Samira El Ouassil und Dominic Boeer / 11.01.2013 / 21:04 / 0 / Seite ausdrucken

Karriere in Konformistan (Folge 5)

Samira El Ouassil und Dominic Boeer wissen, wie man als Applausjäger in der Mediengesellschaft fette Beute macht. In der Reihe “Karriere in Konformistan” verraten sie Punkt für Punkt alles, was man meinen muss, um in Talkshows, bei Sektempfängen und am Stammtisch gut anzukommen.

Den (leider noch nie real gewordenen) echten Sozialismus verteidigen

Sie haben es schon viel zu oft erlebt und waren jedesmal viel zu schlecht vorbereitet. Was als gemütliches Dinner begann, endet in einer verbissenen politischen Redeschlacht, bei der Sie am Ende als einziger auf die Strafbank geschickt wurden.

Ihr Vergehen: Die Verharmlosung der ausbeuterischen Natur des Kapitalismus. Völlig überflüssigerweise haben Sie wieder darauf hingewiesen, dass nicht nur wir in Sachen Freiheit und Fortschritt immens vom Kapitalismus profitiert hätten, sondern dass er auch viele Hundert Millionen Chinesen, Brasilianer, Inder, Südkoreaner und Vietnamesen aus der Armut befreit habe.

Als Sie dann noch die ketzerische Frage stellen, ob nicht der Sozialismus am Ende immer dramatisch unsozialer war als der Kapitalismus, wird Ihnen nun tatsächlich von allen Seiten die Rote Karte gezeigt. Selbst der naivste Applausjagd-Neuling muss wissen, dass er das Lieblingskuscheltier der Deutschen nicht verunglimpfen darf und sollte es sich daher ein für allemal in den Kopf hämmern: Während „die hässliche Fratze des Kapitalismus“ unsere Gesellschaft jeden Tag ein Stückchen mehr zu Grunde richtet, regnet es im Sozialismus kein Wasser, sondern kleine Bio-Kaviar-Häppchen vom Himmel. Den wirklichen Sozialismus haben wir ja (leider) alle noch nie erlebt, da jeder Versuch von imperialistischen Kapitalisten hinterhältig sabotiert und zu Fall gebracht wurde.

Wieso musste man den braven Genossenschaftsarbeiter denn auch mit dem ewig süßen Geschwätz von Freiheit und Demokratie so verführen? Und sollte irgendein faschistischer Vollpfosten behaupten, der Sozialismus habe Todesopfer gefordert, dann klären Sie ihn postwendend darüber auf, dass dafür niemals die sozialistische Idee, sondern immer nur böse, im Grunde ihres Herzens kapitalistische Menschen verantwortlich waren.

Eigentlich lässt sich heute leider nur noch in Nord-Korea noch in Ruhe am Kommunismus arbeiten, ohne dass so ein verdammter Ami dazwischen quatscht. Lassen Sie also Ihre unverbesserliche Rechthaberei und sehen endlich ein, dass der glorreiche Sozialismus bisher immer falsch verstanden, falsch erklärt, falsch praktiziert, falsch strukturiert, falsch übersetzt, ausgenutzt oder pervertiert wurde. Im Kampf der großen politischen Systeme steht es 1961:0 für den Sozialismus.

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