Gastautor / 27.01.2013 / 14:41 / 0 / Seite ausdrucken

Subventionen für Schlossherren

Felix Schnoor

Als ich in der Zeitung las, dass Thomas Gottschalk sein Schloss am Rhein verkauft hat, fand ich diese Meldung zunächst in etwa so interessant wie Renate Künasts Meinung zu den Sexismus-Vorwürfen, denen sich Rainer Brüderle seit einigen Tagen ausgesetzt sieht.

Aber dann las ich den Namen “Solarworld”. Der Käufer der Immobile ist nämlich Frank Asbeck, seines Zeichens Chef und Gründer dieses Unternehmens. Und dieses Unternehmen war einst der hellste Stern am grünen Himmel. Auf dem Höhepunkt anno 2008 lag der Aktienkurs bei etwas unter 50 Euro, der Gewinn betrug etwa 150 Mio. Euro.

Diese Zeiten sind längst vorbei, der Aktienkurs beträgt aktuell 1,11€ und das Unternehmen ist hoch defizitär. Es kämpft schlichtweg ums Überleben.

Für Asbeck ist der Schuldige schnell gefunden: Es sind die Chinesen, die durch Subventionen den Wettbewerb verzerren. Vielleicht stimmt das sogar. Aus einer gesamtgesellschaftlichen bzw. volkswirtschafltichen Perspektive gesehen, kann es uns doch aber nur recht sein, dass der chinesische Steuerzahler uns die Solarzellen finanziert.

Nicht erwähnt wird von Asbeck auch die Tatsache, dass sein Unternehmen von 2003-2011 laut Wirtschaftswoche insgesamt 130 Millionen Euro vom deutschen Steuerzahler erhalten hat. So etwas nennt man in Deutschland “Fördergelder”. Fördergelder werden dann gezahlt, wenn sich ein Unternehmen am Markt nicht durchsetzen kann (also das Angebot nicht den Bedürfnissen der Menschen entspricht), aber die Regierung der Meinung ist, sie müsse sich über den Markt hinwegsetzen.

Der deutsche Staat steckte also 130 Millionen Euro in ein Unternehmen, welches jetzt vor dem Bankrott steht, weil der chinesische Staat noch mehr Geld in seine Unternehmen steckt. Diese Kuriositäten haben aber offenbar keine Auswirkungen auf das Vermögen des Frank Asbeck. Der erwirbt weiter fleißig Schlösser am Rhein.

Der Vorbesitzer, Thomas Gottschalk, hat sein Vermögen im übrigen auch nicht auf dem freien Markt verdient, sondern bekanntlich durch lukrative Verträge mit dem deutschen Staatsfernsehen.

Es soll ja noch Menschen geben, die das Wirtschaftssystem in diesem Lande als kapitalsitisch bezeichnen. Im Kapitalismus werden aber Menschen belohnt, die einen Mehrwert erwirtschaften. Das haben die beiden Herren nicht getan. Man sollte es ihnen allerdings nicht zum Vorwurf machen, denn sie verhalten sich nur menschlich, indem sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen. Und vermutlich wären sie auch in einem reinen Kapitalismus erfolgreich gewesen, nur werden wir das nie erfahren. Erfahren haben wir durch diesen Immobilienerwerb lediglich, dass das Geld der Steuer-und Gebührenzahler nicht “versickert”, sondern konkreten Nutzen stiftet.

In diesem Fall hilft es einem grünen Unternehmer, sein Jagdrevier zu vergrößern.

Felix Schnoor, 22, studiert Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt am Main

Leserpost (0)

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen
Gastautor / 21.02.2017 / 14:01 / 0

Was hat Mohammed mit den Unruhen in Frankreich zu tun…

Von Imad Karim. ... und warum sind Buddha, Konfuzius, Shiva, Krishna und andere Götter unschuldig?  In einem Beitrag des als seriös geltenden „Deutschlandfunks“ ist zu…/ mehr

Gastautor / 20.02.2017 / 12:53 / 3

Mal zu viel und mal zu wenig. Am Ende ist eh alles gleich.

Von Thomas Baader. Fall 1: Burkas gibt es in Deutschland sehr selten, deshalb kann man sie nicht verbieten - logisch: Gerade weil es den Einzelfall nicht…/ mehr

Gastautor / 18.02.2017 / 06:15 / 0

Wo Afrikaner es immer eilig haben

Volker Seitz war 17 Jahre lang als Diplomat in Afrika, zuletzt als Botschafter in Kamerun. In der Einleitung zu seinem Buch kritisiert er die bisherige…/ mehr

Gastautor / 17.02.2017 / 20:00 / 4

Sag mir, wo die Freunde sind

Von Jesko Matthes „Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht.“ (Angela Merkel im Oktober 2013) Kanzlerin und Öffentlichkeit fällt es heute schwer, zu diesem Satz…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com