Gastautor / 23.02.2016 / 18:00 / 9

Clausnitz und die Suche nach dem verlorenen Schlüssel

Von Oliver Zimski

Seit drei Tagen läuft die mediale Empörungsmaschinerie wegen der „hässlichen Bilder“ von Clausnitz einmal mehr auf Hochtouren, und alle mischen mit, vom rbb-Inforadio über das heute-Journal bis zur Bild-Zeitung.

In dem sächsischen Dorf hatten 100 Demonstranten Sprechchöre gerufen und zwei Stunden lang einen Reisebus mit neu eintreffenden Asylbewerbern blockiert. Natürlich haben sie sich dabei die Falschen ausgesucht. Die richtigen Adressaten für ihren Unmut sitzen nicht in den Bussen mit Zuwanderern, sondern in Kanzleramt und Bundestag. Diejenigen, die da beschimpft wurden, sind ja auch nur Opfer der völlig durchgeknallten Willkommenspolitik. Diejenigen, die kommen, kann diese Politik nur enttäuschen, die hier sind, wird sie zunehmend auf die Straße bringen. Doch auf genau solche Zusammenstöße scheinen ihre Urheber nur gewartet zu haben und legen noch ein paar Scheite aufs Feuer.

„Widerlich und abscheulich“ schimpfte Justizminister Heiko Maas. Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Thomas Oppermann schämte sich öffentlich für Deutschlands „hässliches Gesicht“ und sprach von „Polizeiversagen“. Am Tag darauf verglich sein innenpolitischer Sprecher Burkhard Lischka angesichts des Brandes einer leerstehenden Flüchtlingsunterkunft in Bautzen, bei dem die Löscharbeiten durch betrunkene Gaffer behindert wurden, Sachsen gar mit einem „failed state“. Ein Lokalpolitiker warf den Demonstranten ihre „fehlende Dialogbereitschaft“ vor – und spätestens hier machen sich die Kritiker lächerlich.

Welcher Dialog denn? Friss, Vogel, oder stirb, lautet das Dialogangebot der Merkelschen Zuwanderungspolitik, was konkret heißt: Nimm widerspruchslos hin, dass ich dir 500 Asylbewerber in dein Dorf setze, oder ich lasse dich als „rechtsextremen Hetzer“ brandmarken. Alles, was diese Bundesregierung „geschafft“ hat, ist, ihre eigene Feigheit und Entscheidungsschwäche bis in den letzten Winkel der Kommunalpolitik auszubreiten. Sie hat die Bürger entmündigt, Politik über deren Köpfe hinweg betrieben, sie – wenn sie friedlich protestierten – als „Mob“ beschimpft und heuchelt nun Empörung, da sich unter denen, die ohnmächtig die Faust in der Tasche ballen, hie und da tatsächlich der rechte Mob durchsetzt.

In Wahrheit dienen ihr die Vorfälle von Clausnitz und Bautzen als willkommene Gelegenheit, für ein paar Tage vom eigenen innen- und außenpolitischen Totalversagen abzulenken. Moralisieren als Politikersatz. Dem Herrn Lischka möchte man spontan zustimmen, allerdings nicht nur in Bezug auf Sachsen: ganz Deutschland ist auf dem Weg, ein gescheiterter Staat zu werden.

In den vergangenen zwölf Monaten sind rund 1,5 Millionen Asylbewerber ins Land geströmt. Niemand kennt ihre genaue Zahl, keiner weiß, wie viele echte Kriegsflüchtlinge darunter waren. Sicher ist nur, dass uns die „Willkommenskultur“ viele Milliarden kosten wird und dass weiterhin massenhaft Menschen ins Land gelassen werden, die hier in ihrer Mehrheit keinerlei realistische Lebensperspektive haben. Trotzdem hätte die Politik angesichts der großen Hilfsbereitschaft in der einheimischen Bevölkerung nachhaltig Empathie und Solidarität aktivieren können, wenn sie konsequent zwischen Kriegsflüchtlingen und Wirtschaftsmigranten unterschieden hätte.

Die Chance wurde vertan, weil eine große Koalition aus Politik und Medien die notwendige Differenzierung verweigert und dafür sogar in Kauf nimmt, dass sich Kriegsverbrecher oder islamistische Terroristen unter die Einwanderer mischen.

Stattdessen ist es der linksradikalen Refugees-Welcome-Bewegung monatelang gelungen, Politik und Medien ihre „Nazis-raus-Flüchtlinge-rein“-Agenda aufzudrängen, auch weil maßgebliche Teile der deutschen Eliten anfällig sind für eine krude Ideologie, die von der rassistischen Verachtung des Eigenen und der naiven Verherrlichung alles Fremden geprägt ist. Eine Ideologie, die Deutschland als eine Art neutrales Siedlungsgebiet für Dritte-Welt-Zuwanderer ansieht, ohne dass die hier seit Jahrhunderten ansässige Bevölkerung dabei auch nur das geringste Wörtchen mitzureden hätte. So träumte der Tagesspiegel-Kolumnist Peter von Becker bereits im Sommer 2014 davon , in den „schönen, dünn besiedelten Weiten von Brandenburg oder MeckPomm“ ein paar hunderttausend „neue deutsche Weltbürger“, etwa „vertriebene afrikanische Bauern“, anzusiedeln, durch deren „Stärke und Präsenz“ sich das Problem der dortigen Fremdenfeindlichkeit ganz von selbst erledigen würde.

Haben von Becker und seine Gesinnungsgenossen ernsthaft geglaubt, diese „Ansiedlung“ würde ohne jeden Widerspruch der dort (noch) lebenden Deutschen vor sich gehen? Sie tragen eine erhebliche Mitschuld daran, wenn verängstigt-radikalisierte Teile der einheimischen Bevölkerung nun anfangen, unterschiedslos alle, die „fremd“ aussehen, über einen Kamm zu scheren. Das ist dumm und ungerecht, aber mit welchem Recht verlangen die Eliten von den einfachen Bürgern eine Differenzierung, die sie selbst nicht bereit sind zu leisten?

Im Zuge der ungeregelten Massenzuwanderung droht Deutschland in ethnisch-kulturell-religiöse Parallelgesellschaften zu zerfallen, und zwar ohne das einigende Band eines starken Patriotismus, wie in klassischen Einwanderungsländern wie den USA selbstverständlich und unverzichtbar ist. So wird der Sog der Merkelschen Willkommenskultur für viele der angelockten Zuwanderer – mangels realer Lebensperspektiven – zum Sog in die Kriminalität.

Menschenhandel, Prostitution und Drogenschmuggel gedeihen wie nie zuvor. 5000 Flüchtlingskinder sind verschwunden, man munkelt von internationalen Kinderhändlerringen. Unaufhaltsam wächst die Zahl der No-go-areas in deutschen Städten, in Berlin etwa rund um das Kottbusser Tor, wo seit Monaten Rotten von mutmaßlichen Nordafrikanern ungestört und ungestraft Passanten berauben und verletzen. Und in deutschen Heimen werden christliche Flüchtlinge, die nur ihr nacktes Leben vor dem IS retten konnten, von muslimischen Mitbewohnern schikaniert, bedroht und misshandelt.

DAS ist eine Schande! Aber von alledem hört und sieht man sehr wenig. Denn viele recherchefaule und konformitätssüchtige deutsche Medien suchen den verlorenen Schlüssel immer nur im Lichtkegel der hellsten Straßenlaterne. Dort, wo gerade jemand zufällig ein Handyvideo gemacht hat, das in ihr ideologisches Raster passt. Deshalb müssen sie jetzt wieder einmal herumrätseln, woher bloß die „Fremdenfeindlichkeit“ in Sachsen rührt. Und ausgerechnet diejenigen Politiker, die seit Jahr und Tag alles dafür getan haben, um den inneren Zusammenhalt dieses Landes zu schwächen, appellieren an Deutschlands moralische Verantwortung. Absurd, aber wohl erst der Anfang. Vermutlich wird es in nächster Zeit noch viele „hässliche Bilder“ geben. So ist das eben, wenn ein ganzes Land mutwillig ins Chaos gestürzt wird.

Oliver Zimski ist Übersetzer, Sozialarbeiter und Autor. 2015 erschien sein Kriminalroman „Wiosna – tödlicher Frühling“.

Leserpost (9)
Bernhard Müller / 24.02.2016

Ausgesprochen guter Artikel, der die Verhältnismäßigkeit beleuchtet. Vor allem das Bild Deutschlands im Ausland wird von der “angepassten” Presse völlig falsch dargestellt. Fängt man jetzt an, die Demonstration von 100 Personen in Sachsen gegen 2000 geduldete kriminelle Nordafrikaner in Köln aufzurechnen? Das kann nicht gut gehen. Der Clan um Merkel sperrt sich aber dagegen.

Arno Besendonk / 24.02.2016

Recherchefaul - den Eindruck hatte ich beim Lesen meines “Holzmediums” auch. Recherchiert wird vom Sofa aus. Von dem aus das Dschungelcamp nacherzählt wird.

Stefanie Zeidler / 24.02.2016

Was die Clausnitzer getan haben war in erster Linie einmal einfach dumm: sie haben Leute beschimpft, mit denen sie in nächster Zeit in Nachbarschaft leben müssen. Da geht es nicht um Politik, sondern um ein praktisches Miteinanderauskommen. Die Reaktion der Flüchtlinge im Bus ist auf der anderen Seite mindestens genauso erschreckend: die Menschen wollen hier aufgenommen und ausgehalten werden und reagieren mit Provokationen und Verachtung. Man könnte sagen: da haben sich zwei Gruppen gefunden, die einander verdient haben. Dann gibt es aber noch eine weitere Ebene: der Bus stand zwei Stunden im Ort herum bis Verstärkung für die Polizei kam und bot reichlichlich Gelegenheit zur Eskalation. Das zeigt wie überlastet die Polizei ist. Zum Glück konnte die Situation ohne Verletzte und ohne Sachschaden gelöst werden: eigentlich hätten die Beamten dafür ein großes Lob verdient.   Als ich dann hörte, dass der Heimleiter AfD-Mitglied ist, kam mir dann irgendwie der Wahlkampf in den Sinn. Fast zeitgleich brannte in Bautzen eine Asylbewerberunterkunft unter Jubel von ein paar versprengten Idioten. Da klingelte irgendwas im Hinterkopf: Wie Rostock-Lichtenhagen… Ich komme mir irgendwie schon ein bisschen wie ein Aluhutträger vor, aber diese Bilder wirken fast wie bestellt; sie bilden das Gegenbild, das Gegennarrativ zu den Teddybären-Werfen und Frau Merkels Selfies-im-Sonnenschein. So böse es klingt: diese Bilder bewirken mehr, dass schiefe Bild von Deutschland bei den Mühseligen und Beladenen dieser Welt auszugleichen als jeder noch so vernünftige und Gutgemeinte Kommentar auf der Achse oder anderswo im Netz. Wir Sachsen spielen in dieser Geschichte eben den dummen August, den Bad-Cop, den bösen Clown. Damit kann ich Leben. So wie die Pleitegriechen oder die rassistischen und unsolidarischen Polen, Ungarn usw., lebt dieses Bild eigentlich nur in den Medien. Wer in der Realität lebt weiß es besser. Und “unser” Image - das Deutsche? Klar: wir wollen beliebt sein, die guten Europäer sein, die aus der Geschichte gelernt haben usw. Selbst die Kritiker der Einwanderung wollen anständig und höflich sein und auf keinen Fall die Flüchtlinge selbst kritisieren oder angreifen. So wird es nicht laufen, auch den falschen Flüchlingen muss klar gemacht werden: Ihr seid nicht willkommen. Es gibt keinen Rechtsanspruch auf ein freundliches Gesicht.

Karsten Paulsen / 24.02.2016

Wir verstehen Euch da oben! Die deutschen “Leitmedien” suchen vorgeblich auf sämtlichen Kanälen nach Erklärungsmustern für die Empörung in (jetzt bin ich mal vorsichtig) in Teilen dieser Gesellschaft. Leider versagen sie an ihrer Aufgabe völlig, da (die Zeit geht da voran) nur so tun als ob sie nach Erklärungsmustern suchen. In Wirklichkeit enden diese manchmal sehr ausführlichen Artikel und Kommentare immer gleich: Das ist rechts, fremdenfeindlich und muss bekämpft werden. Die jetzt sichtbare Empörung speist sich aus älteren Quellen: Jahrzehntelang haben uns die Parteien vor den Wahlen Versprechungen gemacht, die sie selbst nie einhalten wollten. Von oben herab wurde in bester Erklär-Bär-Manier dem Wahlvolk beschieden, die Zusammenhänge, ach so komplizierter Politik, nicht verstehen zu können. Diese arrogante Verhalten unserer Eliten kulminiert dann zu Sätzen wie: “Uns ist es nicht gelungen dies und das zu vermitteln”. Übersetzen kann man das ungefähr so: “Ihr da unten seid zu doof das zu kapieren.” Anstatt Politik auszuführen, sich also um brisantere Themen zu kümmern, wie die immer weiter wachsende Verarmung weiter Teile unserer Bevölkerung, also Themen über soziale Gerechtigkeit und den daraus resultierenden Zusammenhalt der Gesellschaft zu beackern, reist die Kanzlerin und ihre Entourage lieber im Weltgefüge umher um globale Probleme als Politikersatz zu konferieren. Wichtige Entscheidungen in den letzten Jahrzehnten wurden unter Auschluss des Volkes durchgeführt, z. B. die Einführung des Euro. Die Verlagerung wichtiger Entscheidungen in eine monströse EU Bürokratie verstärkt das Gefühl nicht mehr gefragt, nichts mehr machen zu können. Dazu passen auch die massiven Parteiaustritte in den letzten Jahren. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit gepaart mit der Arroganz der Eliten plus des linksliberalen Mainstream und den daraus resultierenden Denkverboten haben den Druck nun so erhöht, dass der Topf überkocht. Die Aufkündigung des sozialen Friedens haben unsere Bundesparteien seit Schröder aktiv selbst betrieben, die Menschen begreifen das. Das der Protest an die Adresse der Flüchtlinge falsch ist, ist auch den Protestieren klar, aber wo sollen sie den hin mit dem Ärger hin, wird der Flüchtling doch gleich als Lohndrücker (Mindestlohndebatte) empfohlen. Hier hetzen die Politiker die Einheimischen gegen die Flüchtlinge auf!

Doris Kneis / 24.02.2016

Wollen Sie ein Buch verkaufen? Machen Sie sich einfach zum Sprachrohr der “Achse des Bösen/Guten” (nicht von Relevanz). Das intellektuelle Niveau der Bildzeitung ist vollkommen ausreichend, sowohl hinsichtlich der Formulierung (bitte sehr emotional) als auch der Zahlen (man vermische Belegbares mit Fantastereien). Wichtig: Vergessen Sie den seriösen Anstrich nicht. Man nehme ein paar historische Bezüge. Uns schon sind Sie ein Gastautor, wobei natürlich Ihr neuestes Buch erwähnt werden sollte, wenn auch nur am Ende.

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