Rainer Grell, Gastautor / 10.02.2017 / 06:02 / Foto: ESA/Hubble / 18 / Seite ausdrucken

Angie-Speech: Formeln des Nichts

Wenn ich Angela Merkel reden höre, bin ich immer wieder erstaunt, wo ihre hohen Zustimmungswerte in Umfragen herkommen. Aussehen und Ausstrahlung können es nicht sein, und ihre Reden erst recht nicht.

Chaim Noll hat als Stärke von Barack Hussein Obama unlängst dessen Redekunst ausgemacht, weil er es wie kein anderer US-Präsident vor ihm verstanden habe, „angenehme Gefühle auszulösen, grenzenlose Hoffnung zu schüren, diffuse Träume in Bewegung zu setzen“. Zwar konnte ich bei mir derartige Wirkungen nicht feststellen, aber Obama war ja auch nicht „mein Präsident“.

Bei Merkel kann ich mich nicht so rauswinden. Hier muss ich Farbe bekennen: Ihre Reden lösen bei mir nicht mehr aus als das Gefühl peinlicher Betretenheit, bestenfalls von Langeweile (bei den Reden zum Jahreswechsel oder bei ihrem Podcast "Angela Merkel - die Kanzlerin direkt"  – wer kommt denn auf die Idee, so etwas zu abonnieren? – habe ich ohnehin immer die Stumm-Taste gedrückt und schaue lieber meine Frau an.

Man muss schon ein glühender Merkel-Fan sein (aber aus welchen Gründen?), um sich an ihren Reden intellektuell zu delektieren. Dabei habe ich keineswegs nur ihre schwach ausgeprägte rhetorische Begabung im Auge, sondern durchaus auch das geistige Niveau ihrer Aussagen.

Viele Worte – aber was meint sie?

Schauen und hören wir uns doch einfach gemeinsam mal einige Bespiele an. Vielleicht kommen wir uns dann näher, wenn Sie nicht ohnehin schon die ganze Zeit zustimmend nicken.

Nehmen wir zuerst die Regierungserklärung der Bundeskanzlerin vom 9. Juni 2011 nach der Atomkatastrophe von Fukushima, also eine wohlvorbereitete Rede, egal von wem:

„In Fukushima haben wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass selbst in einem Hochtechnologieland wie Japan die Risiken der Kernenergie nicht sicher beherrscht werden können. Wer das erkennt, muss die notwendigen Konsequenzen ziehen. Wer das erkennt, muss eine neue Bewertung vornehmen. Deshalb sage ich für mich (sic!): Ich habe eine neue Bewertung vorgenommen; denn das Restrisiko der Kernenergie kann nur der akzeptieren, der überzeugt ist, dass es nach menschlichem Ermessen nicht eintritt. Wenn es aber eintritt, dann sind die Folgen sowohl in räumlicher als auch in zeitlicher Dimension so verheerend und so weitreichend, dass sie die Risiken aller anderen Energieträger bei weitem übertreffen. Das Restrisiko der Kernenergie habe ich vor Fukushima akzeptiert, weil ich überzeugt war, dass es in einem Hochtechnologieland mit hohen Sicherheitsstandards nach menschlichem Ermessen nicht eintritt. Jetzt ist es eingetreten.

Genau darum geht es also - nicht darum, ob es in Deutschland jemals ein genauso verheerendes Erdbeben, einen solch katastrophalen Tsunami wie in Japan geben wird. Jeder weiß, dass das genau so nicht passieren wird. Nein, nach Fukushima geht es um etwas anderes. Es geht um die Verlässlichkeit von Risikoannahmen und um die Verlässlichkeit von Wahrscheinlichkeitsanalysen. Denn diese Analysen bilden die Grundlage, auf der die Politik Entscheidungen treffen muss, Entscheidungen für eine zuverlässige, bezahlbare, umweltverträgliche, also sichere Energieversorgung in Deutschland. Deshalb füge ich heute ausdrücklich hinzu: Sosehr ich (sic!) mich im Herbst letzten Jahres im Rahmen unseres [aha!] umfassenden Energiekonzepts auch für die Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke eingesetzt habe, so unmissverständlich stelle ich heute vor diesem Haus fest: Fukushima hat meine (sic!) Haltung zur Kernenergie verändert.“

Deutlicher kann man es kaum sagen. Und trotzdem: Haben Sie das verstanden? Weil die Risikoannahmen und Wahrscheinlichkeitsanalysen in Japan daneben lagen, kann man ihnen auch bei uns nicht mehr trauen. Sehen Sie da einen Kausalzusammenhang. Denn als Physikerin ist Dr. Angela Merkel doch sicher von der Gültigkeit des Gesetzes von Ursache und Wirkung überzeugt. Oder gilt für sie das faustische Bekenntnis „Gefühl ist alles“? Außerdem: Gibt es nicht noch eine Bundesregierung, einen Bundestag und einen Bundesrat?

"Ein bißchen bibelfest" gegen Islamisierung

Und dann die Rede bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Bern am 3. September 2015. Nein, ich meine nicht die offizielle Rede, die ja von irgendeinem Redenschreiber (egal ob männlich oder weiblich) stammte, sondern das Statement, das sie zu der Angst einer besorgten Bürgerin im Saal vor einer Islamisierung Europas höchst selbst abgegeben hat:

„Ich glaube erst einmal, dass der Islamismus und der islamistische Terror leider Erscheinungen sind, die wir ganz stark natürlich in Syrien haben, in Libyen haben, im Norden des Irak haben. Aber zu denen leider die Europäische Union (sic!) eine Vielzahl von Kämpfern beigetragen hat [Zwischenfrage: Wer ist eigentlich in der EU für diesen Beitrag verantwortlich?]. Und wir können nicht sagen, das ist ein Phänomen, das uns nichts angeht, sondern das sind zum Teil Menschen, oft sehr junge Menschen, die in unseren Ländern aufgewachsen sind, und wo wir auch unseren Beitrag leisten." (sic!) [Aha, jetzt sind es die Verantwortlichen (?) in den Mitgliedstaaten].

Zweitens, Angst war noch nie ein guter Ratgeber [O doch, ohne Angst hätten wir es evolutionär bis heute gar nicht geschafft], ist es im persönlichen Leben nicht und ist es auch im gesellschaftlichen Leben nicht. Kulturen und Gesellschaften, die von Angst geprägt sind, werden mit Sicherheit die Zukunft nicht meistern. Und drittens, wir haben diese Debatte natürlich auch, dass wir sehr viele Muslime in Deutschland haben. Wir haben die Debatte darüber, ob der Islam zu Deutschland gehört. Wenn man vier Millionen Muslime hat, finde ich, braucht man nicht darüber zu streiten, ob jetzt die Muslime zu Deutschland gehören und der Islam nicht oder ob der Islam auch zu Deutschland gehört. Aber da gibt es auch diese, diese Sorgen, ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, wir haben doch alle Chancen und alle Freiheiten, uns zu unserer Religion, sofern wir sie ausüben und an sie glauben, zu bekennen. Und wenn ich was vermisse, dann ist das nicht, das ich irgendjemand vorwerfe, dass er sich zu seinem muslimischen Glauben bekennt, sondern dann haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind, haben wir doch den Mut zu sagen, dass wir da in einen Dialog eintreten [Diesen Satz bitte mehrmals lesen]. Haben wir dann aber auch, bitteschön, die Tradition, mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder bisschen bibelfest zu sein und vielleicht auch mal ein Bild in der Kirche noch erklären zu können.

Und wenn Sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, dann würde ich mal sagen, ist es mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her. Und sich anschließend zu beklagen, dass Muslime sich im Koran besser auskennen [Wer tut das denn?], das finde ich irgendwie komisch. Und vielleicht kann uns diese Debatte auch mal wieder dazu führen, dass wir uns mit unseren eigenen Wurzeln befassen und ein bisschen mehr Kenntnis darüber haben. Und insofern finde ich diese Debatte sehr defensiv. Gegen terroristische Gefahren muss man sich wappnen. Und ansonsten ist die europäische Geschichte so reich an so drastischen und gruseligen Auseinandersetzungen, dass wir sehr vorsichtig sein sollten, uns sofort zu beklagen, wenn woanders was Schlimmes passiert ist. [Zwischenruf: Genau wie Oliver Zimski kürzlich die Reaktion der damaligen 68er auf die Zustände in der DDR und im gesamten Ostblock beschrieben hat: „Wir kehren besser vor der eigenen Tür, bevor wir die Situation in anderen Ländern kritisieren“, außer der in den USA natürlich.] Wir müssen angehen dagegen, wir müssen versuchen, das zu bekämpfen, aber wir haben nun überhaupt keinen Grund auch zu größerem Hochmut [Es gibt nie einen Grund für Hochmut], muss ich sagen, das sage ich jetzt als deutsche Bundeskanzlerin.“ [Aha, ex cathedra gewissermaßen].

"Wir sind die Partei mit dem C im Namen"

Für den „Focus“ war das „Merkels großartige Antwort auf die Angst vor einer Islamisierung in Europa“. Und Sie? Wie finden Sie das? Können Sie sich vorstellen, wie die Frage lautete, auf die dieser „Klartext“ der Kanzlerin (nochmal Focus) folgte? Das glaube ich kaum. Hier ist sie:

„Frau Bundeskanzlerin, danke, dass ich das Wort kriege. Sie haben vorhin auch die Verantwortung in dieser ganzen Geschichte mit den Flüchtlingen angesprochen. Eine der Verantwortungen ist es ja aber auch, uns hier in Europa zu schützen. Vor allem mit Flüchtlingen aus Syrien und aus diesen Ländern kommen ja noch mehr Leute mit einem islamischen Hintergrund zu uns. Und ich glaube, was der Herr vorhin ausgesprochen hat beinhaltet ja auch eine große Angst hier in Europa zu dieser Islamisierung, die immer noch stattfindet. Wir wollen Sie Europa in dieser Hinsicht und unsere Kultur schützen?“

Margot Käßmann hält es für „besser, mit den Taliban zu beten, als sie zu bombardieren". Angela Merkel habe „die Tradition, mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder bisschen bibelfest zu sein“. Die Islamisten werden es schreckensbleich zur Kenntnis nehmen.

Dass es der Pfarrerstochter Ernst ist mit dem christlichen Glauben, hat sie auf dem Sonderparteitag der CDU Mecklenburg-Vorpommern am 22. Oktober 2016 in Wittenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim, nicht zu verwechseln mit dem ähnlich klingenden Ort in Sachsen-Anhalt, wo Luther vor 500 Jahren seine 95 Thesen ... na, Sie wissen schon) unmissverständlich zum Ausdruck gebracht hat:

„Aber wir sind die Partei mit dem C im Namen. Haben wir eigentlich noch Selbstbewusstsein? Man muss ja nun wirklich nicht irgendwo hingehen von AfD bis Pegida, um Weihnachtslieder, christliche, singen zu dürfen. Aber wie viel (sic!) von uns tun denn das noch auf ihren Weihnachtsfeiern in den Kreisverbänden? Und wo läuft da irgendson Tamtamtam und Schneeglöckchen Weißröckchen oder was weiß ich [Gelächter im Saal]? Na ja, es ist doch, nein aber ich mein wie viel (sic!) christliche Weihnachtslieder kennen wir denn noch? Und wie viel bringen wir denn noch unseren Kindern und Enkeln bei? Da muss man eben mal ‘n paar Liederzettel kopieren und einen, der noch Blockflöte spielen kann oder so mal bitten, ja ich mein das ganz ehrlich, sonst geht uns ein Stück Heimat verloren.“ [Beifall]  Henryk M. Broder hat das „Eine freudsche Fehlleistung der Güteklasse A+“ genannt. Ob der Bezug auf Freud zutrifft, möchte ich offen lassen, Fehlleistung dürfte aber unstreitig sein

Und schließlich die Antwort von Angela Merkel auf die Frage von Ingo Zamperoni am 5. Dezember 2016 in den ARD-"Tagesthemen", ob es mehr Abschiebungen geben soll:

„Schaun Sie, das ist doch eigentlich ganz einfach. Äh, wenn man, ähm, 60 Prozent, ähm, positive Bescheide hat oder meinetwegen 65 Prozent, dann sollen diese Menschen eine Bleibeperspektive haben. Aber wenn deutsche Gerichte und das Bundesamt für Migration sagen, andere haben keine Bleibeperspektive, dann können wir doch nicht sagen, passt mal auf, uns interessiert nicht, was Recht und Gesetz ist, und ihr könnt kommen [Das hat am 4. September 2015 aber jemand gesagt]. Diese Aufgabe können wir doch nicht schultern, sondern es ist doch absolut richtig, dass diese Menschen freiwillig oder eben, wenn sie’s freiwillig nicht wollen, dann auch durch Härte des Rechtsstaats zurückgeführt werden. Sonst können wir doch denen, die Hilfe brauchen, nicht helfen. Ich glaube, das ist nichts weiter als die Umsetzung von Recht und Gesetz. Und das erwarten die Menschen zu Recht von uns.(ab Minute 07:37)

"Es war einmal eine Kaiserin"

Wenn mich meine Mathe-Kenntnisse nicht völlig im Stich lassen, heißt das doch, dass mindestens 35 Prozent keine Bleibeperspektive haben und deshalb abgeschoben werden müssen, wenn sie nicht freiwillig gehen. Und wie sieht die Wirklichkeit aus? Im Jahr 2016 lag die „Gesamtschutzquote für alle Herkunftsländer“ laut BAMF bei 62,4 Prozent (433.920 positive Entscheidungen von insgesamt 695.733; Seite 11). Laut Merkel hätte die „Härte des Rechtsstaats“ also 261.813 Personen treffen müssen. Und wie viele waren es wirklich? Leider habe ich keine aktuellen amtlichen Zahlen ermitteln können. Aber nach Pressemeldungen „gab es bis einschließlich September dieses Jahres [2016] 19.914 Abschiebungen. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 20.888. Bis zum Ende des Jahres [2016] könnten die Zahlen Schätzungen zufolge auf 26.500 steigen.“

Das wären gerade mal gut zehn Prozent der Ausreisepflichtigen. Nach Feststellungen der „Süddeutschen Zeitung“ haben 55.000 Personen die Bundesrepublik freiwillig verlassen. Zusammen ergäbe sich danach eine Quote von gut 30 Prozent. Aber im Wahljahr 2017 wird sich diese Zahl natürlich beträchtlich erhöhen, verdreifachen gar! Jedenfalls in den Parolen.

Reicht Ihnen das immer noch nicht? Mir schon. Ein Angebot für diejenigen, die gern mehr hätten: hier und hier. Wann taucht endlich das Kind auf, das Merkels uralte Klamotten als geistige Nacktheit entlarvt? Siehe dazu auch Monika Bittl: "Märchenstunde: Es war einmal eine Kaiserin".

Foto: ESA/Hubble CC BY 3.0 via Wikimedia Commons
Leserpost (18)
Martin Hesse / 11.02.2017

Merkels Aussagen werden fast nie analysiert und kritisch hinterfragt. Dieser Text bildet eine lobenswerte Ausnahme, bleibt aber auf halber Strecke stehen. Z.B. bei M.‘s Antwort auf die Furcht vor Islamisierung. Sie macht daraus eine rein religiöse Frage. Dabei greift der Islam in das Alltagsleben der Menschen, auch in das der Wenig- , Anders- oder Ungläubigen in vom Islam beherrschten Ländern oder Vierteln ein, wie keine anderen Religion. M. nimmt auch einfach an, dass es sich bei der Fragestellerin um eine Christin handelt, die ihren Glauben bedroht sieht. Dass es auch Atheisten gibt, denen der Machtanspruch des Islam Furcht einflößt, steht entweder außerhalb der Vorstellungskraft der Pfarrerstochter, oder sie agiert hier ganz bewusst. Sie kontert (!) die von ihr zur rein religiösen Furcht einer von ihr zur Christin Erklärten mit dem Vorwurf (!) an die Christen ganz allgemein, dass viele von denen gar nicht bibelfest seien. Wodurch sich Bibelfestigkeit offenbart, verkündet die oberste Religionshüterin auch: Man muss Pfingsten erklären können, in die Kirche gehen und Weihnachtslieder singen. Wer das nicht kann und macht, hat kein Recht, sich vor Islamisierung zu fürchten, denn was man nicht hat, kann man nicht verlieren. Aber auch die, die die strenge merkelsche Religionsprüfung bestehen, dürfen keine Änderung von Merkels Politik verlangen, denn Angst ist ein schlechter Ratgeber, Punkt.

Helmut Driesel / 10.02.2017

Also der Grundtenor, den die Kanzlerin zu Gehör bringt, scheint mir genau derselbe wie das “Ich liebe Euch doch alle!” des ehemaligen Stasigenerals Mielke. Aber trotzdem ist es erst einmal hundsgemein, ihr die ganzen Fehlleistungen so geradewegs aufs Brot zu schmieren. Unfhöflich und taktlos! Hemmungslos, ja geradezu hinterrücks. Heimtückisch! Was die Frau Merkel mit der Kirche zu tun hat, das hat sie sich nach der Wende hart erarbeitet. Um in den siebzigern in der DDR ein wissenschaftliches Studium zu machen, war es nützlich, weiblich mit einer Eins in Russisch zu sein, unabdingbar war es, sich von einem eventuellen Pfarrer-Elternhaus (für das man ja mit 16 nichts kann) qualifiziert zu distanzieren, auch innerlich. Beides hat sie tadellos hingekriegt. Alle vergleichbaren Leute, die ich kannte, sind entweder an dem ersten oder dem zweiten gescheitert. Gut, es gibt da ein paar erfahrene Ärzte, die heute darauf pochen, dass man mit christlichem Elternhaus in der DDR nicht Medizin studieren habe dürfen sollen. Da drüber kann man lachen, es ist auch ein Witz, aber es ist nicht lustig. Was an der Frau Merkel kritisiert wird, entspringt einer grundsätzlichen chauvinistischen Haltung vieler Wessis gegenüber Menschen aus dem Osten. Die wahrscheinlich schon viel älter ist, möglicherweise jahrhundertealt, wie sie sich auch in der kaltschnäuzigen Nachkriegspolitik Adenauers gegenüber Ostdeutschland ausgezeichnet hat. Der Erfolg der CDU in den letzten 15 Jahren basiert auf der Fähigkeit der Kanzlerin, auf dem Mainstream zu surfen. Gegebenenfalls wie Wolf Biermann ihre Meinung radikal zu ändern, wenn es ihr opportun erscheint. Und vieles von dem, was ihr heute vorgehalten wird, wurde ihr wohlwollend angetragen. Beginnt mit der gelanten Verlängerung der AKW-Laufzeiten durch die FDP und fand seinen bisherigen Höhepunkt in der Forderung des BDI nach Einwanderung billiger Arbeitskräfte, die nicht dem Mindestlohn unterliegen. Wie im richtigen Leben, wenn man sich einfach nur treiben lässt, geht es auch manchmal in die falsche Richtung. Oder sogar in die Hose.

Heinz Bannasch / 10.02.2017

Merkel hatte weder Ausstrahlung, Weiblichkeit, Charisma, Rhetorik, Authentizität noch Logik zu bieten. Ich habe für Ihren Erfolg nur 2 Erklärungsmodelle: 1. Das Prinzip “don’t explain - don’t complain” beherrscht sie perfekt 2. Die Diskrepanz zwischen ihrer zur Schau gestellten “Bescheidenheit”, die aber in Wirklichkeit “Skrupellosigkeit” beinhaltet (Helmut Kohl: “Die Frau ist wenig von Charakter heimgesucht”). Dadurch wird sie permanent unterschätzt.

Martin Lederer / 10.02.2017

Viele Menschen haben von Politik keine Ahnung. Wollen auch keine haben. Eine Taktik bei der “Eurorettung” war ja auch, es immer komplizierter zu machen und auch immer komplizierter zu “erklären”. So dass die Leute keine Chance haben, es zu kapieren. Manche Bundestagsabgeordneten haben sogar offen gesagt, dass sie es nicht kapieren. Und da kommt es eben mittels Medien darauf an, die “richtigen Gefühle” der Wähler anzusprechen. Der “Inhalt” ist da total egal. Es sei denn es sind Punkte (z.B. Silvester in Köln), die jeder kapieren kann. Aber selbst dann holen sie irgendwelche “Statistiken” aus dem Hut und erklären lang, breit und möglichst kompliziert, wieso eben 1 + 1 nicht 2 sein kann.

Dirk Jäckel / 10.02.2017

Das Problem Merkel ist eher ein Problem des deutschen Journalismus’: Mäßige Bildung und schwach ausgepägter Sinn für Logik bei gleichzeitiger Arroganz (Ausnahmen bestätigen die Regel). Das Ganze, verbunden mit einer gewissen ideologiegeschwängerten Denkfaulheit, erlauben es nun mal nicht, dass intellektuelle Zumutungen wie die Absonderungen von Frau Merkel als das wahrgenommen bzw. dargestellt werden, was oft sie sind: sinnfreies Phrasengeplapper. Von den pseudohumanen, an sich leicht zu erkennenden Verlogenheiten seit der Migrationskrise nicht zu reden.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen

Es wurden keine verwandten Themen gefunden.

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com