Rainer Bonhorst / 25.02.2017 / 15:25 / Foto: Elvert Barnes / 0 / Seite ausdrucken

Das Geschenk des Himmels

Wir Deutschen haben Donald Trump viel zu verdanken. Endlich können wir unserer Amerika-Abneigung freien Lauf lassen. Als Verkörperung des hässlichen Amerikaners ist er das, was Netanjahu für Antisemiten ist, die gerne als Israelkritiker oder als Antizionisten auftreten.

In Amerika hatten wir so einen Glücksfall lange nicht. Ronald Reagan kam der Idealfigur der Amerika-Verächter nahe. Aber er war dann nicht mehr zu gebrauchen, als er zusammen mit Gorbatschow den kalten Krieg beendete.

Barack Obama war der Schlimmste. Ein Amerikaner zum Verlieben, also ein Unding für Amerika-Hasser. Schwärzlich, cool, witzig, intelligent. Sowas hätten wir selber gerne gehabt. Der könnte heute noch die Merkel-Regierung retten, wenn er zu uns herüberwechseln würde und Merkels christlich-sozialdemokratisch-grün changierende Botschaft auf seine Art unters Volk brächte. Aber er hat besseres zu tun. Windsurfen zum Beispiel. Golf spielt er schon länger. Da war er noch Präsident und hatte viel Freizeit.

Donald Trump aber ist ein Geschenk des Himmels. Er und seine Familie sind die Geissens auf amerikanisch. Schrecklich glamourös. Stinkreich mit der Stilsicherheit bildungsferner Schichten. So hat man sich die Amerikaner schon immer vorgestellt. Und jetzt haben wir so einen Wunsch-Amerikaner im Weißen Haus. Hoffentlich bleibt er uns lange erhalten. Es gibt ja schon Spekulationen, dass er die vier Jahre nicht schafft. Wenn es so kommt, werden wir sehen, was wir davon haben. Mike Pence jedenfalls ist nicht der Traummann eines eingefleischten Anti-Amerikaners.

Trump ist gleichzeitig rechts und links

Das Gute an Trump ist außerdem, dass er gleichzeitig rechts und links ist. Dass er zum Beispiel das Freihandelsabkommen mit Europa kippt und damit einen Traum linker Bundesbürger wahr werden lässt. Und dass er sich als Putin-Versteher gibt, ist eine zweite Traumerfüllung.

Was wollen wir noch mehr? Na ja, dass er von uns mehr Rüstungsausgaben verlangt, ist nicht so schön. Wo kämen wir hin, wenn wir unsere Nato-Absprachen einhalten würden. Wer soll dann die Kitas bezahlen? Etwa wir selber? Die Amerikaner müssen ihre Kitas natürlich selber bezahlen müssen. Ein herzloses Volk.

Dass Donald Trump sein Land aus den internationalen Kriegshändeln herausziehen möchte, gefällt uns eigentlich sehr gut. Wer will schon, dass die Amerikaner immer den Weltpolizisten spielen? Andererseits: Dass Donald Trump sein Land aus den internationalen Kriegshändeln herausziehen möchte, geht gar nicht. Wer will schon, dass die Amerikaner nicht mehr den Weltpolizisten spielen? Können sie nicht beides tun? Weltpolizist sein ohne Weltpolizist zu sein? Das ist doch das Mindeste, was man von ihnen verlangen kann. Aber wahrscheinlich kriegen sie das nicht hin. Sie haben ja von der Welt keine Ahnung.

Dann muss eben Russland oder China die Polizeiaufgaben übernehmen. Auch gut, die stellen sich wenigstens nicht so an, wenn wir ihnen manipulierte Stinke-Autos verkaufen. 

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