Markus Vahlefeld / 17.10.2017 / 06:15 / 4 / Seite ausdrucken

Abenteuer ohne Risiko ist Disneyland

Vor vier Monaten erblickte mein Buch „Mal eben kurz die Welt retten“ das Licht der Öffentlichkeit. Mehr aus Termingründen - zur Leipziger Buchmesse war ich noch nicht fertig, und zur Frankfurter Buchmesse wäre es mir zu spät gewesen - hatte ich mich dazu entschieden, das Buch im Selbstverlag zu publizieren. Ich ging von einer überschaubaren Anzahl von Exemplaren aus, die ich zur Not selbst von Zuhause einpacken und verschicken würde. Um bei Amazon gelistet zu sein, suchte ich mir eine Vertriebsplattform, die damit wirbt, ein exzellenter Partner für Selbstverleger zu sein.

Diese Plattform schrieb vor einigen Wochen mit anderen Selfpublishing-Unternehmen einen „Selfpublisher-Preis“ aus, der auf der Frankfurter Buchmesse verliehen wurde. Damit gerechnet, diesen Preis zu gewinnen, hatte ich nie. Was ich jedoch dachte und hoffte: dass mein Buch, da es das meist verkaufte Selfpublisher-Buch der letzten Monate und Jahre war und es mit mehr als 10.000 Exemplaren dieser Plattform Unmengen von Geld in die Kassen gespült hatte, zumindest auf die Shortlist des Preises kommen würde. Damit hätten dann meine Leser die Möglichkeit gehabt, für das Buch abzustimmen, so dass ich vielleicht hätte den Publikumspreis gewinnen können. Es kam jedoch anders.

Das Buch wurde schlicht ignoriert. Weder Shortlist noch Publikumspreis. Mir ging es dabei weniger um Geld - der Publikumspreis war ohne Dotierung -, als vielmehr um den Spaß, über das Internet, Facebook und die Achse ein wenig für Wirbel zu sorgen. Denn ich gebe zu: der direkte Kundenkontakt, die vielen E-Mails, die mich erreichten, und die Dutzenden von Amazon-Bewertungen (von denen nicht eine einzige von mir in Auftrag gegeben worden war, ich schwöre!) waren ein Riesenspaß. Nennen Sie mich eitel oder eingebildet: neben dem Schreiben des Buches war vor allem die große Leserresonanz eine helle Freude.

Stationärer Buchhandel klingt immer etwas nach Krankenhaus

Ich habe andere Pläne im Leben, als einer Plattform Geld in den Rachen zu werfen und dafür ignoriert zu werden. Ob das Thema zu heiß war und Feigheit oder schlicht unternehmerische Tumbheit am Werk waren - ich weiß es nicht und will es auch nicht beurteilen. Ich  habe dieser Plattform inzwischen gekündigt und mir einen Partner gesucht, der dafür sorgt, dass das Buch jetzt auch im stationären Buchhandel (das klingt immer etwas nach Krankenhaus) gut verfügbar ist. In dem Zuge ist sogar ein Hörbuch entstanden, das das gesamte Potpourri an verfügbaren Medien komplettiert. Der größte Spaß an dem Hörbuch war es, mit Henryk M. Broder nach München zu reisen und ihm dabei zuzuhören und zuzusehen, wie er in perfekter Radiosprecher-Manier sein Vorwort höchstselbst einlas. Hier gibt es eine kurze Hörprobe.

Warum ich das alles schreibe? Ich möchte mich bei allen, die an dem Erfolg des Buches mitgewirkt haben, herzlich bedanken. Natürlich bei den Achse-Machern (Danke, Dirk!), die mich wirklich mit jeder noch so abwegigen Idee unterstützt haben; natürlich bei den Achse-Autoren, die mein Buch wohl aus echter Überzeugung gut fanden und rezensierten; natürlich bei Henryk Broder, mit dem zusammenzuarbeiten nicht nur menschlich ein großartiges Erlebnis war, sondern der auch mit seiner Ruhe und Abgeklärtheit meine Aufgeregtheit und Unsicherheit entscheidend abzufedern half; und natürlich bei den vielen, vielen Lesern der Achse, ohne die das Buch nie und nimmer ein derartiger Erfolg hätte werden können. Wir haben hier eine „Community“ geschaffen, die aus der gegenwärtigen Publizistik nicht mehr wegzudenken ist und die eine wirkliche Macht darstellt. Und das ganz ohne Investoren und allmächtige Chefs. Ich glaube, das nennt man eine „Graswurzel-Bewegung“.

Meine eigene Reise mit dem Buch ist hier an ein Ende gekommen, denn das Potential der neuen Medien glaube ich ausgeschöpft zu haben. Samstag nacht strahlte schließlich das ZDF-heute-journal nach langem Hin und Her einen Beitrag über mich aus (ab Minute 6:00), und es war das erste Mal, dass mich die „alten“ Medien wahrnahmen. Selbstverständlich war nicht der Inhalt des Buches Thema im Beitrag, sondern die Tatsache, dass ein Buch im Eigenverlag so erfolgreich werden kann. Das ist schön, ändert aber an der Grundhaltung der alten Medien, die sich durch Ignoranz auszeichnete, nichts.

Natürlich wird das Buch weiterhin in meinem kleinen Eckladen erhältlich sein, aber ich hoffe, durch die Präsenz im stationären Buchhandel nun auch andere Leser zu erreichen. Und wenn nicht? Es war großartig, es hat Spaß gemacht, es war erfolgreich und wir haben es zusammen gemacht. Danke an alle!

Jetzt geht es ab nach Dunkeldeutschland, wo ich mich am 17. Oktober 2017 (Dienstag), 19 Uhr in Lenks Restaurant, Warnowufer 59, 18057 Rostock (Eintritt EUR 3,00) den Fragen der Leser stelle. Und am 25. Oktober 2017 (Mittwoch) bin ich um 20 Uhr bei der famosen Susanne Dagen im Kulturhaus Loschwitz, Friedrich-Wieck-Str. 6, 01326 Dresden (Eintritt EUR 8,00).

Man sieht sich!

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Leserpost (4)
Anne Cejp / 17.10.2017

Da hat Klaus Kleber ja “großen Mut” bewiesen, wenn er es auch nicht fertig brachte, etwas über das Buch zu sagen: Immerhin war der Titel zu erkennen. Ich freue mich auf den heutigen Abend in Rostock.

B.Rilling / 17.10.2017

Ich hatte im Buchhandel nachgefragt, war nicht am Lager. Der Verkäufer sah mich etwas mitleidig an und meinte dann, er könne es mir bestellen. Nicht nötig! Ich werde es mir jetzt auf Ihrer Seite bestellen.

Horst Jungsbluth / 17.10.2017

Eigenartig schon, dass Autoren, die etwas sehr Wichtiges mitzuteilen haben, von den Verlagen geschnitten werden und andererseits selbst Personen mit schlimmer krimineller Vergangenheit mit ihren verlogenen “literarischen Ergüssen” gesponsert werden und so viel Geld verdienen können.  Tatsache ist, dass die Medien nur noch verzerrt informieren und dass man auch bei vielen Sachbüchern mehr als vorsichtig sein muss.  Ich habe Ihr Buch vor einiger Zeit in der “Schmargendorfer Buchhandlung” bestellt und werde dort von Tag zu Tag vertröstet, weil es noch immer nicht geliefert wurde, Gysi dagegen ist sofort zu haben wobei die Leser sicherlich nicht erwarten können, dass er über die Zeit als “oberster Anwalt” der DDR und über die verschwundenen Milliarden in der Wendezeit berichtet.

Klaus Klinner / 17.10.2017

Da mir bewußt ist, wieviel akribische Arbeit in ihrem Projekt steckt, meinen Glückwunsch und weiterhin eine “gute Feder”.

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