Peter Grimm / 08.09.2017 / 06:15 / Foto: Jonathunder / 9 / Seite ausdrucken

Aufklärung von Dr. Özoguz über deutsche Parteien

Was wählen eigentlich die Muslime, die einen deutschen Pass haben, am 24. September? Wählen sie überhaupt? Die Türken unter ihnen haben immerhin eine Wahlempfehlung des Mannes bekommen, der sich immer noch als ihr Präsident sieht, denn wer Türke ist, bleibt Türke. Im deutschen Pass mancher Landeskinder sieht er allenfalls eine nützliche Hilfs-Staatsbürgerschaft.

Doch nicht alle Türken in Deutschland mit deutschem Pass mögen den starken Mann aus Ankara. Und seine Wahlempfehlung war auch reichlich unkonkret, denn sie beschränkte sich darauf, vor der Wahl von CDU, SPD und Grünen zu warnen. Außerdem gibt es ja da noch viele gläubige Muslime, die keine Türken sind und deshalb nicht nach türkischen Interessen in Deutschland wählen wollen, wohl aber möglichst islamisch.

Unter diesem Gesichtspunkt werden die deutschen Parteien in den Medien aber kaum betrachtet. Zum Glück kümmert sich Dr.Yavuz Özoguz um Allahs wahlwillige Deutsche und erklärt auf der Seite Muslim Markt, die er zusammen mit seinem Bruder Gürhan betreibt, welche Parteien man denn als Muslim wählen kann und welche nicht.

"Für Muslime nicht wählbar"

Dr. Yavuz Özoguz würde seine Schwester Aydan Özoguz (die sich von von ihm distanziert hat), ihres Zeichens Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, jedenfalls nicht wählen, beziehungsweise nicht ihre Partei, denn er schreibt in seinen muslimischen Wahlempfehlungen: „Die SPD ist für mich als Muslim nicht wählbar, da alles, was ich über die CDU geschrieben habe auch für die SPD gilt.“ Also gut, dann müssen wir wohl nachschauen, was Dr. Özoguz zur CDU zu sagen hat:

„Die CDU ist für mich als Muslim nicht wählbar, da die Kanzlerin und ihr Gefolge nicht an erster Stelle die Interessen meiner Heimat Deutschland vertreten sondern die Interessen Israels und der USA. Die Regierung schickt deutsche Soldaten an der Seite der USA in teils völkerrechtswidrige Kriege (nennt das aber Friedensmission). Sie schickt Waffen in Kriegsgebiete (nennt das aber Friedenssicherung) und unterstützt die übelsten Diktatoren der Welt. Im weltweiten Wirtschaftskrieg der USA gegen Konkurrenten werden deutsche Interessen verraten. Selbst die moralischen Aspekte und Werte wie Ehe und Familie wurden von den Konservativen auf den Kopf gestellt. Unter der Regierung der CDU sind die Reichen reicher geworden und die Schere zwischen Reich und Arm ist auseinandergedriftet. Bei der Politik gegen Muslime würde ich die CDU – aber insbesondere auch die CSU – als offen islamfeindlich einstufen.“

Offenbar haben es die ansonsten in solchen Fragen recht großzügigen Großkoalitionäre versäumt, die Brüder Özoguz zur Deutschen Islamkonferenz einzuladen. Die nächste Bundesregierung kann das ja machen. Bedenken vom Verfassungsschutz haben die amtierende Bundesregierung bei so manch anderem Verband, der dort inzwischen mit am Tisch sitzt, jedenfalls nicht an der „Zusammenarbeit“ gehindert. Man muss aufeinander zugehen, dann sehen auch die Wahlempfehlungen besser aus.

Arrogante Grüne, die den Islam erklären wollen

Aber was ist denn derzeit nach Dr. Özoguz für den Muslim wählbar? Die Grünen vielleicht? Immerhin ist grün nicht nur die Farbe des Propheten, sondern die Partei streitet wie keine andere dafür, dass die Zahl der Muslime durch Zuwanderung schnell steigen kann. Aber das reicht Dr. Özoguz nicht:

Die Grünen sind für mich als Muslim nicht wählbar, da ich deren Politik als den Höhepunkt dessen erachte, was der deutsche Bundestag jemals an Heuchelei gesehen hat. Sitzen die Grünen in der Opposition, so kritisieren sie das, was sie als Regierungsbeteiligte selbst umsetzen. Galionsfiguren der Gründergeneration wie Petra Kelly und Gerd Bastian würden sich im Grab umdrehen, wenn sie sehen würden, wie aus der ehemaligen Antikriegspartei eine Partei geworden ist, die mit deutschen Soldaten an der Seite des Weltimperialismus Politik machen will um den Kapitalismus zu stützen. So sehr ich die Kriegspolitik der CDU und SPD verurteile, so ist die gleiche Politik bei den Grünen für mich viel schlimmer, denn ich ziehe den offenen Feind dem Heuchler vor. Bei der Politik gegen Muslime würde ich die Grünen nicht nur als offen islamfeindlich einstufen sondern auch noch als so arrogant, dass sie den Muslimen den Islam erklären wollen. Diese Art der Arroganz bei Einzelpersonen anderer Parteien ist bei den Grünen im Parteivorsitzenden gebündelt.

Also dann sind die Grünen auch nicht passend für Muslime. Was nun? Dr. Özoguz gesteht, dass er bei der letzten Wahl die Linke gewählt habe. Diesmal wieder?

Politik für Palästinenser als Pluspunkt der Linken

Die Linke ist hinsichtlich der moralischen und spirituellen Werte sicherlich die armseligste Partei. Und im Falle von Regierungsbeteiligungen der Linken auf Landtagsebene kann ich nicht erkennen, dass sie dann immer noch zu ihren Idealen stehen, aber zumindest erscheinen sie mir nicht so extrem heuchlerisch wie die Grünen. Bei der Politik gegen Muslime würde ich die Linke als offen islamfeindlich einstufen. Allerdings sind sie die einzige Partei unter den Etablierten, die den Palästinensern ein gewisses Recht zum Atmen einräumen will, auch mit der Konsequenz, dass Israel etwas abgeben müsste. 

Das hört sich wieder nach dem kleinsten Übel an. Aber vielleicht wäre ja die FDP noch eine Alternative?

Die FDP vertritt sicherlich einige Aspekte, die deutsche Interessen berühren. Der Hinweis des Parteivorsitzenden Lindner, dass man die Situation auf der Krim hinnehmen sollte, verdeutlicht zumindest, dass er kein direkter Diener des Imperialismus sein will. Über den rein materiellen Kapitalismus ist er es dann aber letztendlich doch. Ich kann nicht erkennen, dass die FDP für mehr wirtschaftliche Gerechtigkeit in der Gesellschaft eintreten wird. Auch kann ich nicht erkennen, dass die heutigen FDP – wie einstmals mit Möllemann – intensiver deutsche Interessen in der Außenpolitik vertreten würde. Insofern müsste man hier abwarten. Bei der Politik für oder gegen Muslime würde ich der FDP eine gewisse Neutralität zubilligen, da „Liberale“ die einzigen der Etablierten sein dürften, die z.B. das Kopftuch nicht verbieten wollen.

Na also, das wird ja immer besser. Allerdings hat Dr. Özoguz noch einen Geheimtipp. Es gibt eine Partei, die passt noch besser zu Muslimen, die ödp:

Im Gegensatz zu den Grünen haben sie sich nicht mit dem Kapitalismus arrangiert. Sucht man auf der Homepage der Partei nach Islam, findet man einen Artikel zu einem Spontanbesuch in der Moschee Penzberg. Es kann wohl angemerkt werden, dass kaum eine andere Partei ein so positives Bild über den Islam ganz offen auf ihrer eigenen Homepage veröffentlicht. Allerdings behauptet die Partei auch, dass betäubungsloses Schlachten Tierquälerei sei, was wissenschaftlich widerlegt werden kann. Da das aber fast alle anderen Parteien auch behaupten, kann es vernachlässigt werden. Keine Partei traut sich noch in irgendeiner Weise gegen Homosexualität zu agieren, aber immerhin will die ÖDP die Ehe als Beziehung von Mann und Frau erhalten. […] Beim Kernkonflikt der heutigen Kriegswelt, der zionistischen Verbrechen gegen Palästina, hat die ÖDP eine derart eindeutige Position, dass Bürger, die diese Partei nicht kennen, wohl eher überrascht sein würden.

Es ist keine allzu große Herausforderung, sich auszumalen, welche „eindeutige Position“ das wohl sein mag. Aber empfiehlt Dr. Özoguz nun die ödp? Eine Chance, in den Bundestag einzuziehen, hat sie ja nicht. Vielleicht möchten manche Muslime lieber für aussichtsreiche Parlamentsparteien stimmen. Und auch der Muslim Markt-Betreiber ist noch unschlüssig:

Ich gebe es offen zu: Nach wie vor denke ich nach und habe mich noch nicht entschieden. Aber es ist durchaus möglich, dass ich dieses Mal anders als die Jahre zuvor, nicht das geringere Übel unter den Etablierten wähle sondern eine Partei, die zumindest in einigen Kernfragen moralischer Vorstellungen und im Gerechtigkeitssinn dem Islam und den Muslimen nicht fern zu sein scheint.

Blinde Schafe folgen dem Schäfer

Falls Sie jetzt die AfD vermisst haben, Dr. Özoguz behandelt sie natürlich auch. Es überrascht nicht, dass er diese Partei als unwählbar für Muslime einstuft. Aber die Beschreibung der AfD ist dennoch ziemlich originell:

Die AfD ist ein Werkzeug des weltweiten Imperialismus um eine zu stark werdende CDU zu „bremsen“. Das USraelische Imperium hat bei aller Macht ein Dilemma. Niemand dient ihnen voller Freude, nicht einmal eine Frau Merkel. Und falls eine ihrer Dienerinnen zu stark werden sollte und zu viel Rückendeckung vom eigenen Volk erhielte, könnten die Imperialisten nie sicher sein, ob jene Gewählten dann nicht eigenständig werden. So wurde die eigentlich gegen den Euro gegründete Partei in eine Anti-Islam-Partei umgebaut. Sämtliches Unheil der Welt, das den Superreichen und Imperialisten zuzuschreiben wäre, wird mit Hilfe solcher Parteien nicht nur in Deutschland auf den Sündenbock Islam projiziert. Die AfD ist aus Sicht vieler Muslime eine der hässlichsten Fratzen deutscher Stammtische und wohl die erste Partei, die in den Bundestag einziehen wird, die eigene Staatsbürger aufgrund von ethnischen Gründen ausweisen würde, wenn sie könnte! Ziel der „Macher“ ist es auch das im Orient und in vielen Teilen der Welt positive Bild Deutschlands zu zerstören, damit die Köpfe des Imperialismus USA, England und Israel wieder konkurrenzfähig werden. Wenn AfD-Wähler wüssten, dass jede Stimme für die AfD eine Stimme für den sie selbst ausbeutenden Imperialismus ist, würden sie die AfD nicht wählen. Aber blinde Schafe folgen auch dann dem Schäfer, wenn dieser sie an den Abgrund führt.

Die AfD als Werkzeug der Imperialisten aus USA, England und Israel, um die CDU zu bremsen - darauf muss man erstmal kommen. Jetzt kann man gespannt sein, ob die ödp vielleicht einen überraschenden Zuwachs an Wählerstimmen verzeichnen kann.

Den ganzen Artikel von Yavuz Özoguz, aus dem alle Zitate stammen, finden Sie hier

Dieser Beitrag erschien auch Peter Grimms Blog sichtplatz

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Leserpost (9)
Brigitte Mittelsdorf / 09.09.2017

Ich denke, Christian Beilfuss hat alles gesagt, was zu diesem Thema nötig zu sagen wäre.

Rüdiger Kuth / 08.09.2017

“Bei der Politik gegen Muslime würde ich die Grünen nicht nur als offen islamfeindlich einstufen sondern auch noch als so arrogant, dass sie den Muslimen den Islam erklären wollen.”  Das ist die Grundeinstellung der Grünen gegenüber allen anderen Menschen: ALLEN alles erklären und natürlich - verbieten! Die Partei der Oberlehrer, Gutmenschen, Helikoptereltern, Toleranzbesoffenen und wohlgepamperten Staatsalimentierten. Obwohl es bei denen doch einen großen Widerspruch gibt: Man lädt muslimische männliche Immigranten ein, trotz dass die gern die verhassten Macho-Reinformen pflegen, mit Homoehe und Genderwahn rein gar nichts anfangen können und am liebsten dicke achtzylindrige Autos mit Stern fahren (würden)!

Andreas Rochow / 08.09.2017

Vielen Dank, Herr Grimm, für diese markante Auslese; der ganze Text erübrigt sich. Antisemitismus und Islamisierung à la Özoguz gehen in diesem Land längst als politisch korrekt durch, jedenfalls korrekter als die Forderung an die Bundesregierung, sich wieder rechts- und grundgesetztreu zu verhalten. Die Abwehr von Aktivisten wie Drm Özoguz wird immer dringlicher.

mike loewe / 08.09.2017

Bleiben noch islamische Parteien wie die ADD. Ich befürchte, dass solche Kräfte in den nächsten Jahren rapide an Macht gewinnen und damit die nächste Stufe der Islamisierung einleiten werden.

Lutz Muelbredt / 08.09.2017

“Komm mit mir ins Abenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand” sang einst die Gruppe PUR diesen futuristischen Text. Hin und wieder erinnert man sich an diese Evergreens. Warum eigentlich?

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