Günter Ederer / 27.10.2012 / 10:31 / 0 / Seite ausdrucken

Die CDU und die modernen Großstadtmenschen

Jetzt geht sie wieder los, die Suche nach der Politik für den modernen Menschen in der Großstadt, der die CDU nicht mehr wählt. Vor allem im wohlhabenden Südwesten der Republik wird die Union vom grünen Schimmelpilz befallen. Erst der Ministerpräsident von Baden-Württemberg und jetzt auch noch der OB von Stuttgart – alles Grüne.

Es hagelt Ratschläge, vor allem von denen, die nie CDU wählen: mehr Frauenpolitik; mehr Krippenplätze; weniger Autos;  mehr öffentlicher Nahverkehr;  mehr Toleranz für Schwule und Lesben; mehr soziale Gerechtigkeit; und natürlich will der grüne Großstadtmensch mehr grüne Politik – was immer das ist.

Ich frage mich, wenn die Union all die Vorstellungen erfüllt, die angeblich das „moderne Großstadtmilieu“ ausmachen, was unterscheidet sie dann noch von den anderen Parteien? Vor allem von den wohl situierten Grünen? Nichts!  Und so fällt es vor allem in den Villenvierteln den Bürgern immer leichter, gleich die Grünen zu wählen. Warum sollen sie eine Partei wählen, die eine Kopie darstellt. Da ist das Original doch glaubwürdiger.

Aktuelles Beispiel: Die Diskussion um die Stromkosten. Jetzt wo sich herausstellt, dass ihre Planwirtschaft, die sie „Energiewende“ nennt, krachend scheitert, ist die Union zu allem bereit, nur nicht, die Ursache der Abzocke zu beenden. Die Idee, ein Produkt ohne Begrenzung zu völlig überhöhten Preisen staatlich garantiert zu kaufen, musste an die Wand fahren. Aber es wird nicht darüber verhandelt, wie dieser Unfug schnell zu beenden wäre, sondern, wie er geschickter umzuverteilen ist. Der Grüne Trittin hat als Hauptursache des Preisanstiegs die Ausnahmegenehmigungen für die großen Stromverbraucher identifiziert. Ein ausgemachter Blödsinn. Aber schon stellt auch die Kanzlerin fest, dass eine Überprüfung der vielen Ausnahmen sinnvoll sei. Das klingt nach Gerechtigkeit, und das wollen die „modernen Großstadtmenschen“ angeblich hören.

Also weg mit den Ausnahmegenehmigungen: Die Züge, Straßenbahnen und S-Bahnen sind zurzeit begünstigt. Da sie keinem internationalen Wettbewerb unterliegen, sollen sie in Zukunft die Stromumlage zahlen. Folge: Die Fahrpreise werden erhöht und die zahlt dann: der kleine Mann.Großbäckereien und Schlachtereien sind auch ausgenommen. Also rauf mit den Strompreisen und damit rauf mit den Brot- und Fleischpreisen. Das zahlt auch der kleine Mann.

Die Stromfresser Stahl, Kupfer, Aluminium und Zement, um nur einige zu nennen, haben es einfacher. Sie verlassen Deutschland. In den USA ist der Gaspreis dank der 100 Billionen Shelfgasreserven, die jetzt mit der Fracking-Methode gefördert werden, auf unter einen Cent gefallen. Da macht Investieren Spaß. Unsere bürgerliche Berliner Koalition diskutiert aber nicht darüber, wie die Kostenspirale beendet werden kann. Da müsste sie auch darüber sprechen, wer die Nutznießer dieses Geldsegens sind. Und da kommen wieder unsere modernen wohlhabenden Großstadtmenschen ins Spiel: Nichts bringt zurzeit soviel Rendite, wie Investitionen in Wind, Sonne und Biomasse. Vom Staat wird hier das Abzocken des kleinen Mannes auf 20 Jahre garantiert.

In Stuttgart hat der „unabhängige“ Kandidat nur in den Arbeiterbezirken Stuttgart Ost und Nord gewonnen, früheres SPD-Territorium. Die wohlhabenden Bezirke haben sich für Grün entschieden. Die garantieren die grüne Umverteilung von unten nach oben, die so moralisch daherkommt.

CDU und FDP fehlt der Mumm oder die Ehrlichkeit mit dieser Planwirtschaft, die als Energiewende daherkommt, Schluss zu machen. Aber wer will es sich mit dem Wohlfühlbürgertum verderben, mit den subventionsverwöhnten landwirtschaftlichen Großbetrieben und fotovoltaikbestückten Dachbesitzern.

So teilen sich die Wähler auf: in die, die das grüne Original wählen, in die, die zu Hause bleiben, und einen Rest, der halt sein Wahlverhalten nicht ändert. Damit ist das Siechtum der Partei von Konrad Adenauer und Ludwig Erhard nicht aufzuhalten.

Zuerst erschienen in der FULDAER ZEITUNG

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