Wolfgang Röhl / 19.10.2012 / 09:30 / 0 / Seite ausdrucken

Alles Rück! Klimawandel im „Spiegel“-Kabinett

Wenn Qualitätsschurnalisten, die sich nicht recht grün sind, obwohl sie unter einer Dachmarke firmieren (etwa beim Print-„Spiegel“ und bei „Spiegel Online“), dasselbe Thema beackern, kann es schon mal knirschen. Der jüngste Fall ist richtig zum Kichern. Da gab der gedruckte Spiegel in seiner Ausgabe vom 15. Oktober blauäugig wie ein frisches Kätzchen die Ergebnisse einer “Studie” des Rückversicherers „Munich RE“ exklusiv zum Besten, nach welcher die „Zunahme gewitterbedingter Naturkatastrophen in Nordamerika mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf den Klimawandel“ zurückzuführen sei. Nun bedarf es keines Scharfsinns, um zu argwöhnen: eine Versicherungsgruppe wie die Münchener Rück hat das allergrößte Interesse an einschlägigen Horrorszenarien, weil sie damit Kunden gewinnen und Prämien pushen kann. Tatsächlich kommt sie seit Längerem immer wieder mal mit Klimawandel-Panik um die Ecke. Ihre Studien sind, versteht sich, ungefähr so viel wert wie die Expertise eines libanesischen Gebrauchtwagenhändlers („Isse bloß noch Schrott“), dem man die eigene Schüssel verkaufen wollte, nachdem man sein Kärtchen am Scheibenwischer gefunden hatte („Zahlen höchst preise!“)

Dass das SOS-Geschrei der Versicherungsdrücker selbst von altgedienten, hauptberuflichen Klima-Kassandras ungern als Beweismittel in die Debatte eingebracht wird, war auch den Kollegen von Spiegel Online nicht verborgen geblieben. Sie veröffentlichten drei Tage nach Erscheinen des Print-Spiegels ein vollkommen konträres Stück unter dem Titel „Profitable Katastrophen-Prognosen – Forscher rügen Klimawarnungen von Versicherungen“, in dem der rückversichernde Hype um Hurrikane, Hitzewellen etc. mit Zitaten unabhängiger Fachleute auf die Füße gestellt wurde. Natürlich, ohne die vorangegangene Katastrophenmeldung im Print-Spiegel 42/2012 (dort auf Seite 65) zu erwähnen.

Soweit trägt die Zwangssolidarität denn doch. Was danach intern im Spiegel-Haus abgelaufen ist, darf man sich aber hübsch ausmalen.

Die Print-Spiegel-Meldung und ihre Geschichte auf Spiegel Online hier:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klima-studie-der-muenchener-rueck-warnungen-von-versicherung-in-kritik-a-861839.html

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