Gastautor / 20.11.2012 / 23:29 / 0

Jakobs Lügner

Manfred Gillner

Auch der „Freitag“ beschäftigt sich selbstverständlich mit den israelischen Angriffen auf Ziele in Gaza. Die Überschrift lautet: „Bevor die Raketen flogen“. Im Link steht jedoch noch: „jedes-land-hat-seine-juden“. Vielleicht war das die ursprünglich geplante Überschrift. Das Fazit des „Freitag“: „Israel stellt sich wie schon in der Vergangenheit als Opfer dar und bombardiert die palästinensische Zivilbevölkerung, während die Weltöffentlichkeit gelähmt zuschaut. Man sollte die Fakten endlich anerkennen und der unkontrollierten Atommacht namens Israel endlich die Narrenfreiheit entziehen.“

Für den „Freitag“ sind die Israelis an allem schuld. Die haben angefangen, weil bald Wahlen sind und Netanyahu sowieso ein Kriegstreiber ist, weil sie im Grunde noch nie Frieden wollten und weil der große schwarze Satan aus den USA sie gewähren lässt. Natürlich billigt man Israel ein Selbstverteidigungsrecht zu, aber eben nicht gegen Leute, die sich von Israel verfolgt und unterdrückt fühlen und zudem noch so sympathisch rüberkommen wie die Hamas. Die kann im Übrigen auch gar nichts dafür, dass sie die Juden auslöschen muss, denn das steht ja schließlich verpflichtend in ihrer Charta. Dass Israel aus dem naheliegendsten Grund zurückgeschlagen hat, nämlich wegen der anhaltenden Raketenangriffe der Hamas, kann schon deshalb nicht sein, weil es dann ja gerechtfertigt wäre.

Manche Leser in den Kommentarbereichen der Online-Medien winden sich ähnlich. Die einen bestreiten ganz einfach, dass überhaupt Raketen von Gaza aus auf Israel abgeschossen wurden. Andere meinen, das seien doch nur harmlose, selbstgebastelte Feuerwerkskörper, und die ganz Gescheiten sagen, mit den Raketen könne man ja gar nicht genau zielen, und dann zählt es natürlich nicht. Das sind erstaunlich gelassene Äußerungen aus einem Land, das seine Armee am liebsten ohne Waffen in den Krieg schicken würde, damit niemand verletzt wird.

Der „Freitag“ fand zudem den Beweis, dass eigentlich ja doch die Israelis wieder mal angefangen haben, denn: „Die Angriffe der Hamas sollen in den letzten Tagen massiv zugenommen haben. Allerdings verschweigen die meisten Medien, dass kurz zuvor israelische Soldaten einen Palästinenser, welcher der israelischen Grenze zu nahe kam, erschossen haben. Der Mann war unbewaffnet und geistig behindert. Solche Tötungen waren auch in der Vergangenheit kein Einzelfall.“

Der genannte Fall ereignete sich in der Nacht zum 5. November 2012. Der Getötete hatte sich dem Grenzzaun genähert und war trotz Rufen und Warnschüssen weitergegangen. Daraufhin schossen die Soldaten, die mit Selbstmordattentaten und Bombenanschlägen rechnen müssen, gezielt und verwundeten ihn tödlich. Wie sich später herausstellte, war er geistig behindert und unbewaffnet. Ein solcher Vorfall kann an jeder bewachten Grenze oder in militärischen Sicherheitsbereichen geschehen, auch in Deutschland. Er ist, so hart es auch klingt, vom Recht gedeckt und kein Akt von Willkür. Abgesehen davon, dass er nicht den Abschuss von Raketen rechtfertigt, häuften sich die Angriffe der Hamas schon vorher. Allein am 24. Oktober verzeichnete Israel mindestens 80 Raketen- und Mörsereinschläge.

Den zweiten tödlichen Vorfall, den der „Freitag“ erwähnt, gab es im Februar 2008 bei der geplanten Festnahme von militanten Dschihadisten. Dabei trat ein geistig behinderter Mann aus einem Haus und wurde durch Schüsse in die Beine so schwer verletzt, dass er später daran starb. Ob die Soldaten sich irrtümlich selbst gefährdet sahen oder einen Fluchtversuch vermuteten, ist nicht klar. Auch dieser Vorgang gibt jedoch niemandem das Recht, Jahre später Raketen auf Israel abzufeuern.

Die geistigen Behinderungen der Opfer könnte der „Freitag“ herausgestellt haben, um die „Taten“ als besonderes infam erscheinen zu lassen. Einen anderen solchen Fall erwähnt man hingegen nicht. Er ereignete sich im Dezember 2010. Eine Palästinenserfamilie schickte ihren geistig behinderten Jungen in eine israelische Siedlung in der Hoffnung, dass die Soldaten der IDF ihn für einen Eindringling halten und erschießen würden. Der Junge erzählte, seine Familie habe gewollt, dass er getötet werde und ihn unter vorgehaltener Waffe gezwungen, in die Siedlung zu gehen. Die Soldaten durchsuchten die Gegend und griffen vier seiner Angehörigen auf.

Siehe auch:
http://www.freitag.de/autoren/emran-feroz/jedes-land-hat-seine-juden
http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/palestinian-family-sends-mentally-ill-son-to-settlement-in-hope-idf-shoots-him-1.332433
http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Palestinian_rocket_attacks_on_Israel,_2012

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