der ehrlich – beinahe hilflos – dem großen Getriebe der Schuldenkrise und der Weltpolitik gegenüberzusteht. Hollande kokettierte damit, dass er selbst am meisten über seinen Erfolg auf der Bühne der Politik erstaunt sei. Für einen Moment hatte die französische Politik etwas rein Persönliches, ja Intimes, bekommen. Ein einzelner Mensch schien das höchste Amt zu erobern. Francois Hollande hat dies Bild des einfachen und einsamen Mannes, der dem Machtbetrieb von Wirtschaft und Politik gegenübertritt, meisterhaft gespielt. Doch mit der Regierungsbildung und der Erringung einer parlamentarischen Mehrheit zeigt sich nun, dass der einsame Präsident so einsam nicht ist. Die bekannten Gesichter sind wieder zur Stelle, die Umverteilungsmaschinerie übernimmt wieder das Kommando.

In diesem Licht betrachtet, ist der „unabhängige Kandidat“ Emmanuel Macron eine Neuauflage von Hollande. Auch er erweckt den Eindruck, allein zu stehen und nur seiner eigenen Einsicht zu folgen. Er hat die Rolle des Unabhängigen noch ausgebaut. Macron hat nur eine kurze Zeit sein Ministeramt ausgeübt. Die Möglichkeit, zunächst einmal über längere Zeit praktische Regierungserfahrung zu erwerben, war ihm nicht wichtig. Stattdessen hat er frühzeitig die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gesucht – mit begrenzten Konflikten und Absetzbewegungen von der Sozialistischen Partei. Aus der Regierung ausgeschieden gründete er kurzerhand seine eigene „Bewegung“ („En marche“) und verkündete gleich nicht weniger als eine „Revolution“ (so der Titel seines Selfie-Buches).

Alles erscheint möglich

Getrennt vom Parteiapparat der französischen Sozialisten scheint Emmanuel Macron freischwebend und geradezu schwerelos jeden Gipfel der Politik erklimmen zu können. Macron hatte in seiner kurzen und steilen Karriere bisher keine längere Durststrecke zu bestehen. Wer seine Rede am Abend des ersten Wahlgangs verfolgte, fühlte sich an jene Sympathie-Phrasen erinnert, die die Sieger von Castingshows von sich geben. Er erscheint wie ein Synthetik-Produkt, seine Gesten wirken wie aus Plastik geformt. Es fehlt das Sperrige - das krumme Holz, aus dem das wirkliche Leben gemacht ist. Doch gereicht ihm das bisher keineswegs zum Nachteil. Es macht ihn für viele zur Idealbesetzung einer Politik, die alle Probleme durch ein vermittelndes Sowohl-als-Auch regelt – und die kein „Hier steht Frankreich und kann nicht anders“ kennt.

Die Parteien, die Frankreich in den letzten Jahrzehnten geführt haben, haben sich fast geräuschlos von der Bühne verabschiedet. Und aus dem Ausland wird ihm zugejubelt, als wäre hier der neue Obama gefunden.

Auch die großspurigsten historischen Vergleiche werden nicht gescheut. Michaela Wiegel, Frankreich-Korrespondentin der FAZ, die noch vor wenigen Wochen in einem Beitrag für das Magazin der Bundeszentrale für Politische Bildung den sozialistischen Kandidaten Hamon zum Hoffnungsträger ausgerufen hatte, ist im FAZ-Leitartikel am 25.April, nun zu Macron übergelaufen:

„Macron hat das Charisma, das Selbstbild Frankreichs zu verändern. Er knüpft an eine alte französische Tradition an, jungen Talenten zu vertrauen. Louis-Napoléon Bonaparte war gerade 40 Jahre alt, als er 1848 zum Präsidenten gewählt wurde. Sein großer Onkel, Napoléon Bonaparte, war sogar erst 30 Jahre alt, als er 1799 in Paris nach der Macht griff.“  

Die Entzauberung der Unabhängigkeit

Es könnte allerdings passieren, dass ein Präsident Macron noch schneller entzaubert wird, als das bei seinem Vorgänger der Fall war. Das beginnt schon damit, dass nach der Wahl zum Präsidenten noch ein dritter Wahlgang wartet - die Wahlen zum Parlament. Hier muss Macron eine dauerhafte parlamentarische Mehrheit finden. Spätestens hier kann er nicht mehr „allein“ bleiben. Er muss auf die Parteien(reste) zurückgreifen, die jetzt von der politischen Bühne verschwunden sind – also auf die Sozialisten. Und ohne einen Rückgriff auf deren linken Flügel (Hamon), auf Parteigänger der Linkspartei (Mélenchon) und der Grünen, wird es zu einer Mehrheit nicht reichen. Es könnte also in ein paar Wochen passieren, dass die Franzosen aufwachen und ein böses Deja-Vu erleben: Sie finden sich mit Macron in exakt in derselben Konstellation wieder, die sie die vergangenen fünf Jahre unter Hollande hatten…

2013 beschrieb Günter Nonnenmacher in einem Leitartikel der FAZ unter der Überschrift „Das deutsch-französische Dilemma“ eine im Grunde aussichtslose Situation: „Doch die Frage ist, ob Hollande einen Kurswechsel überhaupt wagen kann. Er drückt sich vor schmerzhaften Reformen, weil unsicher ist, ob seine Mehrheit im Parlament sie mittragen würde.“ Nonnenmacher zählt die Linkspartei Mélenchons, die Kommunisten, die Grünen und den linken Flügel der Sozialisten auf. Weil Hollande durch diese Umstände an einschneidenden Reformen gehindert würde, würde der Abstand zu Deutschland immer größer, wodurch wiederum der Unmut in Frankreich wachse. „Ein Ausweg aus diesem Dilemma ist nicht in Sicht“ ist der Schlusssatz des Leitartikels.

Das ist nicht viel, wenn man heute erklären will, warum ein Präsident Macron nun der endlich gefundene große Hoffnungsträger ist. Was 2013 für Hollande gilt, gilt 2017 für Macron. Er hätte – würde er wirklich etwas Einschneidendes unternehmen wollen - exakt dieselben Mehrheitsprobleme im Parlament. Was sollte er können, was Hollande offenbar nicht gekonnt hat?

Man sollte allerdings prinzipieller fragen. Selbst wenn es Macron gelänge, zunächst eine halbwegs treue Parlamentsmehrheit hinter sich zu bringen – wird das reichen, um Frankreich aus seiner existenziellen Krise herauszuführen? Man denke an den Reformer Renzi in Italien, der eine solche Mehrheit zu Beginn seiner Amtszeit hatte und scheiterte. Es ist ein Irrglaube, dass in einem modernen industriellen und demokratischen Land eine „dynamische Persönlichkeit“ genüg, um eine Veränderung herbeizuführen, die die Arbeitsweise dieses Landes betrifft.

Es mag ja sein, dass sich in der Personalisierung der Politik – wie man sie auch in anderen Ländern, Deutschland eingeschlossen, findet – die „Individualisierung der Gesellschaft“ spiegelt. Aber diese Individualisierung ist im Wesentlichen nur ein frommer Glaube an die Individualisierung. In der Realität ist ein hochentwickeltes Land immer noch eine große, vielseitig verzahnte Maschine, die ohne die Mitwirkung von Millionen niemals nachhaltig umgebaut werden kann. In einer existenziellen Krise ist die Personalisierung der Politik völlig unzureichend. Ihr fehlt der Unterbau, um wirkliche Einschnitte durchzuführen. Und ihr fehlt die Dauerhaftigkeit, um diese Einschnitte über längere Zeit durchzuhalten. Um das zu schaffen – unter demokratischen Umständen – braucht es politische Parteien als eigene Instanz der Richtungsbildung.

Über den Satz „Europa ist erleichtert“

Nach dem ersten Wahlgang in Frankreich lautete vielfach wiederholte Schlagzeile: „Europa ist erleichtert“. Eine merkwürdige Leichtigkeit ist das. Hat man schon vergessen, dass in Frankreich seit über einem Jahr der Ausnahmezustand verhängt ist? Das bedeutet ja nicht weniger, als dass die rechtsstaatliche Ordnung in einem europäischen Kernland auf dem Spiel steht. Und es gibt nicht den geringsten Grund zur Entwarnung. Wie kann man da irgendein Gefühl der „Erleichterung“ empfinden? Dazu kommt ein zweiter Ausnahmezustand: Die wirtschaftliche Stagnation und das Wachstum der Staatsschulden werden immer bedrohlicher. Dass es sich hier um einen Ausnahmezustand handelt, ist aber noch gar nicht anerkannt. Man geht, nicht nur in Frankreich, davon aus, dass die Lage irgendwie „durch Zusammenstehen“ im Rahmen der Europäischen Union in Schach gehalten wird. Da ist der Jubel über den „Pro-Europäer“ Macron im Grunde ein Zirkelschluss. Man kommt von der Stabilität der europäischen Gesinnung zur Stabilität Frankreichs, die wiederum das „europäische Projekt“ garantieren soll.    

In Wirklichkeit meint der Satz „Europa ist erleichtert“, der so anmaßend vorgibt, im Namen eines ganzen Kontinents zu sprechen, gar kein eigenes Regierungsprogramm. Man ist nur erleichtert, weil „die Anderen“ (die bösen Rechtspopulisten) nicht gewonnen haben. Man freut sich nicht darüber, dass man nun etwas gestalten kann. Nein, dies „Europa“ hat eigentlich nichts vor. Man möchte nur, bitte schön, die eigenen Positionen behalten. So spricht keine regierende Elite, sondern eine herrschende Klasse. Nicht zufällig gibt es in Frankreich das zornige Wort von der „classe européenne“.

Den Auflösungsprozess der Republik verhindern

In dem unabhängigen Kandidaten Macron drückt sich ein Auflösungsprozess aus. Die französische Politik verabschiedet sich von den Parteien, die bisher noch für den Verantwortungsrahmen der Fünften Republik standen, also für eine politische Selbstverantwortung Frankreichs. Man kann mit Recht sagen, dass die Regierungsparteien der vergangenen Jahre und Jahrzehnte dieser Verantwortung nicht gerecht geworden sind. Aber die Lösung „Macron“ ist eine Flucht ins Offene, ins Verschwommene, ins Niemandsland des Globalen. In dieser Richtung wird es keine Lösung geben. Es wird nur eine zunehmende Entfremdung der wirtschaftlichen und politischen Eliten von den Realitäten im Land geben. Aus dieser Sicht ist das Macron-Fieber und die Selbstentmachtung der politischen Parteien in Frankreich keine gute Nachricht. Und auch die Dämonisierung der Front National Marine Le Pens ist keine gute Nachricht. Denn diese Partei ist im Augenblick das einzige größere Gegengewicht gegen die politischen Auflösungstendenzen. Sie übt auch einen nützlichen Erneuerungsdruck auf die Parteienlandschaft aus.    

Lesen Sie morgen den zweiten Teil dieses Beitrags: Mit seinen Europa-Plänen entpuppt sich der „liberale“ Präsidentschafts-Kandidat als Euro-Sozialist. Die Deutschen werden sich möglicherweise noch wundern: Für eine Vergemeinschaftung der Defizite ist ein Politiker, der das Image des Liberalen hat und daher unter keinem Links-Verdacht steht, die Idealbesetzung. Mit einem Macron-Frankreich wird die Gefahr einer Achsenverschiebung der EU real.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

Leserpost (7)
Karla Kuhn / 07.05.2017

“Für eine Vergemeinschaftung der Defizite .........”  Ja , das wäre praktisch, wenn der deutsche Michel wieder den Löwenanteil übernimmt, wie immer.  Die EU muß dringend reformiert werden, wenn sie weiter Bestand haben will. Ob ein Macron dafür geeignet ist?  Hätte er die Kraft sich dem Diktat der EU Bosse zu widersetzen ? Für mich sind Zweifel angesagt.

Johann Prossliner / 07.05.2017

Speziell Teil 2 sollte Pflichtlektüre für jeden sein, der politisch mitreden möchte

Karla Kuhn / 06.05.2017

“Frankreich droht Wahl-Überraschung”  “Das Schlimmste ist nicht unmöglich” eben bei t-online gelesen. Herr Wieland-Schmied hat schon alles geschrieben. “Macron ist alles andere als ein Liebling des Volkes, er ist ein Liebling der Wirtschaft.”  t-online. Übrigens der sehr “diplomatische” Gabriel hat Frau Le Pen als “Rattenfängerin” bezeichnet. Er verunglimpft damit auf üble Art und Weise alle Wähler/innen, die Le Pen gewählt haben.  Der Mann ist Außenminister ?? Toll !

Ute Strasser / 06.05.2017

So die Hymne von Jürg Altwegg in der FAZ von 5.Mai 2017 “Die neue politische Jungfrau Emmanuel Macron nutzt die Chance der späten Geburt: Er ist als Lichtgestalt im politischen Wahlkampf erschienen und rettet nun nicht nur Frankreich – sondern gleich ganz Europa…......... Vater Le Pen hat nicht Unrecht: Die zeitgenössische politische Jungfrau ist nicht Marine, sondern Macron: Die militärisch völlig unerfahrene Jeanne d’Arc hatte die Franzosen zum Sieg über die Engländer geführt; Macron holt sie nach dem Brexit zurück und rettet mit Frankreich ganz Europa.” Was gibt es dazu noch zu sagen?

Uta-Marie Assmann / 06.05.2017

Ein exzellenter Beitrag eines Autors, der zu differenzieren weiss und nicht dem Macron-Fieber anheim gefallen ist. Zu ergänzen wäre im übrigen noch, dass Macron weder in den drei Jahren, in denen er DER Wirtschaftsberater Hollande’s war, noch in seiner Zeit als Wirtschaftsminister - immerhin zwei Jahre - durch besonderen Sachverstand oder durch das Angehen der dringend notwendigen Reformen auffiel. ‘En marche’ erinnert mich sehr an das “yes, we can” eines anderen, ebenfalls eleganten Dampfplauderers, der krachend scheiterte, als er dann in Regierungsverantwortung war. Trump wäre ohne Obama kaum möglich gewesen. Dass gerade die Deutschen mit der üblichen Hysterie Macron huldigen, ist schon erstaunlich. Mit Macron wird es gerade für Deutschland höchst ungemütlich; denn er hat - unterstützt von anderen Süd-EU-Staaten - die Vergemeinschaftung der Schulden ganz oben auf seiner Agenda. Gewinnt Macron, wird der Graben in der französischen Gesellschaft deutlich tiefer. Hätte Fillon seine ‘Affaire’ anders gehandhabt, wir hätten nun nicht die Wahl zwischen Pest und Cholera. Es waren ja nicht die Begünstigungen seiner Familie, die ihm politisch das Genick brachen - wir Franzosen verzeihen unseren Politikern ausserordentlich viel -, sondern sein unprofessionelles Verhalten nach den Enthüllungen. Ich hätte jedenfalls lieber einen Präsidenten gehabt, der - wie fast alle: man denke nur an Mitterand ! -sich (in gewissen Grenzen) bereichert, als einen konturlosen Schönschwätzer oder den FN.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen
Gerd Held / 05.12.2017 / 06:29 / 18

Merkels letztes Aufgebot

Über dem deutschen November 2017 steht ein „Nein“. Es war ein plötzliches und sicher nicht von langer Hand vorbereitetes Nein, aber es hat befreiend gewirkt.…/ mehr

Gerd Held / 20.10.2017 / 06:15 / 23

Jamaika, letzte Station einer historischen Irrfahrt

Die Bundestagswahl 2017 bedeutet zunächst: Merkel-Dämmerung. Der Merkelismus hat Perspektive und Ausstrahlung verloren. Er endet im Hin und Her politischer Deals. Mit „Jamaika“ hat die…/ mehr

Gerd Held / 27.09.2017 / 18:00 / 8

Der katalanische Wirtschaftsmythos – Verteidigt Spanien! (2)

Es gibt eine Erzählung, die einem Separatstaat Katalonien einen rationalen Grund geben soll. Das ist die Erzählung vom „Wirtschaftsmotor Katalonien“, der angeblich den Rest Spaniens…/ mehr

Gerd Held / 26.09.2017 / 10:53 / 14

Eine neue Mauer in Europa? Verteidigt Spanien! (1)

Durch die moderne, demokratische Einheit der Nation Spanien soll – per Referendum – ein Strich gezogen werden. Das soll nicht irgendwann geschehen, sondern jetzt, am…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com