Gastautor / 07.12.2017 / 12:04 / Foto: jordanbpeterson.com / 2 / Seite ausdrucken

112-Peterson: Wie man Schul-Indoktrination vermeidet

Von Jordan B. Peterson.

Frage: Dr. Peterson, ich trage mich mit dem Gedanken, ins Bildungssystem zu gehen. Haben Sie einen Rat für mich, wie ich es vermeiden kann, zu einem Sprachrohr zur Indoktrination junger Studenten zu werden?

Antwort: Nun, ich würde empfehlen, keine Essays über Dinge zu schreiben, an die Sie nicht glauben. Ich denke, es ist eine Sünde, seine Worte zu falschem Zwecke zu gebrauchen. Es gibt eine Reihe von sozialpsychologischen Experimenten, die folgendes zeigen: Stellen Sie sich vor, Sie setzen jemanden in ein Versuchslabor und lassen ihn einen Aufsatz über seine politische Meinung schreiben (oder einen Fragebogen dazu ausfüllen), um eine Vorstellung von seiner grundsätzlichen politischen Haltung zu bekommen. 

Vielleicht identifiziert sich diese Versuchsperson als rechts. Lassen Sie sie einen tausend Worte umfassenden Aufsatz darüber schreiben, warum eine bestimmte linke Position zutreffend ist. Und wenn diese Person nach zwei Wochen wiederkommt und Sie ihr den gleichen politischen Fragebogen vorlegen, dann wird sich die Meinung der Versuchsperson ziemlich radikal nach links verschoben haben.

Der Grund dafür ist, dass die meisten Menschen ihre Positionen nicht im Detail durchdenken. Wenn man sie also eine gegenteilige Position bis ins Detail durchdringen lässt, wird diese Position überzeugender.

Wenn Sie sich also auf das Gebiet der Bildung wagen, das von postmodernistischen, neo-marxistischen Typen in wirklich pathologischer Weise überrannt ist, werden Sie einem enormen Druck ausgesetzt sein, Ihre eigenen Worte zu verfälschen.

Die Angst zu scheitern, wenn man nicht mitmacht

Natürlich ist da die Angst zu scheitern, wenn man das nicht mitmacht, und tatsächlich werden Sie sicher so manches Mal von einem Professor bestraft werden. Aber ich würde sagen, in den meisten Fällen bin ich immer noch optimistisch genug zu glauben, dass Sie trotzdem eine gute Note bekommen, wenn Sie einen guten Aufsatz schreiben, der nicht bloß ideologisch korrekt ist.

Und ich denke, wenn Sie einen Aufsatz schreiben, der nicht ideologisch korrekt ist und Sie keine gute Note bekommen, ist das wahrscheinlich ein geeigneter Anlass zum Kämpfen.

Sie werden also entweder kämpfen oder kapitulieren, nicht? Das ist die harte Wahrheit. Ich sage nicht, dass das einfach wäre. Und ich würde Ihnen darüber hinaus raten, sich keine unnötigen Feinde zu machen.

Sie werden aber erkennen, dass Sie es hassen, einen verfälschten Aufsatz zu schreiben, wenn Sie dafür Ihre Seele opfern müssen. Das wird Ihren Charakter verzerren und verkrüppeln. Und Sie werden Sich nicht so leicht davon erholen. Also würde ich sagen: Tun Sie das nicht. Das ist nicht gut.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich als Videovortrag „How to Avoid Being Indoctrinated at School“ auf dem Youtube-Kanal „Jordan B. Peterson Clips“.

Foto: jordanbpeterson.com

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Leserpost (2)
Anders Dairie / 08.12.2017

Prof. Peterson stellt die Sache aus der Sicht eines Freien dar.  Der die Wahl einer Gewissensentscheidung hat.  Viele Leute haben das nicht.  Im so genannten Sozialismus, eines verkappten Staatskapitalismus (damals Sowjetunion, heute China) , wurde man als Abweichler gebrandmarkt und auch zur Rechenschaft gezogen. Politisch, sozial und körperlich.  Stalin und Mao haben Menschen allein deshalb liquidieren lassen, um durch panische Furcht Wohlverhalten und Angst vor Schaden bei erneuter Kritik zu erzeugen.  Alles geht noch grober und blutiger, als es Peterson darstellt.  Für so manchen Neo-Linken wäre das sehr lehrreich. Es immunisiert fürs ganze Leben. Für den Normalen bleibt nur noch die Demokratie übrig.

Martin Landvoigt / 07.12.2017

Der treffende Kernsatz lautet hier: ‘Der Grund dafür ist, dass die meisten Menschen ihre Positionen nicht im Detail durchdenken. Wenn man sie also eine gegenteilige Position bis ins Detail durchdringen lässt, wird diese Position überzeugender.’ Es gibt zwar eine absolute Erkenntnisunschärfe, die sich nicht durchdringen lässt, aber in der Praxis wird diese Grenze bei Weitem nicht erreicht. Man könnte viel mehr wissen, viel mehr durchdenken, als man es tut. Ein Grund liegt in der erschlagenden Vielfalt verfügbarer Informationen. Das lässt viele bereits kapitulieren, bevor sie ernsthaft angefangen haben, sich sachkundig zu machen. Dieses ‘kultivierte’ Unkenntnis wird dann durch Vertrauen in Medienberichte und Experten substituiert. Der Trick ist dann, auf diesem Hintergrund die bescheidenen Recherchepfade zu beeinflussen, um dann ein Pseudo-Offenbarungserlebnis zu generieren. Garniert mit dem profunden Misstrauen der Bösen, zumeist Industrie-Lobbyisten, wird man dann kritiklos jenen Gurus folgen, die auch in den Medien als unbestechliche Wissende präsentiert werden.

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