Wolfgang Röhl / 28.11.2012 / 07:16 / 0

Tapfer ausgeschlafen. Die „taz“ zur Zeitungs-Krise

Eine Zeitung ohne Witze-Ecke, soll Henri Nannen mal gesagt haben, sei gar keine richtige Zeitung. Ein Kollege ergänzte, die Witze-Ecke eines Blattes fände man „nicht immer dort, wo man sie vermutet“. Was natürlich ebenfalls gilt. Besonders für die „taz“. Nicht in deren Lachsack „Die Wahrheit“, sondern in einen taz-Hausblog ist unlängst ein Scherzartikel der Leiterin der Inlands-Redaktion gerutscht. Frau Ulrike Winkelmann erklärt darin aus gegebenem Anlass (Zeitungssterben! Print-Krise!), weshalb Tageszeitungen für das „Weltverstehen“, ja, für unsere Demokratie unverzichtbar sind:

„Denn die ist eine Bürgergesellschaft, von der ein erklecklicher Teil wünscht, an dem Selbstgespräch der Machthabenden und -verwaltenden, der geldeinnehmenden und -ausgebenden Instanzen beteiligt zu werden. Die tapfere Tageszeitungsredakteurin und der ausgeschlafene Tageszeitungsredakteur helfen ihnen dabei.“

Kein leichter Job:

„Das geht nur, weil sie in ihrer Tageszeitungsredaktion jeden Morgen zusammenkommen, um sich im Namen der Bürgergesellschaft aufzuregen – über den Kanzlerkandidaten, über den verseuchten See, ausgebeutete Chinesen, die misslungene Talkshow, eben über alles, was an Informationen über die Drähte, Kanäle und auf Papier angespült wird.“

Wenn das Spülbecken mit glücklosen Kanzleraspiranten, kontaminierten Seen, malochenden ChinesInnen und strunzdoofen Laberrunden voll ist und die Aufregung über das Unrecht auf der Welt allmählich kaltblütiger Entschlossenheit weicht, den machthabenden und -verwaltenden, einnehmenden und -ausgebenden Instanzen tapfer und ausgeschlafen vor den Geldkoffer zu scheißen, geht die Tagesarbeit erst richtig los. Rike:

„Die RedakteurInnen tun alles, um mehr zu erfahren. Sie rufen bei denen an, die sie für zuständig halten, und bei denen, die sie für klug halten, und bei denen, die ihnen dann noch einmal das Gegenteil erzählen. Und dann streiten sich die RedakteurInnen, wer wie viel davon in die Zeitung schreiben darf.“

Am Ende eines hektischen Tages, nach ungezählten Telefonaten mit schlauen Zuständigen und nach viel Streit um Werwowaswielang ist die taz dann fertig. Und siehe: es passt genau so viel Welt rein, wie zum erklecklichen Verständnis derselben nötig ist.

Immer wieder ein Wunder! Man nennt es „Kreuzberger Qualitätsjournalismus“. Und der kann irre komisch sein.

http://blogs.taz.de/hausblog/2012/11/22/medienkrise-warum-tageszeitungen-unverzichtbar-sind/

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