Marisa Kurz / 18.09.2017 / 19:32 / 6 / Seite ausdrucken

32.000 islamistische Anschläge seit 09/11

Als am vergangenen Freitag eine Bombe in der Londoner U-Bahn hochgegangen ist, musste ich auf Spiegel Online lange an Trump und Kim Jong vorbeiscrollen, um Informationen zum Vorfall zu finden. Der TZ München war die Bombe keine Eilmeldung wert, wohl aber irgendein Ereignis aus dem Fußball.

Ein gewöhnlicher Anschlag rechtfertigt kein Bimmeln auf dem Smartphone mehr. Die Statistik gibt dem recht: Terror ist nichts Besonderes. Die Website The Religion of Peace (TROP) listet alle islamistischen Terroranschläge, über die seit dem 11. September 2001 in internationalen Medien berichtet wurde. Mit Datum, Ort, einer kurzen Beschreibung des Anschlags und der Zahl der Toten und Verletzten. Erfasst werden nur Taten, für die als Motivation die Erfüllung einer religiösen Pflicht angenommen werden kann. Ehrenmorde etwa werden nicht gezählt, denn hier könnten auch Motive wie Eifersucht oder Rache eine Rolle spielen. Auch werden Anschläge in Kriegsregionen nur unter bestimmten Bedingungen als Terrorakte eingestuft.

TROP erfasst die Zahl der islamistischen Anschläge, bei denen Menschen ums Leben gekommen sind, in einem Ticker: aktuell fast 31.800 Anschläge seit 09/11. Das entspricht etwa fünf tödlichen Anschlägen pro Tag.

Wer hinter der Seite steckt, ist – zugegeben – nicht bekannt. Nicht jeder Betreiber einer englischsprachigen islamkritischen Website ist scharf darauf, seinen Namen und seine Adresse zu veröffentlichen. Damit Todesdrohungen das Team trotzdem erreichen können, haben die Betreiber extra einen Link eingerichtet. Die Macher fordern eine aufklärerische Kritik an Menschenrechtsverletzungen durch den Islam und sprechen sich klar gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus aus .

Wer den Angaben der Seite nicht traut, erhält genügend Informationen über die Anschläge, um deren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Tatsächlich ist anzunehmen, dass die Liste von TROP bei weitem nicht vollständig ist. Im Jahr 2014 erstellte die BBC für den Monat November eine Liste islamistischer Terroranschläge. Das Ergebnis: 664 Anschläge mit 5.042 Toten. TROP listet für denselben Monat nur 284 Anschläge mit 2.515 Toten. Die Betreiber von TROP verfügen wahrscheinlich über ein weniger ausgebautes Recherchenetzwerk als die BBC und verwenden bei ihrer Zählung eine wesentlich strengere Definition für Terror. Und selbstverständlich kann TROP nur diejenigen Anschläge listen, über die in internationalen Medien berichtet wurde.

Auch wenn Terror in Europa irgendwie normal geworden ist, staune ich immer wieder darüber, wie grob das Ausmaß an islamistischem Terror unterschätzt wird. „Wie viele islamistische Anschläge, denkst Du, hat es weltweit seit 09/11 in etwa gegeben?“ frage ich gerne. Die beiden Antworten, die ich innerhalb der letzten Woche erhalten habe, lauten: 20 und 2.000. 2.000 ist die realistischste Einschätzung, die ich jemals gehört habe. Immerhin.

Leserpost (6)
Rudolf von Rosenbladt / 19.09.2017

also realistisch hochgerechnet komme ich dann auf über 50.000 mörderische Terroranschläge des Islam seit 09/11. Aber natürlich, das sind ja alles nur “Einzelfälle”. Schließlich heißt es “Islam ist Frieden”!

S.Schleitzer / 19.09.2017

Dass es TROP mal auf eine konservative Mainstream-Seite bringt hätte ich auch nicht gedacht. Die Zeiten scheinen sich zu ändern oder die Lage ist schon schlimmer als gedacht.

Horst Schmeil / 19.09.2017

32.000 islamistische Anschläge. Hat mal jemand die Gesamtzahl der Toten und Verletzten zusammengezählt?

Peter Groepper / 19.09.2017

Grenzöffnungsbefürworter werden jetzt sagen: Es gab also auch schon vor der Grenzöffnung Terror. Der hat also mit der offenen Grenze nichts zu tun. Ich habe es deshalb aufgegeben, mit Leuten zu diskutieren, die nichts erkennen WOLLEN.

Guido Philippi / 19.09.2017

Ähnliches begegnete dem Leser auch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Wenn ich mich recht erinnere, stach der Bericht zunächst als Eilmeldung auf rotem Bande hervor, aber war dann irgendwie plötzlich verschwunden. Nein, man musste nur ein ganzes Stück nach unten gehen um ihn dort unter “ferner liefen” irgendwo zwischen zu entdecken. Es ist wohl so kurz vor der Wahl nicht willkommen, ein Attentat so prominent hervorzuheben, war mein erster Gedanke. Schliesslich ist bei uns ja doch alles in Wohlfühl-Ordnung. Man kann nur vermuten, dass es sich bei dieser Pressehaus-übergreifenden Übereinstimmung um einen geheimen Paragraphen des neuen Pressocodex handeln könnte, der da vielleicht heissen könnte: “Bei Anruf - Weg !”.

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