Volker Seitz / 13.09.2017 / 06:16 / Foto: Salix / 9 / Seite ausdrucken

Das afrikanische Drama um die Wilderei

Französische Zöllner sind dieses Jahr sehr erfolgreich im Auffinden von Elfenbein und Hörnern von Rhinozerossen. 43 Kilogramm Elfenbein wurden kürzlich in Poitiers und 210 Kilogramm am Pariser Flughafen Roissy gefunden. Hinzu kam ein Horn eines Breitmaulnashorns von 14 Kilo. Besonders letzteres wird offenbar sehr teuer gehandelt. Europol beziffert den Wiederkaufswert von 1 Kilo Cannabis mit 8.000 Euro, Kokain und Gold mit je 35.000 Euro und Rhinozeros-Hörnern auf 55.000 Euro. Der Handel mit Rhinozeros-Hörnern ist also sehr lukrativ.

Artenschutzorganisationen schätzen, dass der Elfenbeinschmuggel mit einem Umsatz von rund 3 Milliarden US-Dollar (2,7 Milliarden Euro) pro Jahr im organisierten Verbrechen gleich nach dem Schmuggel von Drogen, Menschen und Waffen kommt. Der illegale Handel mit Wildtieren bedroht die politische und wirtschaftliche Stabilität in den betreffenden Ländern. Etwa 20 bis 30.000 Elefanten werden jedes Jahr in Afrika getötet. Neben den Folgen für die Umwelt und den Naturschutz wirkt sich Wilderei auch auf die lokalen Gemeinschaften der Staaten aus. Nach einer Studie der US Universitäten Vermont und Cambridge, die 2016 in „Nature Communications“ publiziert worden ist, verursacht die illegale Jagd Tourismus-Einbußen von jährlich 25 Millionen US Dollar (rund 23 Millionen Euro). Nashorn (oder Rhinozeros Präparate) sind längst zu einem Prestigeobjekt der Reichen in Vietnam und China geworden. Der Elfenbeinpreis steigt immer weiter. Die Nachfrage hat durch den wachsenden Reichtum in Asien enorm zugenommen. Dort gilt es als Statussymbol, Gegenstände aus Elfenbein zu besitzen.

Ebenso verhält es sich mit der Nachfrage nach Rhinozeros-Horn. Besonders Breitmaulnashörner (auch weiße Nashörner genannt), deren Hörner in diesen Ländern als Aphrodisiakum oder als Heilmittel zum Beispiel gegen Krebs gelten, finden reißenden Absatz. In Vietnam wird das Horn, das wie unsere Fingernägel aus Keratin besteht, pulverisiert. Der Export von Hörnern als Jagdtrophäe ist in Südafrika und Swasiland erlaubt. Insbesondere Vietnamesen nutzten den erlaubten Trophäenexport, um Nashörner in Südafrika zu jagen. Nach World Wildlife Fund (WWF) Angaben vergibt Südafrika inzwischen keine Jagdgenehmigungen mehr an Vietnamesen. Dafür kommen Jäger aus Osteuropa und verkaufen das Horn. Das Horn ist derart begehrt, dass einige Exemplare in Europa aus Museen und Universitäten gestohlen wurden. Europol hat 67 Diebstähle in Europa gezählt. Im März 2017 wurde im Zoo von Thoiry in Frankreich ein Nashorn abgeschlachtet, um an sein Horn zu kommen. Einige Zoos erwägen jetzt, das Horn abzuschneiden. Es wird auch damit experimentiert, es durch dauerhafte Färbung wertlos zu machen.  

Heizt legaler Verkauf die Wilderei an?

Elefantenstoßzähne erzielen 2.000 US Dollar pro Kilogramm. Mit dem Erlös werden immer modernere Waffen für die illegale Jagd beschafft.

Die südafrikanische Regierung plant den Verkauf von 16 Tonnen Nashorn, um der Wilderei von Nashörnern im Land die Spitze zu nehmen. Es handelt sich um Hörner von Tieren, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Der Handel mit Nashorn ist gemäß Richtlinien des Washingtoner Artenschutzabkommens seit 1977 verboten. Die südafrikanische Regierung will deshalb eine Ausnahme erwirken, wie sie 2008 Südafrika, Namibia, Botswana und Simbabwe für den Verkauf von Elfenbein gewährt wurde. Vom 23. bis 25. Juli 2017 versteigerte der weltweit größte Nashornzüchter John Hume 264 Nashorn-Hörner online. Es war der erste legale Verkauf von Hörnern, nachdem im April 2017 der Oberste Gerichtshof in Südafrika der Klage von Nashornzüchtern stattgegeben hatte. Natur-und Artenschützer wie der International Fund for Animal Welfare (IFAW) befürchten, dass jeder legale Verkauf die Nachfrage und somit die Wilderei anheizt und die Nashörner der Ausrottung  näher bringt.

Ein Zeichen gegen die Wilderei setzte im April 2016 Kenia. Unter großer Medienpräsenz wurden beschlagnahmte Stoßzähne von etwa 6.500 Elefanten und 1,35 Tonnen Rhinozeros-Horn verbrannt.

Knapp 20.000 Breitmaulnashörner leben heute im südlichen Afrika. Doch die Gier nach Horn könnte die Bestände in wenigen Jahren weiter dezimieren. Allein der Krüger Nationalpark beschäftigt über 4.000 Angestellte, davon hunderte Ranger mit modernstem Gerät (Geländefahrzeuge, Waffen, Hubschrauber, und sogar Drohnen), die den Park effektiv schützen sollen. Weil die Nachfrage boomt, steigt trotzdem die Zahl abgeschlachteter Nashörner fast jedes Jahr. Exotische Tierprodukte wie Elfenbein, Bärengalle, Tigerknochenpaste und neuerdings die aus Eselshaut gewonnene schwarze Gelatine gelten in Vietnam und China als Prestigeobjekte und symbolisieren den sozialen Aufstieg.

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“, das im Herbst 2014 in erweiterter siebter Auflage bei dtv erschienen ist. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.

Leserpost (9)
Volker Franzen / 13.09.2017

Hier treffen sich leider die Interessen der verschiedenen korrupten Eliten; die einen in Afrika sorgen dafür, dass geliefert wird, und die anderen in Asien sorgen für die Abnahme. Die Pflege von Aberglaube und Statussymbolen gehört dazu. Beide Seiten verdienen damit vermutlich irrsinnig viel Geld. Ein absolutes Trauerspiel. Ich bin allerdings nicht ganz sicher, ob nicht auch hierzulande viele “Liebhaber” dieses Geschäft beflügeln. Auf der Strecke bleibt die Natur, die Artenvielfalt, aber damit zugleich eine der wesentlichen Voraussetzungen für Tourismuseinnahmen in Afrika. Die Zahl der Leute, die den Ast absägen, auf dem sie selbst sitzen, wird offensichtlich nicht weniger. Diese Zusammenhänge müssen vor allem der jungen Generation Afrikas vermittelt werden. Damit wären wir wieder bei dem Thema BILDUNG ....

Andreas Rochow / 13.09.2017

@ Martin Landvoigt NGOs sind keine gute Idee. Ich denke schon, dass nationalstaatliche Regelungen - Gesetze genannt - durch eine (ode mehrere) selbsternannte Aktivistenvereinigung nicht ersetzt werden dürfen. Auch die Gesetzgebung unterliegt noch nicht NGOs. Kann ja mal kommen…

Martin Lederer / 13.09.2017

Soweit ich das sehe, ist es doch in erster Linie ein Problem, in das Afrika (dort sind die Tiere) und Asien (die allermeisten Kunden) verwickelt sind. Europa hat damit im Grunde nichts zu tun. Aber Europa ist ja die moralische Superinstanz (sonst ist Europa ja nichts anderes geblieben.) Deshalb müssen “wir” uns jetzt darum kümmern, weil “wir” ja für die ganze Welt verantwortlich sind.

Herbert Grüner / 13.09.2017

Dieser Artikel sollte alle am Erhalt der einmaligen afrikanischen Fauna interessierten Insitutionen und zwar auf internationaler Ebene wachrütteln. Hier geht es inzwischen um ein Erbe der Menschheit, das durch Gleichgültigkeit der Institutionen, die ernsthaft dagegen einschreiten könnten, aufs Spiel gesetzt wird. Als Fans des Krüger Parks in Südafrika waren meine Frau und ich vor 2 Jahren für 12 Tage in den Camps im Park. Am 2. und 3. Tag waren die ersten Nashörner, die wir sahen, von Wilderern getötete Tiere. Sie waren so nahe an der Straße abgeschlachtet worden, dass wir sie sehen konnten. In beiden Fällen wurden wir aufmerksam, weil sich jeweils eine Unzahl von Geiern in umliegenden Bäumen und in der Nähe der Kadaver bzw. auf dem Kadaver selbst versammelt hatten. Eines der Tiere war so nahe, dass uns schon von weitem der Aasgestank entgegenschlug. Dann sahen wir über eine Woche kein einziges Nashorn mehr. Wir haben uns mit Rangern über diese Problematik unterhalten. Diese erzählten uns u.A., dass Kollegen von ihnen 3 Jahresgehälter geboten werden, wenn sie eine Information nur darüber abgeben, ob sich überhaupt Nashörner in einer gewissen Region aufhalten - und da kann man sich vorstellen, dass da manches Rangerherz schwach werden kann, wenn eine große Familie zu Hause von seinem einzigen Einkommen abhängig ist. Das deutet auch darauf hin, dass die Suche von potentiellen Wilderern mit Hubschraubern ablaufen dürfte. Was uns verstört hat, war die Tatsache, dass die oben erwähnten getöteten Tiere so nahe an der Straße niedergemacht werden konnten, ohne dass Ranger eingegriffen haben. Entsprechend den offiziellen Aufrufen, teilten wir im nächsten Camp mit, was wir gesehen hatten, wurden dabei dann mit dem beruhigenden Hinweis beschieden, das sei schon bekannt. Die Ranger wissen normalerweise ganz genau, wo sich ihre Tiere aufhalten und es wäre u.E. mit Sicherheit ein Leichtes gewesen, mit regelmäßigen Streifen an den beiden Stellen zu kontrollieren. Das hat uns schon zu denken gegeben! An den Parkausfahrten werden ausnahmslos sämtliche Fahrzeuge, insbesondere deren Kofferräume inspiziert, die dazu geöffnet werden müssen, so dass bei regulärer Vorgehensweise ein Herausschmuggeln von “Mitbringseln” aus dem Parkgelände, gleich welcher Art auch immer, nicht möglich ist. Hörner von Nashörnern können dabei auf keinen Fall übersehen werden. Es gibt aber einen Flugplatz im Hauptcamp “Skukuza” des Krügerparks. Man kann sich da manche Gedanken machen, ob und wie dort “Premiumsbesucher” mit Privatflugzeugen kontrolliert werden und welche Stücke im Frachtteil der Flugzeuge selbst transportiert werden (“dürfen”?). Jedenfalls ist angesichts der offiziellen Politik der Parkverwaltung, welche das Bekämpfen dieser Wilderei als höchste Priorität einstuft, unverständlich, wie eine solch hohe Anzahl an Nashorntrophäen aus dem Park herausgeschafft werden kann, ohne dass dieses irgendwo auffällt. Wir wünschen dem Krüger Park aus innerer Verbundenheit, dass die Verantwortlichen dieses Problem bald und effektiv in den Griff bekommen.

Frank Müller / 13.09.2017

Was den Asiaten diverse Teile bedrohter Arten sind, ist uns Europäern die Homöopathie. Aber wenigstens werden dafür keine Tiere ausgerottet, sondern nur das logische Denkvermögen der hiesigen Bevölkerung,

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