Dirk Maxeiner / 05.02.2016 / 10:12 / 5 / Seite ausdrucken

Bargeld-Verbot: Nicht nur Enteignung, sondern auch Entmündigung

Beinahe gleichzeitig verkünden Mario Draghi die Abschaffung des 500 Euro Scheins und Finanzminister Schäuble das Ende der freien Wahl des Zahlungsmittels. Die Barzahlung von Summen über 5.000 Euro soll In Deutschland ab nächstes Jahr verboten werden.

Das erinnert mich an einen Bekannten in Argentinien, der mir dort nach der Staatspleite 2000/2001 sagte: "Wartet nur ab, wir sind das Versuchskaninchen, Ihr kommt auch noch an die Reihe.“ Über Nacht konnten die Argentinier nicht mehr auf ihre Konten zugreifen, schon gar nicht auf in Dollar scheinbar sicher angelegtes Geld. Eine Obergrenze von 250 Peso die Woche für das Abheben von Bargeld wurde eingeführt. Der Hintergrund war, einen Umtausch der Währung in Dollar zu verhindern, da sonst das Bankensystem Giro- und Sparkonten nicht mehr hätte auszahlen können.

„Keiner, der bei Trost ist, lässt in diesem Land noch sein Geld auf der Bank“, sagte man mir bei einem Besuch in jüngerer Zeit dort. Die Menschen legen ihr Geld lieber unters Kopfkissen, als es dem staatlichen Zugriff auszuliefern. Sie wollen sich schlicht noch ein Stück private Autonomie bewahren. Und genau das soll die faktische Abschaffung des Bargeldes verhindern.

Wie immer bei solchen Maßnahmen wird der „Schutz“ der Menschen vor irgendetwas angeführt, um die Bürger danach mit der neuen Regelung selbst zu knechten. War es hierzulande Anfangs so gedacht (respektive es wurde behauptet), dass Konten von den Behörden nur beim Verdacht auf kriminelle Machenschaften eingesehen werden sollten, so ist es inzwischen gängige Praxis für die Finanzbehörden systematisch und routinemäßig in den Bankdaten der Bürger herumzuschnüffeln.

Und jetzt ist es also der Schutz vor Terrorismus, der die letzte Bastion der privaten Autonomie in diesem Lande beseitigen soll. Gerade so als ob die Verbrecher von der IS künftig den Kaufpreis für ihre Kalaschnikows per Überweisung durch die Sparkasse Eimsbüttel statt in Cash begleichen.

Noch nicht einmal der Hinweis stimmt, dass es andernorts längst solche Vorschriften gäbe. Erstens ist das kein Argument. Und zweitens muss man sich die Fälle näher anschauen:  In Spanien beispielsweise beziehen sich die Bargeld-Grenzen lediglich auf Geschäfte von Unternehmen, nicht aber von Privatpersonen. Und was das vielzitierte Amerika angeht, in dem die Leute angeblich längst alles per Kreditkarte bezahlen: In einem normalen Monat nutzen die Amerikaner Bargeld für 40 Prozent all ihrer Einkäufe, damit ist Bargeld die populärste Zahlungsmethode vor Bankkarten (Quelle FAZ von heute/Wirtschaft)

Leser von achgut.com sind in der Regel etwas früher informiert, schon vor zwei Jahren war hier auf der Achse zu lesen:

Bargeld ist eine Bastion des freien Bürgers gegen seine fortschreitende Versklavung. Deshalb wird es zunehmend geächtet: Finanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnet es als "intransparentes Zahlungsmittel", das vor allem "Geldwäschern" zugutekomme, die dessen Herkunft verschleiern wollten.

Schäuble sagt so etwas nicht unbedacht – sondern um anzutesten, wie groß der Aufschrei der Empörung ist. Die Tatsache, dass es keinen Aufschrei gab, lässt nichts Gutes erwarten. Und die gängige Schnüffelpraxis auch nicht: Als der Bildersammler Cornelius Gurlitt legal mit einer Summe von 9000 Euro in bar (10.000 Euro sind erlaubt) aus der Schweiz nach Deutschland einreiste, wurden sofort verdeckte Ermittlungen eingeleitet. Wer Bargeld besitzt, wird kriminalisiert.“

Wer künftig kein Girokonto besitzt, obwohl er das Recht darauf hat, macht sich höchst verdächtig. Die Menschen sollen sich vor staatlichen Zugriffen und unsicheren Banken nicht mehr ins Bare flüchten können. Vor allem aber: Es gibt dann auch keine Möglichkeit mehr sich Negativzinsen zu entziehen. Wer gezwungen ist, sein Geld auf einem Konto zu deponieren, kann umso hemmungloser für die Aufbewahrung dort zur Kasse gebeten werden.

Die  Abschaffung des Bargeldes gibt dem Staat endlich die Möglichkeit an die Hand, das Privatleben seiner Bürger vollständig zu kontrollieren: Drei Fernflüge pro Jahr? Ist das denn erlaubt, oder müssen wir uns aus Klimaschutzgründen mit einem Flug begnügen? Da verweigert dann die Kreditkarte das frevelhafte Ansinnen. Die Abschaffung des Bargeldes ist ein weiterer Schritt hin zu einem totalitären Überwachungsstaat. Nannys, ökologische Betschwestern und staatliche Raffzähne werden zur Höchstform auflaufen. Da können die Märchenonkel Draghi und Schäuble erzählen, was sie wollen.

 

 

 

 

 

Leserpost (5)
Manfred Fischer / 06.02.2016

Ergänzend hierzu wäre zu bemerken, das (Papier-)Bargeld (nur) ein, und das ist der entscheidende Punkt, SCHRIFTLICHES belegbares VERSPRECHEN auf einen Leistungs- bzw. Zahlungsanspruch der Banken an den jeweiligen Inhaber (=Bürger) darstellt. Die Banken und deren Lobby wollen nun verhindern, dass der Bürger durch eigene Entscheidung die Finanzströme, unter Umständen zu Ungunsten der Banken beeinflussen können. Daher soll durch Abschaffung des Bargeldes versucht werden, dieses schriftliche (einforderbare) Versprechen durch ein quasi moralisches (kaum einforderbares) Verspechen zu ersetzen. Der nächste Schritt zur Entmündigung. Angegefangen hat das ganze schon jedoch am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, an der man von der Gold-Währung, also der tatsächlichen Wertbindung des Geldes abgerückt ist. Seither kontrollieren Staat und Banken die Menge und den Wert des Geldes. So wird aus jedem Euro den man einer Bank anvertraut - wie aus dem Nichts - ein Vielfaches was wiederum als Kredit an Kunden (meist unbar) ausgegeben wird. Und niemand (auch nicht die Banken selbst) kann sagen wieviel “virtuelles” Geld existiert aber JEDER vernünftig denkende Mensch weiss, dass dieses Geld niemals zurückbezahlt werden kann. Die Leidtragenen sind die Menschen, die auf das Geld vertrauen!

Wolfgang Richter / 06.02.2016

Die Idee der Beschränkungen im Bargeldverkehr dient einzig dem weiteren Ausbau des obrigkeitsgenehmen “gläsernen Bürgers”. Während der deutsche Untertan bei jeder vermeintlichen Einschränkung des Schutzes seiner Daten auf die Barrikaden geht, hat er merkwürdigerweise schon seit Jahren akzeptiert, daß er ein “gläsernes” Konto hat u. der Staat über seine Finanzverwaltung bei dessen “Bedarf” inzwischen jede Kontobewegung einsehen kann. Und nach den gelegentlich in die Öffentlichkeit getragenen Zahlen, haben die Zugriffe der Finanzbehörden in den letzten Jahren massiv zugenommen. Zum vorgeschobenen Grund zur Beschränkung des Bargeldverkehrs, die Bekämpfung der organisierten Kriminalität u. des Terrorismus’ , wird jedem klar sein u. ist mit zahlreichen Beispielen aus der Vergangenheit belegbar, daß diese Kreise rechtzeitig Mittel u. Wege zur Abwicklung ihrer Geschäfte organisieren werden, und wenn dazu die Gründung einer eigenen Bank erforderlich sein sollte, wer wollte es verhindern. Und quasi Untergrund-Zahlungssysteme, wie z.B. das unter Rechtgläubigen gebräuchliche namens “Hawala”, mittels derer gerade auch international Geldgeschäfte abgewickelt werden, daß ganze auch noch ohne irgend welche Belege, wird man mit der diesbezüglich an Naivität kaum zu überbietenden Regierungsmaßnahme nicht einmal antasten können. Und somit sind Kontrollen im Bereich des Geldverkehrs unter Islamisten, die nun mal einen nicht geringen Anteil am derzeit aktiven Terroristenpersonal stellen, eher ausgeschlossen.

Niels Dettenbach / 06.02.2016

Sehr guter Artikel! Allerdings ist die “Negativzinstheorie” Unsinn, denn der Staat enteignet viel leichter mittels Inflation und anderen Maßnahmen. Virtuelles Geld ist nicht zwingend an verzinste Lagerungsformen, ja nicht mal eine Bank gebunden. Die neue Macht des Staates mittels seiner achso unabhängigen Staatsmonopolwährung ist enorm, die Grenzen der Möglichkeiten der Enteignung sind kaum abschätzbar und die Kontrolle / Überwachung jeden Bürgers durch unseren Staat ist faktisch unbeschränkt möglich. Er bekommt sogar die Möglichkeit, Menschen an der Flucht in andere Länder zu behindern oder zumindest die Mitnahme von Vermögen / Eigentum zu unterbinden, so wie die sozialistische DDR es mit jedem tat, der ihren “Errungenschaften” entfliehen wollte. Das nur als Korrektur-Hinweis. Der 85% Sozialismus im heutigen Deutschland wird früh genug die 100% Marke tangieren - dann werden auch die letzten wach werden und merken, welch ungeheure Macht sie da einer Kaste aus Berufsmachtinteressenten überdie Jahrzehnte sorglos über ließen.

Claudia Dorfner / 05.02.2016

keinen Aufschrei - ja, aber WO sollte man aufschreien?

Tomas Reiffer / 05.02.2016

Das Problem ist, wen betrifft dieses Verbot im Konkreten? Wie oft begleicht der Durchschnittsmensch im Leben eine so hohe Rechnung in bar? ein Mal, zwei Mal oder doch nur 0,1 Mal? Ich selbst habe es in meinen knapp 35 Lenzen (=halbes Leben) exakt einmal erlebt, als mein Vater zwei Zimmermännern und Freunden der Familie je 4.000 DM in bar gegeben hat für einen Anbau ans Haus. Die zweitgrößte Rechnung war mein erstes Auto, ein Opel Kadett B, der für 600 Euro bar an einen der fliegenden Händler mit den Visitenkarten ging. Das wars dann auch schon. Aus praktischer Perspektive ist es vielleicht ein 1 Prozent Problem für Galleristen, Privatauktionäre und Weingutbetreiber und deren Kundschaft. Aus ideeller Perspektive sind es vielleicht weitere 10 Prozent aus dem liberal-libertären Lager plus einige verirrte Wertkonservative, die es ablehnen. Auf der Gegenseite gibt es hingegen Sozialisten, die noch die letzte Gelegenheit für Steuern und fiskale Überwachung der “reichen Schweine” nutzen wollen, ich schätze Mal 15%, sowie die bedingungslose Recht-und-Ordnungsfraktion, die nochmal 5% ausmachen. Für die absolut-absolute Mehrheit der Bevölkerung hat ein Verbot weder praktische Bedeutung, noch eine ideelle Relevanz und die unbedingten Gegner des Bargeldes sind zahlreich. Daher wird das Verbot kommen, garantiert. Die Mafia wird dann auf Gold umsteigen müssen, was wiederum schön ist für Sammler. Der Gomorrah-Goldtaler darf in keiner Sammlung fehlen! PS: Positiv überrascht bin ich über die Haltung der Grünen in der Sache. Chapeau, hin und wieder findet das blindeste Huhn im Politstall dann doch noch ein Korn.

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