Manfred Haferburg / 26.05.2017 / 06:15 / Foto: Friedrich Haag / 0 / Seite ausdrucken

Atom-Endlager: Die finnische Quadratur des deutschen Kreises

Die Quadratur des Kreises ist ein klassisches Problem der Geometrie. Die Aufgabe besteht darin, aus einem gegebenen Kreis in endlich vielen Schritten ein Quadrat mit demselben Flächeninhalt zu konstruieren. Ferdinand von Lindemann konnte 1882 beweisen, dass π nicht algebraisch, sondern transzendent ist. Deshalb ist π in gerader Linie nicht konstruierbar und damit die Quadratur des Kreises unmöglich.

Eine ähnlich unlösbare Aufgabe scheint die Lagerung des Atommülls zu sein. In Deutschland jedenfalls wird die Lagerung von Atommüll schlicht als unlösbare Aufgabe deklariert. Die Bürgerinitiative Lüchow Dannenberg sagt dazu: „Der Atommüll muss für mehrere Million Jahre sicher von der Biosphäre, von Menschen, Tieren und Pflanzen abgeschirmt werden. Dies ist realistisch betrachtet eine unlösbare Aufgabe.“

Dieser Philosophie folgt jüngst die deutsche Gesetzgebung zur Endlagersuche. Seit 50 Jahren streiten sich die Deutschen um einen Standort für ein Endlager. Sie gaben schon ungefähr zwei Milliarden Euro dafür aus, keinen Standort zu finden. Nun haben sie ein Gesetz verabschiedet, welches garantiert, dass es auch ja so weitergeht: Bis 2036 soll der unter Sicherheitsgesichtspunkten „bestmögliche“ Standort gefunden werden. Schon die Formulierung „bestmöglich“ garantiert, dass das nichts wird. Damit ist es auch irrelevant, dass bis zum Jahre 2100 (sic) das Lager gebaut werden soll. Da werden an diesem Sankt Nimmerleinstag die Ururenkel der heutigen Politiker ihre Freude an dem Text haben.

Und es wird gleichzeitig garantiert, dass die Endlagersuche noch viele Milliarden kosten wird. Man hat ja immer jemanden, dem man die Rechnung anhängen kann: den Energieriesen oder dem Steuerzahler. Noch lustiger ist, dass nach 2100 gesetzlich gewährleistet werden muss, dass die eingelagerten Castoren für weitere dreihundert Jahre rückholbar sein müssen. Da wären wir dann bei 2400. Das Ganze erinnert mich ein wenig an die Forderung, den weltweiten Temperaturanstieg bis zum Jahre 2100 auf zwei Grad zu begrenzen, besser noch auf 1,5 Grad.

Das wichtigste Anti-Atom-Argument darf nicht abhanden kommen

Das deutsche Endlagergesetz stellt lediglich eines sicher: Den Grünen kommt das wichtigste Anti-Atom-Argument nicht abhanden. Oder kurz gesagt: Die Deutschen brauchen ein Endlager, aber sie wollen keines.

Und nun, unerwähnt von den deutschen Medien und unbemerkt von den deutschen Bürgerinitiativen, bauen die Finnen einfach ein Endlager für hochradioaktiven Müll. Und das ohne die deutschen Vorreiter zu fragen. Dürfen die Finnen das denn? Jedenfalls erteilte die finnische Regierung 2015 eine Genehmigung zum Bau eines Endlagers für hochradioaktive Rückstände am Standort Olkiluoto. Schon im Jahre 2001 wurde dieser Standort in Finnland beschlossen. Vorangegangen waren 40 Jahre umfassende multidisziplinäre Forschungen und Untersuchungen. Die mit dem Bau beauftragte Firma POSIVA begann unmittelbar nach der Genehmigung mit den Arbeiten und wird das weltweit erste Endlager für gebrauchte Kernbrennstäbe namens ONKALO im Jahre 2020 in Betrieb nehmen.

Die Anlage wird aus zwei Teilen bestehen: einer oberirdischen Anlage zur Endverpackung der gebrauchten Brennelemente in die Endlagerbehälter- bei uns bekannt als Castoren. Diese Behälter werden in 400m tiefen Granitstollen zum endgültigen Verbleib eingebracht. Wie die Langzeitsicherheit eines solchen Endlagers funktionieren soll, zeigt anschaulich dieses Video. Den gegenwärtigen Stand der Bauarbeiten stellt dieses Video dar - unbedingt ansehen, da kommt sogar ein deutsches Spitzenprodukt vor.

Im Jahre 2020 ist es dann soweit: finnish mission impossible completed. Dann werden wohl die Finnen die Vorreiter sein. Es gibt – natürlich außerhalb Deutschlands – umfangreiches internationales Interesse an dem Projekt. Wir Deutschen hingegen haben ja noch Zeit, bis 2100 eine bessere Lösung zu erfinden, die wir dann in alle Welt exportieren können. Finnisch ist sicherlich eine schwierige Sprache. Aber Sie kennen mit Sicherheit das finnische Wort für „Besserwisser“. Das ist nämlich ganz einfach: „Besserwisser“.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

Leserpost (0)

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Manfred Haferburg / 22.02.2018 / 12:04 / 14

Belgien bleibt bei AKW hart – Laschet geht kein Licht auf

Erinnert sich noch jemand an die großen Versprechungen im Jahre 2014/15, dass der französische „Pannen-Reaktor“ Fessenheim demnächst vom Netz geht? Es ist sehr still darum geworden. Fessenheim…/ mehr

Manfred Haferburg / 05.02.2018 / 12:00 / 11

GroKo auf der Zielgeraden: Zwei Loser als Vorreiter

Ich beobachte die Regierungsbildung in Deutschland aus sicherer Entfernung. Worum geht es bei dieser Regierungsbildung? Um das Wohl der Nation?  Eher wohl um die Verstörtheit…/ mehr

Manfred Haferburg / 29.01.2018 / 15:00 / 28

Die Abschaffung des Rechtsstaats aktiv gestalten!

Mit der „Herausforderung durch die Flüchtlinge“ – ja, so heißt das jetzt, seit „Krisen“ in „Herausforderungen“ umbenannt wurden – diese Herausforderungen unterhöhlen zunehmend das deutsche…/ mehr

Manfred Haferburg / 25.01.2018 / 18:00 / 9

Erbarmen! Bitte keine GroKo-Gesänge mehr

Jetzt hat sich’s aussondiert. Ab jetzt kommt das Elend der Berichterstattung über die echten Verhandlungen auf uns zu. Was ich nicht verstehe – warum sind…/ mehr

Manfred Haferburg / 19.01.2018 / 09:19 / 11

NRW-Parlament: Leistung muss sich wieder lohnen

In NRW erhöhen sich die Abgeordneten von CDU, SPD, FDP und Grünen mal eben die Mitarbeiterpauschale um fast 90 Prozent von 4.417 Euro pro Monat…/ mehr

Manfred Haferburg / 11.01.2018 / 10:00 / 4

Wissenschaftler beweist: Schulz hübscher als Merkel

Immer wenn ich denke, dass schon alle Abgründe der Soziologie voll ausgelotet wurden, tut sich ein neuer auf. Diesmal: „Schöner wählen“. Schönheit liegt im Auge…/ mehr

Manfred Haferburg / 10.01.2018 / 06:26 / 18

Klimapolitik: 20 Arten ein totes Pferd zu reiten

Die amtsführende, ergebnisoffen diskutierende Bundesregierung hat ihre Klimaziele überholt, ohne sie einzuholen – die Groko-Wahrscheinlichkeit steigt mit jedem einzubüßendem Ministersessel. Nachdem die Politik und die…/ mehr

Manfred Haferburg / 08.01.2018 / 14:28 / 13

Terroristen: Hin mit dem Schlauchboot, zurück mit der Caritas

Wer erinnert sich noch an die markige Interview-Feststellung des schicksten Justizministers aller Zeiten? „Es gibt keinerlei Hinweis, dass sich unter die Flüchtlinge Terroristen gemischt haben“.…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com