Gideon Böss / 19.12.2012 / 01:24 / 0 / Seite ausdrucken

Alkohol und Zigaretten, gut und böse

Der Kampf gegen das Rauchen geht weiter, 75% der Vorder- und Rückseiten der Verpackung sollen künftig mit „Rauchen kann tödlich sein“-Lyrik bedruckt werden. Außerdem sollen neue Ekelbilder kommen und die Mentholzigarette verboten werden. Das sind mehrere Ideen, die sich die EU ausgedacht hat, diese Institution, über die selbst der Präsident des Europäischen Parlaments sagt, dass sie die demokratischen Mindeststandards nicht erfüllen würde, die die EU an ihre Mitgliedsländer stellt.

Schon heute gilt ja ein Rauchverbot in Gaststätten und wer auf dem Bahnhof zum Glimmstängel greift, muss sich dafür in ein Feld stellen, dessen Grenzen von einer gelben Linie gezogen werden. Ein Pranger im Puppenhausmaßstab. Es ist klar: Das Fernziel kann nur der rauchfreie Kontinent sein, da sind sich EU und Bundesregierung einig.

Einmal ganz davon abgesehen, ob man Menschen überhaupt zu ihrem Gesundheitsglück zwingen darf, ist diese Antiraucher-Kampagne erstaunlich verlogen. Der Kontrast zwischen der Verteufelung des Rauchens und der Glorifizierung des Alkoholgenusses könnte jedenfalls kaum größer sein. Während Werbung für Zigaretten im Fernsehen längst verboten ist, preist gefühlt jeder zweite Clip die Vorzüge des Biertrinkens an. Wer eine Flasche öffnet, hat sofort Spaß, Abenteuer, Freiheit und gute Laune und das alles auf einem Schiff irgendwo im Ozean. Nicht schlecht.

Dabei gibt es in Deutschland beinahe 2 Millionen Alkoholabhängige und jährlich 40.000 Todesfälle, die direkt auf den Konsum von Alkohol zurückgehen. Warum lässt das die Gesundheitsbeglücker kalt? Nirgendwo wird der absurde Unterschied so deutlich, wie auf dem Oktoberfest, wo sich die Leute in Zelten betrinken, in denen ein absolutes Rauchverbot gilt. Dabei geschehen die wenigsten Familientragödien, weil der Papa zwei Zigaretten zu viel geraucht hat, bei zwei Maß zu viel, sieht die Sache dann manchmal schon ganz anders aus.

Wann geht die Politik endlich dagegen vor? In einem ersten Schritt sollte die Alkohol-Werbung komplett verboten werden, dann auf Bierflaschen der Hinweise stehen „Trinken gefährdet ihre Gesundheit“, ehe schließlich auf jede Weinflasche die Bilder einer kaputten Leber gedruckt werden. Im zweiten Schritt sollten alkoholische Getränke nach und nach komplett aus der Öffentlichkeit verbannt werden, auf Speisekarten haben sie ohnehin nichts verloren! Schließlich ist es eine Gefährdung für alle, wenn jemand im Restaurant zu viel trinkt und sich dann hinters Steuer setzte. Tausende Menschen sterben auf den Straßen, weil diese Droge nicht unter Kontrolle gebracht wird. Aber da es ein gesamtgesellschaftlicher Kraftakt sein muss, ist auch der Kulturbetrieb gefordert. In Filmen und Serien darf es keine positiven Bezüge mehr zu Alkohol geben, keine Rendezvous mit Champagner und kein Sekt zu Silvester. Stilles Wasser schmeckt auch gut und Orangensaft ist gesund!

Ich werde mich mal in Brüssel bewerben.

Gideon Böss schreibt für DIE WELT den Blog “Böss in Berlin” twittert unter twitter.com/GideonBoess

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