Fundstück / 22.02.2014 / 17:37 / 4 / Seite ausdrucken

Faschismus, Russland und die Ukraine

In der New York Times schreibt Timothy Snyder: [...] The protests in the Maidan, we are told again and again by Russian propaganda and by the Kremlin’s friends in Ukraine, mean the return of National Socialism to Europe. The Russian foreign minister, in Munich, lectured the Germans about their support of people who salute Hitler. The Russian media continually make the claim that the Ukrainians who protest are Nazis. Naturally, it is important to be attentive to the far right in Ukrainian politics and history. It is still a serious presence today, although less important than the far right in France, Austria, or the Netherlands. Yet it is the Ukrainian regime rather than its opponents that resorts to anti-Semitism, instructing its riot police that the opposition is led by Jews. In other words, the Ukrainian government is telling itself that its opponents are Jews and us that its opponents are Nazis.

The strange thing about the claim from Moscow is the political ideology of those who make it. The Eurasian Union is the enemy of the European Union, not just in strategy but in ideology. The European Union is based on a historical lesson: that the wars of the twentieth century were based on false and dangerous ideas, National Socialism and Stalinism, which must be rejected and indeed overcome in a system guaranteeing free markets, free movement of people, and the welfare state. Eurasianism, by contrast, is presented by its advocates as the opposite of liberal democracy.

The Eurasian ideology draws an entirely different lesson from the twentieth century. Founded around 2001 by the Russian political scientist Aleksandr Dugin, it proposes the realization of National Bolshevism. Rather than rejecting totalitarian ideologies, Eurasianism calls upon politicians of the twenty-first century to draw what is useful from both fascism and Stalinism. Dugin’s major work, The Foundations of Geopolitics, published in 1997, follows closely the ideas of Carl Schmitt, the leading Nazi political theorist. Eurasianism is not only the ideological source of the Eurasian Union, it is also the creed of a number of people in the Putin administration, and the moving force of a rather active far-right Russian youth movement. For years Dugin has openly supported the division and colonization of Ukraine.

Full essay

Leserpost (4)
Georg Schäfer / 23.02.2014

Es war immer schon eine Taktik der sowjetischen Propagandisten, gegenüber dem Westen bzw. den jeweiligen Gegner mit dem Nazivorwurf zu operieren. Natürlich war es auch von Seiten des Westens leicht, dem sowjetischen Totalitarismus Ähnlichkeit zum Nazismus vorzuwerfen. Der gleichen Propagandamethode folgend wie einstmals die Sowjets bezichtigen nun auch wieder die Putin-Regierung und die Anhänger Janukowitschs die Aufständischen in der Ukraine des Faschismus. Der Artikel von T. Snyder ist allerdings auch nichts weiter als die übliche Retourkutsche des Westens. Tatsächlich wurde Nationalbolschewistische Partei Russlands 2005 vom Obersten Gerichtshof verboten. Was Russlands heute betreibt, ist nichts weiter als traditionelle Interessen und Großmachtpolitik: Die Ukraine soll eben in ihrem Einflussbereich bleiben und nicht in den der EU geraten. Wir dürfen annehmen, dass auf der anderen Seite auch außenpolitische Strategen der USA und der EU die Ukraine von Russland lösen und an die EU binden wollen. Aber die nüchterne Analyse dieser machtpolitischen und wie üblich ökonomischen Interessen ist natürlich nicht aufregend genug, also muss das ganze wieder in die Kontexte des Nationalsozialismus/Faschismus und des Stalinismus gestellt werden.

Tom Brandt / 23.02.2014

Unter Janukowitsch war es wohl doch ganz nett, oder warum wird er jetzt zum Verlassen des Landes aufgefordert ;-)

Isabel Kocsis / 23.02.2014

Sehr geehrte Frau von Medenstein, gegen die Aussage Snyders über Carl Schmitt ist nichts einzuwenden. Bevor Sie über den Autor des Essays, den Historiker Timothy Snyder, urteilen, lesen Sie doch mal sein bedeutendes Werk “Bloodlands, Europa zwischen Hitler und Stalin”. Mit freundlichen Grüßen I. Kocsis

Lara von Medenstein / 22.02.2014

“Carl Schmitt, the leading Nazi political theorist” Na sowas! Der Autor des Essays ist offensichtlich ein ganz ganz großer Fachmann für europäische Geschichte und Totalitarismustheorie… Und nochmal zum auf der Zunge zergehen lassen: “Carl Schmitt, the leading Nazi political theorist”.

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