Michael Miersch (Archiv) / 14.10.2012 / 10:20 / 0 / Seite ausdrucken

Ausstieg aus dem Ausstieg?

Die Leserdebatte auf FOCUS-Online hat diese Woche das Thema “Soll der Atomausstieg verschoben werden, damit Strom nicht noch teurer wird?”?

Wer mitdiskutieren möchte, kann mittels Kommentar-Funktion hier seine Meinung schreiben:
http://www.focus.de/magazin/debatte/focus-leserdebatte-soll-der-atomausstieg-verschoben-werden_aid_837813.html

Oder eine E-Mail an debatte@focus-magazin.de schicken.
Die interessantesten Beiträge druckt FOCUS in der nächsten Ausgabe des Magazins ab.

In der aktuellen Ausgabe (Nr. 42/12), die ab Montag am Kiosk liegt, finden Sie einen grafischen Überblick (“Brennpunkt”) über die Energiezukunft: Sieben Ländern (China, USA, Indien, Russland, Frankreich, Großbritannien und Deutschland) und ihre Zukunftspläne für die Stromversorgung. Außerdem: Wie hoch ist der deutsche Anteil am globalen CO2-Ausstoß?

Dazu ein Kommentar von mir, über den deutschen Energie-Sonderweg, den Sie hier schon mal lesen können:

Litauen sei zu arm für Wind- und Sonnenstrom, erklärte Ministerpräsident Andrius Kubilius und plädierte für ein neues Atomkraftwerk in seinem Land. Deutschland hingegen sei so reich, dass es sich höhere Energiepreise leisten könne.

Kann es das? Durch einen beispiellosen ökonomischen Kraftakt will die Bundesregierung die bewährten Energieversorgungssysteme verschrotten und die Stromgewinnung auf Wind- und Sonnenkraft umstellen.

Verbraucherverbände schätzen, dass 2011 bis zu 800?000 Haushalten in Deutschland der Strom abgestellt wurde, weil sie ihre Rechnung nicht be-zahlen konnten. Die

Bundesnetzagentur gab gerade bekannt, dass 2013 die Strompreise nochmals kräftig steigen werden, da die Umlage zur Förderung von Wind- und Solarenergie erneut erhöht wird.

Gewerkschaften befürchten den Abbau von 20?000 Arbeitsplätzen in der deutschen Energiewirtschaft.

Unterdessen wurden Studien bekannt, die aufzeigen, dass in wärmegedämmten Häusern mehr und nicht weniger Energie verbraucht wird. Weil die Dämmstoffe im Gegensatz zu Mauern die Wärme der Wintersonne nicht aufnehmen.

Stromarmut, höhere Kosten für die Bürger, Vernichtung von Arbeitsplätzen, Energie-
verschwendung, wo Energiesparen draufsteht: Dies sind lediglich die aktuellsten Meldungen aus einer Serie schlechter Nachrichten.

Dennoch ziehen die Grünen in allen Parteien durch die Lande und tun so, als sei Deutschland Vorbild für die Welt. Die anderen hätten nur noch nicht gemerkt, dass die Kombination aus Atomausstieg und Reduktion der Kohlendioxidemissionen das ultimative Zukunftsprogramm sei. Das Gegenteil ist wahr: Siehe Brennpunkt Seite 118/119. Deutschland marschiert voran, und keiner folgt. Außer Österreich und – viel langsamer und mit Hintertürchen – die Schweiz.

Was ist, wenn die anderen doch nicht so naiv oder verantwortungslos sind, wie sie aus grün-deutscher Perspektive gern dargestellt werden? Selbst Al Gore rät mittlerweile nicht mehr, in Solar- und Windkraftwerke zu investieren. Denn die eigentliche Energierevolution spielt sich in Amerika ab. Dort sind sich Demokraten und Republikaner trotz des Wahlkampfs einig, dass die Energie der Zukunft unter der Erde liegt, in Form von Schiefergas. Laut Bundesanstalt für Geowissenschaften schlummern auch in deutschen Böden erhebliche Mengen davon. Doch Berlin hat sich auf die teuersten Formen der Energiegewinnung festgelegt.

Den Bürgern, die ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können, bietet der Umweltminister kostenlose Energieberatung. Und wer nicht genug zu Essen hat, bekommt demnächst einen Diätberater ins Haus geschickt.

 

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